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 Es ist nun fast 6 Jahre her ... 

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Beitrag Es ist nun fast 6 Jahre her ...
Hallo liebes Forum,

es ist schon einige Zeit her seit ich hier zuletzt geschrieben habe, doch nun habe ich eben mal wieder das Bedürfnis, mir ein wenig Trauer von der Seele zu reden.

Möchte ein wenig von mir bzw meiner "Geschichte" erzählen: Ich bin 26 und habe vor nun gut 6 Jahren abgegrieben. War damals also 20 und in der 10SSW. Ich wurde gezwungen, von meinen Eltern und meinem damaligen Freund. Mit dem war ich damals ca. 3 Monate zusammen, die Beziehung lief zu dem Zeitpunkt jedoch schon nicht mehr so rosig und er reagierte auf die Schwangerschaft sehr heftig. Naja es haute ihn eben aus der Bahn, er sagte "Nein, das geht auf KEINEN FALL" ... ich habe zwar damit gerechnet, wusste dennoch nicht wie mir geschah. Hatte damals immer noch starke Gefühle für ihn, noch immer eine rosarote Brille auf und willigte schließlich, wenn auch schweren Herzens ein, auch wenn ich es eigentlich gar nicht wollte. Tja von meinen Eltern erhielt ich auch keinerlei Beistand, nein von denen bekam ich nur Prügel und zwar richtig grausam. Auch nach dem Abbruch, als wäre ich nicht schon genug bestraft worden, haben sie mich noch zusammen geschlagen und mir fast einen Nasenbeinbruch zugefügt. Meine Mutter beschimpfte mich als Nutte und ich wurde zuhause eingesperrt.

Mein Freund machte 1 Woche später, also nachdem ES gemacht wurde, mit mir Schluss. Vor dem Eingriff erzählte er mir immer wieder "wir finden wieder richtig zueinander, okay". Aber natürlich war das nur ein Vorwand, damit ich "ihm zuliebe" abtreibe. Er hat sich dafür den A*** aufgerissen, hat mich bei allen nötigen Terminen und Voruntersuchungen begleitet und eben auch am Tag des Eingriffes. Als ich aus der Narkose erwacht bin, saß er nur neben mir und grinste mich an. Ja, er war sowas von glücklich und erleichtert, freute sich, dass er "gewonnen" hat. Bei mir hielt die Erleichterung (wenn man überhaupt davon sprechen kann) nur 1 Tag an. Danach begann ich langsam zu realisieren, was ich getan hatte und fühlte mich schrecklich, alles brach zusammen. Ich fühlte mich so gedemütigt, entwürdigt und ausgenommen und einfach nur wertlos. Von da an hasste ich mich und alle,die daran beteiligt waren. Ich bestrafte mich fast täglich, ritzte mich und aß fast nichts mehr. Es hat sich ja auch niemand bei mir entschuldigt und ich musste ganz allein damit fertig werden. Ich wollte mein Baby so sehr zurück, aber es war ja nunmal zu spät. Ich ging nocheinmal zu Pro Familia, um über meine "Probleme" zu sprechen. Ich bin auch öfters zum Friedhof gegangen wo es eine extra Gedenkstätte gibt für alle Sternenkinder und habe meinem Kleinen Briefe geschrieben und dort abgelegt und gebetet.

Auch sehr bald bekam einen starken Kinderwunsch. Und ich sagte mir fest, diesmal ist es egal was alle anderen sagen, diesmal werde ich mich durchsetzen und wenn es sein muss, zum Jugendamt gehen oder meine eigenen Eltern anzeigen. 1,5 Jahre nach dem Abbruch ging also dieser Wunsch in Erfüllung. Hatte einen neuen Freund kennengelernt und bin nach knapp 3 Monaten erneut schwanger geworden, er hatte sich auch gefreut. Er wusste von meiner Vergangenheit und wir haben auch darüber geredet, zusammen ein Kind zu haben. Von da an sah ich endlich wieder einen Sinn in meinem Leben, habe mich so gefreut. Naja es hört sich schlimman, aber diese Schwangerschaft und das erste Lebensjahr meiner nun fast 4-jährigen Tochter, war leider die einzige Zeit, in der es mir seitdem richtig gut ging. Und immer wenn ich sie ansehe oder mit ihr spiele, muss ich gleichzeitig auch an das getötete Kind denken. Diese Schuldgefühle, diesen Hass auf mich selber ziehen mich immer wieder aufs neue runter und ich werde es wohl niemals schaffen, drüber hinweg zu kommen. Jedenfalls, wenn es meine Tochter nicht gäbe, dann gäbe es mich heute auch schon lange nicht mehr. Manchmal bereue ich es sogar, dass ich mich damals nicht unmittelbar nach dem Abbruch auch umgebracht habe. Dann hätte ich mir nämlich die ganzen Jahre seelische Qual erspart. Es tut mir einfach im Herzen so weh, dass ich zu schwach war für mein Kleines zu kämpfen :,-(

Bitte verurteilt mich nicht oder interpretiert meine Worte nicht falsch ... für einige ist es unverständlich, was ich erzähle. Dennoch bitte ich um ein wenig Mitgefühl.


