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Beitrag Vor 12 Tagen...
Es ist Samstag. 12 Tage nach dem Abbruch. Die Tage seitdem vergehen wie in Zeitlupe, kommen mir unendlich lang vor. Das kenne ich eigentlich nicht. Die Zeit ist immer gerast und war Zuwenig. Gleichzeitig fühle ich mich wie in Watte gepackt. Nichts kommt richtig an mich ran. Nichts bewegt mich. Weder positiv noch negativ. Fühle mich irgendwie innerlich abgestorben.
Wie mein Kind.
Das ich letzte Woche gehen ließ.

Ich bin 39, fast 40. Verheiratet, mein Mann ist 51, wir haben eine Tochter mit 6 Jahren.
3 Tage vor Weihnachten war der Schwangerschaftstest positiv. Eigentlich wusste ich es aber schon am Vorabend. Meine Brüste haben sich anders angefühlt. Rund und schwer. Wie auch immer. Im ersten Moment habe ich mich total gefreut; ein zweites Kind! Dann kam die Panik. Was ist, wenn es sich im Eileiter eingenistet hat? Was ist, wenn es behindert ist? Tausend Dinge gingen mir durch den Kopf und ich habe mir unendlich viele Sorgen um diese Schwangerschaft gemacht.
Mein Mann auch. Und noch deutlich darüber hinaus: Wie schaffen wir das in unserem Alter? Wie gehen wir damit um, dass das Kind mit 20 einen 72jährigen Vater hat, der – weil ohnehin gesundheitlich angeschlagen – möglicherweise das Ausbildungsende nicht erlebt? Wie erlebt das ein Kind? Wie schaffen wir es finanziell, eine Ausbildung zu finanzieren, wenn wir beide schon in Rente sind? Wie sollen die nächsten 2 oder 3 Jahre aussehen, wenn ich daheimbleibe?

Ich will an dieser Stelle ergänzen, dass ich als Führungskraft in der Großindustrie und mich nach dem ersten Kind mühsam in Teilzeit wieder zurückgekämpft habe. Der Spagat zwischen Familie, Job und Haushalt kostet mich bereits jetzt extrem viel Kraft und ich hatte wirklich Angst davor, ob das mit zwei Kindern zu schaffen ist.

Nichts desto trotz kam ein Abbruch für mich nicht in Frage. Das passte nicht in mein Weltbild. Mein Mann dagegen stellte das sofort zur Debatte. Ich habe mich dieser Diskussion 3 Wochen völlig entzogen, war in Schockstarre und ganz damit beschäftigt, schwanger zu sein. Mir war ziemlich viel schlecht in dieser Zeit, das kannte ich aus meiner ersten Schwangerschaft nicht…
Erst Mitte Januar konnte ich mich gedanklich diesem Thema stellen

Anfangs habe ich mich innerlich massiv gewehrt. Allerdings hat mein Mann mir immer wieder vor Augen geführt, wie die Realität mit 2. Kind aussehen würde. Irgendwann bin ich eingeknickt, da ich trotz mir seiner Versicherung (ich will das Kind nicht, aber wenn Du Dich dafür entscheidest, stehe ich hinter Dir) nicht sicher war, ob wir es gemeinsam schaffen würden, ein gutes Leben zu gestalten. Im Gegenteil: Ich hatte große Angst davor, dass genau das nicht gelingen würde und schließlich alle (meine Tochter, mein Mann und ich) unglücklich wären. Wir hatten schonmal eine ziemlich schwere Zeit zusammen und haben uns mit therapeutischer Begleitung wieder rausgekämpft. Gleichzeitig kam auch die Sehnsucht danach hoch, mich endlich mal wieder um mich kümmern zu können. Das kam in den letzten 6 Jahren deutlich zu kurz; da war mein Leben überwiegend durch Pflichterfüllung bestimmt.

Wir hatten dann 2 Beratungsgespräche. Im ersten habe ich nur geweint und konnte das, was ich wollte und das, was mein Mann von mir erwartete, überhaupt nicht trennen. Das war im zweiten Gespräch besser und ich habe – obwohl mein Herz etwas anderes sagte – den Beratungsschein genommen und einen Termin zur Voruntersuchung vereinbart. Das war furchtbar: Fremde Praxis, fremder Arzt und irgendwie habe ich mich in einer Art Maschinerie gefühlt. Am kommenden Montag sollte der Abbruch erfolgen. Sonntags bin ich zusammengebrochen und Montag morgens habe ich den Termin abgesagt.

Und dann ist ein Alptraum über mich hereingebrochen. Wo in den zwei vorherigen Wochen immer ich diejenige war, die geweint hat, hat nun mein Mann ununterbrochen geweint. Um sein Leben, das er nicht führen kann; um seine Tochter, der er mit einem zweiten Kind nicht mehr das geben kann, was er selbst erfahren hat (finanziell und emotional)… es waren dramatische Stunden und am Abend war ich soweit, dass ich einen neuen Termin wollte! Um das Thema zu beenden und die vielen Sorgen los zu sein.

