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 noch eine Geschichte 

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Beitrag noch eine Geschichte
Hallo ihr Lieben!
Ich hab bis jetzt immer nur still gelesen. Jetzt melde ich mich auch mal zu Wort und erzähle euch meine Geschichte.
Ich war in den letzten 5 Jahren in 3 langen Beziehungen. Die letzte ist ungefähr ein Jahr her und ist kaputtgegangen wegen der Entfernung. Weil ich wegen meinem Studium weiter weggezogen bin. Wir waren fast 3 Jahre zusammen. Ich war also immer die brave - immer in einer Beziehung, immer sozial engagiert und zu allen lieb.
Mit meinem Studium hat sich viel geändert und ich hab jemand neues kennengelernt. Wir haben uns ein paar Mal getroffen und hatten dann irgendwas miteinander. Das ging dann ungefähr über einen Monat immer mal wieder. Es ging mir gut dabei, wir haben uns nicht geliebt, aber ich mochte ihn und ich hab ihm vertraut. Obwohl ich auch gemerkt habe, dass Geschlechtsverkehr einfach viel schöner ist, wenn man sich verliebt in die Augen guckt. Jedenfalls hab ich dann irgendwann gemerkt, dass ich überfällig bin und ging zum Arzt, der die Schwangerschaft feststellte.
Ich hätte aufgrund meines sozialen Wesens nie gedacht, dass ich mal einen Schwangerschaftsabbruch vornehmen lasse und ich habe viel mit meiner Familie und meiner "Affäre" geredet. Meine Familie meinte sie würde mich unterstützen, aber ich müsse mir auch über die Folgen im Klaren sein.
Studium abbrechen, nachhause ziehen, zuhause bleiben, Mama sein und alle Bedürfnisse zurückstellen und dann wusste ich nicht mal wie ich überhaupt eine Ausbildung hätte machen können. Da ich eine Ausbildung und das Studium zusammenmache, kann ich auch nicht einfach Semester aussetzen oder nur zu ein paar Vorlesungen kommen. Ich hab von Montag bis Freitag von 8 bis mindestens 3 Uhr verpflichtenden Unterricht aber ich liebe es. Ich liebe mein Studium, auch wenn ich nicht viel Geld verdienen werde, glaube ich es ist jetzt, hier in dieser Stadt genau das richtige für mich.
Nach vielen emotionalen Gesprächen stand fest, dass ich es nicht behalten würde. Der Vater war sehr dankbar über diese Entscheidung, da er von anfang an sagte, dass er dieses Kind nicht will.

Jetzt ist der Abbruch ein bisschen länger als ein Monat her und ich denke viel drüber nach. Ich weiß, dass es "richtig" war, beziehungsweise nicht "richtig", aber zumindest bereue ich meine Entscheidung nicht. Aber das macht mir auch ein schlechtes Gewissen.
Und wenn ich den Vater des Kindes sehe ist das irgendwie komisch. Ich mag ihn sehr, aber manchmal merk ich auch, dass es mich wütend macht, dass er wahrscheinlich nicht mehr so viel darüber nachdenkt wie ich. Und dass er sofort gesagt hat, dass er es nicht will. Andererseits bin ich auch froh, dass wir nicht zusammen sind, weil ich glaub ich nicht mehr mit ihm schlafen könnte. Oder zumindest würde es mir schwerfallen, ihn nochmal so nah an mich ranzulassen..
Kennt ihr das Gefühl?
Und außerdem ist es so, dass ich Kinder liebe. Das hab ich schon immer und jetzt fällt es mir besonders auf. Wenn ich Kinder in der Stadt sehe, dann schau ich sie immer genau an und werde nachdenklich. Es muss bestimmt ganz toll sein Mama zu sein und ich will später auch unbedingt Kinder. Aber ich merke auch, dass es mir wichtig ist, dass es dieses Kind es leicht hat. Es soll behütet aufwachsen mit Mama, die eine Ausbildung hat und dem Kind was bieten kann. Und vor allem soll es eine Mama und eine Papa haben, die es zusammen großziehen, weil ich weiß wie blöd Patchwork sein kann. Obwohl ich dann auch immer denke, dass es andere auch so hinbekommen haben, was mir dann wieder ein schlechtes Gewissen macht.
Und dann denk ich auch, ob es mir überhaupt zusteht glücklich zu sein. Ob es okay ist, mein Studium und mein Leben zu genießen, oder ob ich das nicht darf, weil ich diesem Zellhäufchen (ich hab es gesehen, da ich medikamentös abgebrochen habe) nicht Chance gegeben hab, ein Mensch zu werden.