18.12.2013, 16:54
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Beitrag Re: Es ist nun fast 6 Jahre her ...
hallo BleedingHeart,
ich habe auf keinen fall vor dich zu verunrteilen
ich kann dich sogar sehr gut verstehen.
darf ich dich fragen was für ein verhältnis du jetzt zu deiner mutter hast?
wie wäre es denn wenn du dir jemanden suchst, der mit dir den abbruch aufarbeiten kannst.
ich schick dir einen sack voller kraft cordula


18.12.2013, 23:05
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Beitrag Re: Es ist nun fast 6 Jahre her ...
naja ich musste wie gesagt, einfach mal wieder etwas loswerden, weil ich denke das es mir ein stück guttut ... kennt das jemand von euch, dass diese schrecklichen Gefühle auch nach Jahren noch wiederkehren und man das Gefühl hat, sie niemals loszuwerden? Wenn ja, wie geht ihr damit um? Lasst ihr es einfach zu oder versucht ihr, euch abzulenken oder das schlechte Gewissen und die Schuld einfach zu verdrängen? Habe das Gefühl, machtlos zu sein ... es überkommt mich einfach immer wieder, von einem Moment zum anderen sinkt meine Stimmung auf Null und würde am liebsten einfach verschwinden. Ich denke mir, dass kann doch nicht normal sein, dass es mich immer noch so auffrisst :-(


19.12.2013, 01:19
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Beitrag Re: Es ist nun fast 6 Jahre her ...
Hallo BleedingHeart,


hier im Forum wird dich niemand verurteilen. Wir wissen wie schwer ein AB zu verarbeiten ist. Ein ungewollter AB ist noch viel schwerer zu verarbeiten. Es wird auch ganz sicher Personen geben für die es unverständlich ist, die User hier werden dich verstehen können.
Zu deinen Ab kommt noch die brutale Härte mit der du gezwungen wurdest. Der Kv dachte scheinbar nur an sich und überzeugte dich auf seine Art zum AB. Aus Liebe zu ihm hast du dann wie ferngesteuert dem AB zugestimmt.

War es aber wirklich deine Entscheidung?

Viele Frauen haben ähnliche Probleme wie du. Meine ehemalige Partnerin wurde auch von ihrer Mutter zu einem AB gezwungen und hat noch viele Jahre nach dem Ab große Probleme mit der Verarbeitung.

Du betreust, das du damals zu schwach warst um für dein Baby zu kämpfen. Ich denke mehr das du gekämpft und dein Baby nicht kampflos aufgegeben hast Hättest du nicht zu deinem Baby gestanden, hätte es vielleicht nicht die brutale Gewalt deiner Mutter gegeben. Sie hat dich mit aller Macht dazu gezwungen. Dein Freund hat deine Liebe genutzt um dich zu manipulieren.

Die Folgen mit denen du zu kämpfen hast kennen viele Frauen. Du musst zusätzlich noch mit dem Verhalten deiner Mutter zu kämpfen. Ich möchte auch nicht ausschließen das du mit einer Traumatisierung zu kämpfen hast. Du hast einzelne Schritte zur Verarbeitung gemacht. Warst bei Pro-Familia, bist auf den Friedhof gegangen und hast deinem Sternchen Briefe geschrieben und für es gebetet. Vielleicht kann es dir helfen wenn du noch einmal eine Beratungsstelle aufsuchst oder eine Therapie beginnst. Du hast sehr viel zu verarbeiten und brauchst professionelle Unterstützung. Das Schreiben im Forum kann dir auch helfen, ich denke aber es kann keine professionelle Hilfe ersetzen.

Der Hass und die Schuldgefühle ziehen dich runter. Der Hass auf deine Mutter und der Hass auf den Kv ist in meinen Augen Okay. Dich selbst solltest du aber nicht hassen. Du hast dein Kleines nicht freiwillig hergegeben. Das du heute immer noch sehr große Schwierigkeiten hast zeigt das du es sehr liebst und es nicht leichtfertig hergegeben hast.


Freundliche Grüße und viel Kraft

Oscar


19.12.2013, 03:25
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Beitrag Re: Es ist nun fast 6 Jahre her ...
Guten Abend und herzlichen Dank für eure Antworten.

@kruemelchen: Das Verhältnis zu meiner Mutter ist heute sehr schlecht, die sogenannte Mutter-Tochter-Liebe ist auf alle Fälle kaputt. Naja ich befinde mich in so nem Zwiespalt, denn einerseits bin ich leider auch von ihr abhängig. Dadurch dass ich alleinerziehend bin und vollzeit arbeite, bin ich dazu gezwungen, auch Hilfe von ihr für die Betreuung meiner Tochter anzunehmen. Andererseits kommt aber auch immer wieder dieser Hass hoch durch diese ständigen Flashbacks und ich ertrage es nicht sie täglich zu sehen (sie holtmeine Tochter 3-4mal die Woche vom Kiga ab). Es wundert mich heute noch, dass sie sich gerne kümmert und auch als die die Schwangerschaft (die zweite :!: ) bemerkte, war ich baff wo sie meinte, sie findet es schön. Naja wahrscheinlich ist ihr bewusst geworden, wie sehr ich in Wirklichkeit gelitten habe, sie hatte ein schlechtes Gewissen und ihr war wohl klar, dass wenn sie wieder dagegen redet, ich endgültig bei draufgehen würde.

Ich muss sagen, war früher ein totales Mama-Kind, sogar noch in der Pubertät. Mir tat es immer weh wenn jemand etwas schlechtes über meine Mutter gesagt hat. Doch heute bin ich diejenige, die ihr schlimme Sachen an den Kopf wirft. Von all dem wie es früher war, ist nichts mehr geblieben.