Ich habe das meinem Mann am Dienstagmorgen gesagt und anschließend jede Kommunikation eingestellt. Ich konnte einfach nicht mehr mit ihm reden. Am Donnerstag ist die Situation dann eskaliert: Mein Mann ist mich aus Verzweiflung massiv angegangen und – was viel schlimmer war – hat unsere Tochter, die ja von nichts wusste, mit ins Thema gezogen. Eine Stunde lang ging das. Er konnte sich nicht beruhigen und erst als unsere Tochter weinend an mir hing und meinen Mann gestoßen und geschlagen hat (um mich zu schützen?), ist er zu sich gekommen.
Ich bin umgehend wieder zu dem Arzt und habe erneut einen Termin für den Montag bekommen. Den habe ich auch wahrgenommen und habe mir in den Tagen dahin immerzu eingeredet, dass damit alles gut wird. Dass ich durch die Entscheidung gegen das Kind die Verantwortung für mein lebendes Kind, für meine Ehe und die Familie übernehme.
Den Montag habe ich wie in Trance erlebt: In die Praxis, Gebühr bezahlt, kurzes Gespräch mit dem Arzt und dem Anästhesisten, dann in den OP, ausziehen, auf den Tisch, Kanüle legen…. und dann bin ich irgendwann wieder aufgewacht. Ohne Emotion. Immerhin ging es mir körperlich nicht schlecht.

Den Dienstag habe ich weinend zuhause verbracht. Ich konnte einfach nicht aufhören. Habe immerzu daran gedacht, dass ich mein zweites Kind verloren habe. Und dass dieses zweite Kind das einzige sein würde, das jemals noch zu mir gekommen wäre. Ich wollte früher immer zwei Kinder, und hier war die Chance. Ich habe meiner Schwangerschaft nachgetrauert, die ich so gerne erlebt hätte.

Den Mittwoch und Donnerstag habe ich damit zugebracht, mich abzulenken. Ich habe die alten Kindersitze, meine Umstandskleidung und allerhand Kram zusammengesucht und inseriert. Gleichzeitig habe ich immer wieder geweint. Es sollte also endgültig sein. Mir kam es im gleichen Moment vor, als wollte ich mich selbst bestrafen, indem ich alles weggab, was ein zweites Kind gebraucht hätte. Letzten Freitag habe ich wieder zu arbeiten begonnen, stand aber völlig neben mir. So ist es seitdem. Ich war mit unserer Tochter auf Faschingsveranstaltungen ohne die geringste Freude zu erleben. Ich wünsche mir nur noch dieses zweite Kind zurück. Das ist so fatal! Extremer Kinderwunsch!
Mein Mann ist tief betroffen davon, wie sehr ich leide und wie schwer mir alles fällt. Er nimmt mich in den Arm, hält mir die Hand. Aber das erhoffte „dann lass es uns nochmal versuchen“ bleibt aus. Dann hätten wir uns das Ganze ja auch sparen können. Er will kein zweites Kind in seinem Alter. Und ich sehe – rational betrachtet – die Schwierigkeiten durchaus. Und die enorme Anstrengung, die das bedeutet. Aber mein Herz ist da nicht dabei.
Seit drei Tagen ist plötzlich alle Emotion weg. Keine Tränen mehr. Nur noch eine große stille Leere.

Ich gehe davon aus, dass sich früher oder später alles wieder normalisiert; dass ich lerne, das Geschehene zu verarbeiten und in mein Leben zu integrieren. Aber momentan fehlt mir jeder Antrieb dazu. Und meine kleine Tochter tut mir leid. Sie kann doch nichts dazu. Und jetzt weine ich doch…


14.02.2016, 00:05
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Beitrag Es geht besser...
Heute geht es mir besser. Ich kann den Gedanken, ohne dieses zweite Kind zu leben, das nicht geplant, aber für wenige Wochen eine Option in meinem Leben war, denken, ohne dabei unwillkürlich zu schluchzen.

Ich wundere mich, dass die bloße Option trotz aller Rahmenbedingungen und Argumente, die gegen dieses Kind sprachen (und sprechen), einen so heftigen Kinderwunsch auslösen konnte. Und zwar erst, nachdem es zu spät war!
Im Moment bin ich darüber einfach traurig. Aber ruhig. Warum habe ich das nicht vor dem Termin so deutlich empfunden?

Ich denke, mit der Zeit wird der Gedanke an meinen kleinen Engel erträglicher werden. Und irgendwann vielleicht mit Liebe und nicht ausschließlich mit totaler Sehnsucht, Verzweiflung und Traurigkeit möglich sein.

Mein Mann sagt, ich würde wirre Sachen sagen und Dinge vermischen (Verlustschmerz, Kinderwunsch, Wunsch nach Nähe und Geborgenheit, Wunsch, mich um mich zu kümmern, etwas Sinnstiftendes zu tun...). Komisch, denn ich fühle das so und ich finde, dass es sich schlüssig und korrekt und verständlich anfühlt.