Aber am meisten zu kämpfen hab ich damit wie mich meine Mitmenschen angucken. Ich denke mir immer: Was wäre, wenn du wüsstest was ich getan hab? Wärst du dann hier? Was wäre wenn ich meinen Freundinnen sagen würde, dass ich schwanger war und es hab "wegmachen" lassen. Oder was ist, wenn ich mal einen Freund hab und ich ihm das nach einigen Monaten/Jahren Beziehung erzähle... was ist, wenn er mich dann verlässt? Und wie sage ich meinen Kindern später, dass sie vielleicht ein Geschwisterchen hätten? Und wann sagt man das seinen Kindern überhaupt? Ich habe so Angst vor der Zukunft und ich habe Angst, dass mich die Angst kaputtmacht.

Und obwohl das hier ein Forum ist, habe ich sogar Angst hier verurteilt zu werden...


07.02.2016, 01:24
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Beitrag Re: noch eine Geschichte
liebe philosophia,
herzlich willkommen bei uns.
ich bin seit 2006 hier im forum und es hat noch nie jemad anderen angegriffen, weil er abgetrieben hat. denn hier gibt es nur frauen die selber einen abbruch hatten.

das gefühl, dass ich denjenigen, der den abbruch wollte nicht mehr lieben und mit ihm schlafen könnte, kenne ich sehr gut. daran ist meine ehe zerbrochen.

ich habe die erfahrung gemacht, dass mich nie jemand blöd wegen dem abbruch angemacht hat. eher waren alle sehr einfühlsam. weil mich der abbruch schon in ein sehr, sehr tiefes loch hat fallen lassen.

vor meinem abbruch hatte ich schon 2 kinder. damals waren sie 2 und 7 jahre al. damals als es mir sehr schlecht ging, habe ich ihnen erzählt, dass in meinem bauch ein baby war, was in meinem bauch gestorben ist. der große, der inzwischen schon 17 ist, weiß das es ein abbruch war. dem jüngeren, der 12 ist hab ich die ganze wahrheit noch nicht erzählt. allerdings hat vor 3 jahren mal sein vater zu ihm gesagt, dass das baby nicht in meinem bauch gestorben ist sondern ich es wollte, dass es nicht mehr in meinem bauch bleibt. dafür verfluche ich ihn heute noch, denn ich wollte den abbruch nicht. der 12jährige sagt heute noch öfter, dass es schön gewsen wäre, wenn er eine kleine schwester gehabt hätte. und wenn mir oder ihm danach ist zündet er ihre kerze an.

liebe grüße von cordula


08.02.2016, 15:11
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Beitrag Re: noch eine Geschichte
Liebe Cordula,

lieb, dass du mir schreibst. Obwohl meine Situation vielleicht eine völlig andere ist, kann ich dich sehr gut verstehen.
Ich bin 21 kinderlos, in meiner Erstausbildung und der Vater des Kindes war nur ein befreundeter Arbeitskollege. Von daher ist es leicht, auf das körperliche zu verzichten. wir sind ja nicht zusammen.
Dass dadurch eine Ehe zerbricht, wünscht man echt niemandem! Ich fühle mit dir.

Ich bin in keinem Loch und in meinem geliebten Studium so eingebunden, dass ich immer wieder merke, dass ich das mit Kind einfach nicht geschafft habe. Es tut weh, wenn ich einem kleinen Menschlein nicht die Chance auf ein Leben gegeben habe. Aber ich weiß nicht, ob es ein schönes Leben gewesen wäre.

Ich wünsche dir alles gute. Ich habe letztens den Spruch gelesen "nichts ist so schlecht, dass es nicht für irgendetwas gut ist"
Das hilft mir irgendwie :)


15.02.2016, 18:15
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