Bzgl Therapie, nun ich gehe alle 2 Monate zu nem Neurologen, aber wegen etwas anderem, wobei ich selber nicht glaube, dass die Diagnose stimmt/ zutrifft. Jedenfalls habe ich bei meinem letzten Termin zum ersten Mal dort dieses Thema angesprochen und er meinte, das sieht sehr nach einer posttraumatischen Belastungsstörung aus, was mir aber auch vorher schon bewusst war, ja ich bin sehr traumatisiert dadurch. Denn DAS ist meiner Meinung nach neben Vergewaltigung das Schlimmste was man einer Frau antun kann, wenn man sie dazu zwingt. Es fühlte sich für mich auch so an wie Vergewaltigung, weil andere über meinen Körper entschieden haben. Mein Neurologe hat mir geraten, mich nach nem spezialisierten Traumatherapeuten umzusehen, was ich auch mache, auch wenn ich mir nicht sicher bin, ob es mir bei der Verarbeitung hilft. Aber mal schauen ...

Darf ich fragen, hast du auch einen AB hinter dir? Wenn ja, wie lange ist es her und wie kommst du heute damit zurecht?

PS: entschuldige, als ich das zweite mal geschrieben habe, stand deine Antwort noch nicht dort ;-)

@Oscar:

NEIN es war nicht meine Entscheidung. Rechtlich oder formal gesehen vielleicht schon, weil ich ja mit unterschrieben habe. Aber dazu wurde ich eben gezwungen. Wie du schon sagst, ich wurde manipuliert und meine Gutgläubigkeit wurde ausgenutzt.

Insgeheim weiss ich schon, dass es nicht ganz richtig ist mich selbst zu hassen, aber ich bin eben machtlos dagegen. Selbst wenn ich es wollte, könnte ich dagegen nicht ankämpfen. Fühle mich wie ein Robotor, als wären jegliche Handlungen, Gedanken und Emotionen ferngesteuert und ich kann sie nicht beeinflussen.


19.12.2013, 23:32
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Beitrag Re: Es ist nun fast 6 Jahre her ...
liebe BleedingHeart,
ja ich hatte auch einen abbruch. bei mir jährt sich das ganze im januar das 8. mal.

es gibt immer wieder situationen in denen es schwer ist damit zurecht zu kommen. wie z.b. die woche als ich an der abruchpraxis vorbei gefahren bin. da kamen 2 frauen raus und die eine hat sehr geweint. ich hätte am liebsten angehalten, sie in den arm genommen und ihr gesagt, dass ich sie gut verstehen kann. aber das hab ich mich natürlich nicht getraut. aber danach ging es mir ziemlich schlecht.

ich habe damals auch meine mutter gehasst. denn sie hat mir auch zu dem abbruch geraten. ein jahr später habe ich ihr gesagt, dass ich in eine klinik gehen werde, weil ich mit dem abbruch nicht zurecht komme, meinte sie: das hab ich mir schon fast gedacht. ich habe damals nach meinem abbruch bestimmt 10 jahre gebraucht um damit fertig zu werden. ich: und dann räts du mir zu sowas? sie: je, weil es war die richtige entscheidung. jahre später wollte ich eine aussprache mir ihr. sie is damals extra nach nürnberg gekommen, denn ich wollte meine therapeutin als unterstützung dabei haben. ich hatte ihr dann einen brief vorgelesen über alles was mir wichtig war ihr zu sagen. seit diesem gespräch ist unser verhältnis wieder ganz gut. also, ganz vergessen und vergeben kann ich das meiner mutter nicht was da damals passiert ist.

deine mutter hat vielleicht auch gemerkt das der abbruch nicht der richtige weg war. habt ihr jemals über den abbruch geredet? aber ich finde als ausstehende trotzdem sehr stark von deiner mutter, dass sie jetzt so für dich da ist. das is vielleicht ihre art zu zeigen, dass sie was gut machen möchte.

ich fände es gut, wenn du dir nen therapeuten suchst. ein neurologe hat da glaub ich nicht die richtige ausbildung. aber vielleicht täusch mich da aber. also ich könnte es mir zumindest nicht bei meinem neurologen vorstellen, dass ich mit dem was psychologisches machen würde.

vielleicht kann ja ein gespräch mit deiner mutter dazu führen, dass ihr euch wieder annähert. ich würde es dir/euch sehr wünschen.

ich werde diesen abbruch sicher NIE vergessen. meine lilli wird immer einen großen platz in meinem herzen haben. ich habe einen kleinen platz im wohnzimmer für sie eingerichtet. dort steht einen kerze, 3 kleine engelchen, für jedes meiner kinder eins und eine kleine truhe in der alles ist was mich an sie erinnert. und wenn mir danach ist zünde ich die kerze an, nehme mir die sachen aus der truhe oder schreibe auch hier an sie.

liebe grüße cordula


20.12.2013, 10:20
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Beitrag Re: Es ist nun fast 6 Jahre her ...
liebe kruemelchen,

ich denke unsere situationen/ erfahrungen und ereignisse ähneln sich um einiges! gerade wo du von deiner mutter gesprochen hast, habe ich mich an etwas erinnert. vor ca. 2 jahren, wo ich meiner mutter "durch die blume" zum x-malsten vorgeworfen habe was sie mir angetan hat, sagte sie mir "weisst du eigentlich, dass ich so etwas früher auch hatte?" .. da hatte ich auf einmal einen richtig dicken kloß im hals. im ersten moment hatte ich mitleid mit ihr und sie tat mir sehr leid ... doch später dachte ich mir ... war es dann etwa so eine art Racheaktion an mich, aus Frust oder weil sie dachte, sie müsste jemandem (ihrer eigenen Tochter) auch soetwas antun?? mir wurde ganz kalt und heiss zugleich und dann bin ich ihr erst einmal eine Weile aus dem Weg gegangen, weil ich selber nicht wusste was ich denken sollte.

Nein, über das was damals war, haben wir noch nie direkt gesprochen. Für sie ist das Thema einfach abgehakt. Entweder will sie es nciht sehen, dass ich heute noch so sehr darunter leide oder sie nimmt es gar nicht so sehr wahr, dass es deswegen ist. Ich glaube ich möchte auch gar nicht mit ihr darüber sprechen. Weil es ganz einfach keinen Sinn machen würde.

Generell glaube ich, wenn man als Frau zu einem AB gezwungen wird, dann wird man es nie 100%ig verarbeiten, also man wird immer in irgendeiner Weise mit den Folgen zu kämpfen haben, sich Vorwürfe machen und böse Erinnerungen behalten, mal mehr mal weniger ... vielleicht wird es mit der Zeit besser, jenachdem wie die allgemeine Lebenssituation sich verändert ... aber vergessen wird man es wohl nie.

Ich habe die zwei Ultraschallbilder, die ich damals von meinem Junior bekommen habe, auch immer bei mir getragen. Aber vorletztes Jahr wurde mir meine Geldbörse geklaut, wo ich die drin hatte :,-( aber zum Glück habe ich sie noch auf meinem PC gespeichert.

Gab es denn damals auch einen Partner, also war der KV zu dieser Zeit noch präsent bzw. hat deine Entscheidung mit beeinflusst?

Ich wünsche dir auch weiterhin viel Kraft und alles Gute. Es tut wirklich gut, sich mit Leuten auszutauschen, die dasselbe durchgemacht haben und wenn man weiß, man steht nicht alleine da.

Einen schönen Abend noch und ein erholsames Wochenende.


21.12.2013, 01:10
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Beitrag Re: Es ist nun fast 6 Jahre her ...
liebe BleedingHeart,
ja es gab damals einen mann in meinem leben, sogar einen ehemann. ich hatte schon 2 jungs. die waren damals 2 und 7 jahre alt. so im nachhinein betrachtet war es .... naja... also ich hatte im september 2005 einen nächtlichen epileptischen anfall (das erste mal in meinem leben). einen monat später hatte ich wieder einen und seit dem mußte ich medikamente nehmen. in dieser zeit ist auch uner baby entstanden. ich wollte damals kurz vor weihnachten meinen neurologen anrufen und fragen wie es aussieht bei der krankeit. er war aber nicht da und so hatte ich einen kollegen von ihm dran, der mir eigentlich nur vorwürfe gemacht hat.z.b. "wieso sind sie schwanger geworden." "wissen sie nicht wie man verhütet?" nur solche blöden fragen. er meinte aber auch, dass man nit epilepsie eine schwangerschaft planen muß, wegen der medikamente. das ein anfall das baby schädigen kann.
ja... und dann war da noch mein ehemann. der meinte in der beratungsstelle: ich möchte definitiv kein 3. kind, wenn sie es aber bekommen möchte, stehe ich hinter dir. naja und dann waren da halt noch meine schwester, tante, freundinnen. alles, bis auf eine, haben sich gegen meine lilli ausgesprochen. der arzt wollte damals, dass ich wieder nach hause gehe, er wollte den abbruch nicht machen, weil er befürchtete, dass ich psychische probleme bekommen könnte. die ja dann leider auch kamen. aber ich war damals schon anfang der 12. woche und alle haben doch gesagt, dass ich es nicht bekommen soll. also mußte ich es doch tun. scjheiße wenn man keine entscheidungen treffen kann.

aber heute hab ich selbstständig entschieden, dass ich meine haare noch mal schneiden lassen muß, weil ich mir mit der frisur, die die friseurin am donenrstag geschnitten hat, sehr sehr unwohl gefühlt habe. obwohl die anderen gesagt haben, dass ich schön aussehe :)

liebe grüße cordula


21.12.2013, 14:30
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Beitrag Re: Es ist nun fast 6 Jahre her ...
Liebe Kruemelchen,

das hört sich auch alles sehr schlimm an. wenn du aufgrund der krankheit so verunsichert warst und diese ja sozusagen deine Entscheidung mit beeinflusst hat und du aber nichts dafür kannst. ich muss noch erwähnen, dass bei mir auch ein heftiger Vorfall eine entscheidende Rolle gespielt hat. Und zwar bin ich damals von einem Auto angefahren worden, naja schon mit starker Wucht und frontal. Aber ich hatte unheimliches Glück im Unglück, trug eine dicke Jacke, flog durch die Luft und bin auf dem Rücken gelandet. Außer nem Schock und ein paar Prellungen an den Armen trug ich keine Verletzungen davon. Im Krankenhaus habe ich dann erfahren, dass ich schwanger bin. Naja durch den Schockzustand kam ich da erstmal gar nicht drauf klar bzw. habe es eigtl nicht wirklich geglaubt. Doch wo man Ultraschall gemacht hatte, aber das Baby nicht zu sehen war, dachte ich ich hätte es schon verloren und bin in Tränen ausgebrochen. Beim nächsten Ultraschall jedoch war der Herzschlag zu sehen und da habe ich mich gefreut. Als meine Mutter mich abholen kam, sagte sie mir nicht, sie sei froh, dass ich noch lebe, sondern schrie mich nur an wegen der SS. Naja wo ich wieder zuhause war, begann eben für mich die Hölle.

Manchmal frage ich mich, ob die Handlungen seitens meiner Eltern wirklich rechtens waren. Ich meine das sie so hart zu mir waren, also natürlich das sie mich geschlagen haben, aber vor allem, ob Eltern ihrer Tochter vorschreiben können abzutreiben (zumal ich ja schon 20 war). Ich denke nicht, oder?? Naja aber was solls, es ist ja eh zu spät ...

Generell denke ich, haben gewisse Faktoren/ Situationen/ Lebensumstände einen großen Einfluss darauf, wie man später mit soetwas zurecht kommt. Zum einen denke ich persönlich, macht es schon irgendwo einen Unterschied, ob man verheiratet ist, gerade in ner frischen Beziehung oder gar nur eine Affäre hatte ... und ob man schon Kinder hat oder nicht. Damit will ich nicht sagen, dass es dann vielleicht leichter wäre, um Gottes Willen. Unter Umständen ist es dann sogar noch härter, da man ja täglich seine Kinder sieht. Naja aber ich persönlich hatte damals einfach so große Angst, als Strafe nicht mehr schwanger werden zu können und niemals Mutter werden zu dürfen. Dies ist ja nun zum Glück nicht der Fall, aber ändert eben nichts daran dass mir ein Kind genommen wurde und ich mir mein Leben lang Vorwürfe machen werde. Aber auch dieses Kind hat seinen festen Platz in meinem Herzen.

Das ist schön zu hören, dass du dich heute durchsetzt um deinen Entscheidungen selbst zu treffen, auch wenn es nur um deine Haare geht ;-) Dies ist auch meine Devise, dass ich zukünftig all meine Entscheidungen selbst treffen werde.

Ich wünsche allen hier schon einmal frohe Feiertage und einen guten Rutsch ins neue Jahr. Auf dass uns das nächste Jahr hoffentlich wieder ein paar mehr Lichtblicke bietet und wir das Leben ein wenig gelassener sehen.


23.12.2013, 02:19
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Beitrag Re: Es ist nun fast 6 Jahre her ...
Hallo ihr lieben, seid ganz lieb gegrüßt. Ich hoffe ihr hattet alle schöne Feiertage und einen guten Start ins neue Jahr.

Leider hat niemand mehr geantwortet, habe öfters mal rein geschaut ...

Ich habe sehr damit gekämpft, die Feiertage irgendwie zu überstehen ... ich habe, wie die letzten Jahre auch, zusammen mit meinen Eltern, Geschwistern u deren Partnern gefeiert, hauptsächlich wegen meiner Tochter, da es für sie halt schöner ist als zuhause nur mit mir unterm Christbaum zu sitzen.
Ach es sind wieder einige Situationen vorgekommen, in denen ich am liebsten im Boden versunken wäre, hatte Druck ohne Ende. Vor allem wegen meiner Mutter. Sie mischt sich gerade immer extrem in die Erziehung meiner Tochter ein. Beispiel: am 1. Weihnachtstag wollten wir uns bei meiner Cousine u ihrem Mann zum Glühwein treffen. Meine Tochter trotzte etwas herum (sie hat im Moment wieder so eine Phase) wollte nicht die Sachen anziehen, die ihr meine Mutter geschenkt hatte und wollte lieber nach Hause ... meine Mutter rennt hinter ihr her, wirft mir wie so oft vor, ich hätte das Kind nicht im Griff usw. Da ist es in mir wieder hochgekocht, mir sind Dinge rausgerutscht, naja die ich hier nicht alle erwähnen möchte. Hauptsächlich in Zusammenhang mit der Geschichte vor 6 Jahren ...
Mir war es ganz recht, dass meine Tochter nicht mit wollte ... meine Cousine ist gerade schwanger und momentan habe ich wieder so eine extreme Phase wo ich keine schwangeren Frauen oder frischgebackenen Mamis ertrage. Sagte meine Mutter zu mir "sag mal, kannst du es eigentlich gar nicht haben, wenn andere auch mal schwanger sind?" BOAH dachte ich mir, das hättest du nicht sagen sollen. NEIN kann ich nicht!! das müsste sie, wenn überhaupt ja wohl am meisten verstehen ... in dem Moment konnte ich nicht mehr, mir wurde richtig übel, alles drehte sich, ich hatte so einen Druck, der einfach raus musste ... da bin ich ins Bad gerannt und es überkam mich, nahm mir eine Schere und legte los.
Ist einfach wieder so heftig im Moment, diese schlechten Gefühle kommen immer so schlagartig zurück. Aber gibt ja auch gewisse Menschen und Situationen, die es immer wieder begünstigen. Ich komme dagegen nicht an.


05.01.2014, 00:44
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Beitrag Re: Es ist nun fast 6 Jahre her ...
Hallo zusammen

Ich habe gerade deinen letzten Eintrag gelesen, BleedingHeart... Mir erging es über die Festtage ähnlich. Wir hatten eine Feier mit der halben Verwandtschaft. Da war Schwangerschaft das Thema Nr.1! Eine meiner Cousinen ist im September Mutter geworden, und eine andere ist schwanger und wird ihr Kind im Mai auf die Welt bringen... Mein Kind hätte am 16.Dezember geboren werden sollen. Das war total schwierig für mich, weil alle nur über Kinder und Schwangerschaften geredet haben :( Keiner ausser meinen Eltern wusste, was damals vor 8 Monaten passiert ist. Nur in mir drin hat sich alles gedreht und ich wusste nicht, was ich denken sollte :cry:

Ich denke, wir müssen alle irgendwie versuchen damit klarzukommen. Bei mir ist es noch nicht so lange her, und wie ich sehe, wird es wahrscheinlich auch später nicht leichter sein... Die Zeit heilt alle Wunden, sagt man so schön. Aber diese Wunde kann wohl niemals geheilt werden!

Ich wünsche euch allen viel Kraft und ein gutes neues Jahr! Hoffentlich werden wir viele schöne Ereignisse feiern können.

Liebe Grüsse
lory


09.01.2014, 12:25
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Beitrag Re: Es ist nun fast 6 Jahre her ...
Hallo lory, danke für deine Antwort.

Ich dachte auch zwischendurch, diese schlimmen Gefühle würden irgendwann aufhören. Manchmal war es ja auch so, gerade in dem Jahr wo meine Tochter zur Welt kam, habe ich fast kaum noch an das Erlebte vorher gedacht und mir auch keine Vorwürfe mehr gemacht. Aber dann kam es schlagartig wieder zurück und ich bin diesem "Sog" machtlos ausgeliefert :-(

Heute war wieder der nächste heftige Tiefpunkt ... der Morgen begann zunächst recht gut, habe meine Tochter geweckt und ihr noch eine Geschichte vorgelesen, während sie ihre Milch getrunken hat ... naja es war schon recht spät und musste natürlich zur Arbeit, sie wollte sich nicht anziehen ... musste ein bisschen mit ihr Schimpfen und habe mich gleich wieder als schlechte Mutter gefühlt. Da kam gleich wieder dieser Gedankenblitz "Mein Gott, du hast schon ein Kind umgebracht und das andere (lebende) Kind behandelst du schlecht" ... naja wo wir dann fertig waren, habe ich sie schließlich in den Kiga gebracht ... seit dem Moment wo ich mich von ihr verabschiedet habe, war ich wie in Trance ... dachte mir einfach, muss den Tag irgendwie überstehen, habe meine Arbeit gemacht und hatte einfach nur nen Tunnelblick, alles um mich herum habe ich ausgeblendet.

Ich hatte wieder soo starke Selbstmordgedanken, habe mir zu Hause "vorsichtshalber" 3 Packungen Schlaftabletten mit eingepackt. Und auf der Arbeit habe ich mir überlegt, wie ich es anstelle, war sogar fest entschlossen ... aber wie ihr seht, habe ich auch diesmal noch die Kurve gekriegt. Was mich letztendlich wieder umgestimmt hat, weiss ich nicht genau, ich war jedenfalls kurz davor endgültig aufzugeben. Vermutlich war es der Gedanke an meine Tochter, die mich doch braucht und daran, wie es ihr denn nachher jemand erklären soll, dass Mama nicht mehr da ist ... sie ist doch noch so klein :-(
Ich weiss, es hört sich sehr heftig an, was ich schreibe und alle werden denken/sagen dieses Mädel braucht dringend nen Seelenklemptner. Wie gesagt, bin ja schon beim Neurologen und bemühe mich um eine Gesprächstherapie ... aber mal ehrlich, wenn es zum Ernst/Notfall kommt, dann hilft auch in dem Moment kein Therapeut mehr.

Lory, darf ich fragen wie alt du bist und was/ wer dich zu der Entscheidung gebracht hat? (Musst letzteres nicht beantworten, wenn du es nicht willst)

Manchmal frage ich mich, wenn ich auf der Arbeit bin, einkaufen gehe etc. ... welche Frau um mich herum alles schon mal abgetrieben hat (oder wenn überhaupt jmd) ... als ich auf dieses Forum gestoßen bin, dachte ich nur, omg sind das aber viele, hätte ich nicht gedacht ... aber sonst in meinem Umfeld sehe ich nur lebensfrohe, selbstbewusste Frauen und Mädchen ... bei denen man nicht gerade denken könnte, dass die soetwas hinter sich haben könnten.


10.01.2014, 00:16
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Beitrag Re: Es ist nun fast 6 Jahre her ...
liebe BleedingHeart,
es tut mir echt leid, dass es dir so schlecht geht. mir ging es damals auch so. mir hat dann hier jemand dazu geraten in eine psychosomatische klinik zu gehen. ich hatte große angst davor. aber sie haben mich überzeugt und ich habe mich um einen platz gekümmert. und bin im nachhinein froh, dass ich es gemacht habe. vielleicht wäre das ja einen option für dich. meine kinder waren damals auch noch ziemlich klein und ich hatte dann eine haushaltshilfe im haus.

jetzt nach 8 jahren... also vergessen habe ich meine lilli nicht und werde sie auch nicht vergessen, will sie auch nicht vergessen. ich werde sie immer in meinem herzen tragen. und es gibt auf alle fälle zeiten in denen der abbruch und der gedanke an meine lilli sehr weh tut. aber nicht mehr so wie damals, anders.
liebe grüße cordula


10.01.2014, 17:32
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Beitrag Re: Es ist nun fast 6 Jahre her ...
BleedingHeart hat geschrieben:
Hallo lory, danke für deine Antwort.

Ich dachte auch zwischendurch, diese schlimmen Gefühle würden irgendwann aufhören. Manchmal war es ja auch so, gerade in dem Jahr wo meine Tochter zur Welt kam, habe ich fast kaum noch an das Erlebte vorher gedacht und mir auch keine Vorwürfe mehr gemacht. Aber dann kam es schlagartig wieder zurück und ich bin diesem "Sog" machtlos ausgeliefert :-(

[...]

Lory, darf ich fragen wie alt du bist und was/ wer dich zu der Entscheidung gebracht hat? (Musst letzteres nicht beantworten, wenn du es nicht willst)

Manchmal frage ich mich, wenn ich auf der Arbeit bin, einkaufen gehe etc. ... welche Frau um mich herum alles schon mal abgetrieben hat (oder wenn überhaupt jmd) ... als ich auf dieses Forum gestoßen bin, dachte ich nur, omg sind das aber viele, hätte ich nicht gedacht ... aber sonst in meinem Umfeld sehe ich nur lebensfrohe, selbstbewusste Frauen und Mädchen ... bei denen man nicht gerade denken könnte, dass die soetwas hinter sich haben könnten.


Liebe BleedingHeart

Ich werde nächste Woche 25 Jahre alt und mein Abbruch war im April 2013, also mit 24. Für die Entscheidung gab es viele verschiedene Gründe... Einer der grössten Gründe war mein jetziger Freund. Er wäre der Vater des Kindes, wir waren aber zu der Zeit noch nicht zusammen. Ich habe ihn im Januar (also genauer gesagt gestern vor einem Jahr) kennen gelernt. Wir verstanden uns sofort gut und sehr schnell wurde auch mehr daraus. Wir lernten uns besser kennen und hatten sowas wie "Freundschaft plus". Ich habe mich bald in ihn verliebt und schlussendlich kam es mir vor, wie wir bereits eine Beziehung hätten. Auch Aussenstehende (Freunde und Bekannte) haben immer gedacht, wir seien ein Paar. Wir waren es aber noch nicht.
Im April bemerkte ich dann meine Schwangerschaft. Mein Freund (der es ja damals noch nicht war) war ganz klar dagegen. Wir haben viele lange Gespräche geführt und haben uns auch während des Tages via Handy ständig geschrieben und diskutiert. Er war vollständig gegen unser Kind und hat mir dies auch sehr stark zu spüren gegeben. Er hat z.B. Dinge gesagt wie: "Wir haben nicht einmal eine gemeinsame Zukunft". Und er könne es nicht verstehen, dass er mit 21 ungewollt Vater werden soll, ohne Geld und gar nichts... Dazu muss ich noch erklären, ich lebe in der Schweiz und mein Freund ist Deutscher, wohnt aber auch seit bald 2 Jahren in der Schweiz. Er arbeitet hier, hat aber bisher nichts gespart. Somit wäre es für ihn ein finanzielles Problem gewesen.
Für mich persönlich sprachen auch meine Zukunftspläne gegen das Kind. Ich wohne noch zu Hause und denke seit 2 Jahren ans Ausziehen. Eine eigene Wohnung hätte ich mir aber nicht leisten können, wenn ich mich für das Baby entschieden hätte. Ausserdem wäre es ein Wunsch, eine längere berufliche Auszeit zu nehmen und irgendwo ins Ausland zu reisen (Sprachaufenthalt + Reisen). Dies wäre unmöglich geworden. Ausserdem habe ich mich so hilflos gefühlt. Es war zu viel für mich, ich konnte mir nicht vorstellen, jetzt schon Mutter zu werden. Ich habe ständig meine Meinung geändert. Einmal wollte ich das Kind, dann wieder nicht. Ich hätte von meinen Eltern auch Unterstützung erhalten, aber ich wollte es nicht ohne meinen Freund durchziehen. Und da ich wusste, dass mein Freund den Kontakt zu mir abbrechen würde, falls ich mich für das Kind entscheide, war mir klar, dass ich das Kind nicht bekommen kann. Die Liebe zu ihm war zu stark. Natürlich liebe ich auch mein Baby, aber für mich wäre eine Welt zusammen gebrochen, wenn ich meinen Freund nicht mehr hätte. Er hat mir zwar gesagt, es sei letztendlich meine Entscheidung, aber er wolle nichts mit dem Kind zu tun haben. Ich möchte aber später eine glückliche Familie haben. Ich will nicht, dass ich dem Kind erklären muss, warum es keinen Vater hat, oder warum sein Vater es nicht kennen will...
Naja, vielleicht wäre alles anders gekommen. Man weiss ja nie! Aber für mich war in dem Moment klar, dass ich mich entweder für meinen Freund und gegen unser Baby, oder für das Baby und gegen meinen Freund entscheiden werde. Da wusste ich, dass ich unser Kind nicht bekommen kann :cry:
Ich war glücklicherweise früh genug dran, also konnte ich einen medikamentösen Abbruch durchführen. Diese Art des Schwangerschaftsabbruchs hat mir aber gezeigt, was ich Schreckliches getan habe. Ich konnte sehen, wie ich mein Kind verliere. Es war schlimm!!! Die Zeit zwischen der Feststellung der Schwangerschaft und der Entscheidung war auch die Hölle für mich. Es dauerte 7 Tage und ich konnte mich bei der Arbeit überhaupt nicht konzentrieren. Ich dachte die ganze Zeit nur an mein Baby. Leider habe ich damals dieses Forum noch nicht gekannt. Direkt nach dem Abbruch war ich erstmal nur erleichtert. Ich war froh, dass ich die Entscheidung hinter mir hatte und dass ich jetzt nichts mehr ändern konnte. Bereits nach wenigen Tagen setzte aber die Trauer ein :(
Heute geht es mir mehrheitlich gut. Ich bin sehr oft traurig über das, was ich getan habe. Aber immerhin bin ich knapp 2 Wochen nach dem Abbruch mit meinem Freund zusammen gekommen und seither leben wir in einer Beziehung. Im Dezember habe ich mich für eine Wohnung beworben und sofort die Zusage erhalten. Ich werde im April 2014 ausziehen und somit erfüllt sich auch mein grosser Wunsch. Das war mir sehr wichtig, denn der Umzug war einer der Gründe gegen mein Kind. So kann ich wenigstens sagen, ich habe alles daran gesetzt, wenigstens dieses Ziel zu erreichen. Vielleicht verzeiht mir mein Stern... Ich denke jeden Tag an ihn (ich habe oft geträumt, es wäre ein Junge geworden).
Wenn ich mit meinem Freund streite, dann kommen alle Erinnerungen viel stärker wieder in mir auf. Ich habe ständig Angst, dass er mich verlässt. In diesen Momenten wünsche ich mir, ich hätte mich für unser Baby entschieden, denn so hätte ich wenigstens etwas von ihm. Ich weiss, das ist schwer zu verstehen, und ich kann auch nicht richtig erklären, was ich damit meine. Mein allergrösster Wunsch ist jetzt, dass ich mit ihm in einigen Jahren eine Familie gründen kann.

Was die anderen Leute angeht, da habe ich dieselben Gedanken wie du. Oft stelle ich mir vor, dass es doch auch in meinem Dorf einige Frauen geben muss, die ein Kind abgetrieben haben. Ich werde es jedoch nicht erfahren.
Was ich weiss, ist, dass die Mutter meines Freundes ebenfalls eine Abtreibung hinter sich hat. Sie hatte jedoch damals andere Gründe, die noch besser verständlich waren als meine.
Ich kann nicht eindeutig sagen, ob ich meine Entscheidung bereue oder nicht. Für mich war es wie gesagt auch eine Entscheidung für oder gegen meinen Freund. Aus diesem Grund bin ich froh, dass ich mich so entschieden habe, denn ich bin sehr glücklich mit ihm :) Wiederum muss ich sagen, am liebsten hätte ich einen Kompromiss gehabt, nämlich dass beides möglich wäre. Mein Freund und unser kleiner Stern...den ich immer lieben werde!


13.01.2014, 13:56
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Beitrag Re: Es ist nun fast 6 Jahre her ...
liebe bleeding heart (besonders, aber auch liebe cordula und liebe lory),

ich kann dir sagen: mein herz blutet mit und auch das verdrehte gefühl im magen stellt sich bei mir ein, wenn ich deine geschichte lese. ich möchte schreien an bestimmten stellen. und ich möchte dich in sicherheit bringen. in sicherheit bringen vor dem völlig verdrehten gedanken, dass du die schuld hast am verlust deines kleinen. du schreibst ganz eindeutig, dass du gezwungen (!) wurdest. das ist gesetzlich verboten.
dieser unterschwellige emotionale oder auch ganz greifbare zwang wird aber auf dem weg zu einer abtreibung oftmals geduldet, akzeptiert. oder es wurde vielleicht nicht mal wahrgenommen, unter welchem druck du damals standest. denn als frau schämt man sich auch noch für so vieles und sagt nicht das, was wirlklich los ist. der arzt vielleicht hätte noch „nein“ sagen könnte, wenn er sieht, wie die frau weint vor der narkose (wie bei dir, cordula). nicht erst danach, wenn sie weinend auf die straße gehen. tränen sagen dann doch, was wirklich los ist. und auch da möchte ich schreien! es wird immer gesagt: „das muss die frau ganz allein entscheiden. das ist ihre freiheit und ihre würde.“
ist das nicht zynisch!
allein entscheiden heißt da eher: allein lassen, im stich lassen. niemand macht sich zum fürsprecher der frau – ich glaube, das ist bei euch allen dreien so gewesen. jede von euch musste in gewissern hinsicht gegen sich selbst handeln. was ist das für eine freiheit!??
und so sind alle, die euch nicht zu eurem kind unterstützt haben, die nicht gesagt haben: „ich werde alles für dich tun, was ich kann“ – mindestens mit-verantwortlich für euren schmerz.
nur – und da möchte ich wieder schreien – vor dem gesetz sind sie es nicht. weil die frau allein entscheidet ...... es scheint dann so, als hätte sie es gewollt (die unterschrift, klar). ich verstehe eure verzweiflung darüber. über dieses verdrehen. und über dieses vergessen, wer denn nun eigentlich die abtreibung wollte. mich macht das unsäglich wütend und traurig zugleich. ihr leidet an etwas, was ihr niemals auf euch nehmen wolltet, was aber nach außen so aussieht, als hättet ihr es gewollt –

liebe bleeding heart,
dir nochmal ganz besonders: dein leben ist so so wichtig für deine kleine tochter! und du - du hast kein kind umgebracht! eher so: du hast nicht ausreichend widerstandskraft gehabt in einer situation, in der du vollkommen unter druck gesetzt wurdest. wird mit diesem gedanken deine schwere last leichter?
du bist ganz sicher eine wunderbare mutter! und auch sonst bist du unter allen von dir beschriebenen personen diejenige, die aufrichtig und liebevoll ist. dein leben ist für immer wichtig und wertvoll!!
schmeiß die tabletten weg!!!!
euch dreien ganz ganz herzliche liebe grüße von tizia


15.01.2014, 14:03
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