17.02.2016, 00:10
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Beitrag Re: Vor 12 Tagen...
Hallo Eve,

was du geschrieben hast, kann ich total gut verstehen.
Ich bin auch 35,fast 36, ungewollt schwanger geworden, und wir können es auch nicht behalten.
Allerdings geht es meinem Mann genauso schlecht wie mir, gäbe es irgendeine Möglichkeit, würden wir das Kind behalten, aber wir
haben einfach keine Optionen...
Nicht böse gemeint, aber dein Mann ist nicht so sensibel, wie er im Moment sein sollte, oder? Manche Männer können sich einfach nicht
hineinversetzen, wie es sich anfühlt, wenn was kleines in einem Bauch heranwächst...mein einziger Trost ist, das mein Mann genauso
leidet wie ich, er ist eigentlich auch total gegen Abtreibung,aber wir schaffen das einfach nicht, weder finanziell noch menschlich, da
sind wir an unseren Grenzen.
Aber sei dir sicher, du bist nicht allein mit deinem Schmerz, jeder hier weiß, was du durchmachst, und ich werde es bald auch am
eigenen Leib spüren, die Frist läuft ab....
Fühl dich umarmt, bleib weiter tapfer für deine Tochter!

Liebe Grüße!!


29.02.2016, 07:50

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Beitrag Re: Vor 12 Tagen...
Hallo Wolkenbruch,

Vielen Dank für Deine lieben Worte. Tatsächlich tut es gut, sich nicht so ganz allein zu fühlen.
Nach nunmehr vier Wochen geht es mir an manchen Tagen ganz gut. Heute nicht so sehr. Hat doch ein Kollege erzählt, er würde Vater werden. Gleicher Termin wie bei mir. Seitdem habe ich einen dicken Kloß im Hals.
Aber es ist eben nicht mehr rückgängig zu machen. Ist eine Tatsache.
An Tagen wie heute fällt es mir - obwohl ich doch sonst so vernünftig bin - schwer, das alles zu glauben und die Frage "wie konnte ich bloß?!?" Ist omnipräsent.
Aber ich muss und ich will wieder ins Leben finden. Für unsere Tochter. Und für meinen Mann, den ich trotz allem sehr liebe. Verrückt, ich dachte, ich würde irgendwann wütend auf ihn werden. Bin ich aber nicht. Letztlich war es meine Entscheidung. Auch wenn die sicher anders ausgefallen wäre, hätte er nur einmal vo Herzen Freude auf das Kind gezeigt. Wenn ich daran denke, dass ich das alles für uns drei getan habe, wirds kurzzeitig besser. Ich habe Verantwortung für uns drei übernommen. Aber die Last ist schwer.

Dir wünsche ich auf Deinem Weg viel Kraft und für die Zukunft von ganzem Herzen alles Gute!


29.02.2016, 23:58
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Beitrag Re: Vor 12 Tagen...
Hallo eve,

ja, so ist es, wenn man erwachsen ist, man muß Entscheidungen treffen, die ganz furchtbar, aber dennoch richtig sind. Ich muß mich
auch entscheiden, diese Woche ist es wohl soweit, letzte Gespräche, dann der Termin...mir ist schon ganz flau im Magen.
Wir Frauen müssen am meisten leiden, heimlichtuerei vor der Familie, wir spüren es wachsen, fühlen uns schwanger, und müssen
dann kapitulieren. So geht es mir jedenfalls. Vielleicht meine letze Chance auf ein Mädchen, und ich muß es wegmachen lassen...
eins für vier, ähnlich wie bei dir.
Laß den Kopf nicht hängen, du bist nicht allein mit diesem Schmerz!


08.03.2016, 07:59
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Beitrag Re: Vor 12 Tagen...
Hallo eve,

also, wenn ich all diese Beiträge, also auch deinen, so lese, hab ich echt richtig Angst vor meinem nahenden Eingriff. Mein Termin
steht für nächste Woche Freitag...mir ist so übel, wenn ich nur daran denke.
Mein Verstand sagt mir immer, du tust das richtige, du übernimmst Verantwortung für deine Jungs, damit sie eine Zukunft haben, in
der sie nicht finanziell am Hungertuch nagen...aber das Herz...das Herz schreit, tobt und weint. Irrationalerweise habe ich auch
absolute "Todesangst", wenn ich an eine Zukunft mit drei Kindern denke, gerade in unserer kapitalistischen Gesellschaft, wo
Mobbing in der Schule an der Tagesordnung ist usw, und trotzdem weigere ich mich daran zu denken, daß unser Kind bald nicht mehr
ist...schiebe den Gedanken weit weg, und je näher der Termin rückt, desto mehr trifft mich dann die Realität wie ein Vorschlaghammer.
Keine Ahnung, wie ich damit umgehen soll...du schaffst es ja auch irgendwie...aber wirklich gut geht es einem dabei nicht, nicht wahr?
Irgendwie ist jede Entscheidung die falsche, den Verstand und die Vernunft kann man dabei als wenig hilfreich erachten.

Drück dich ganz doll, halte dich weiter tapfer!
Liebe Grüße!!


10.03.2016, 07:36
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Beitrag Re: Vor 12 Tagen...
Liebe Wolkenbruch,

Meist geht es mir inzwischen ganz passabel. Frag nicht warum. Vermutlich beschäftige ich mich dauernd, um keine Zeit zum Nachdenken zu haben. Manchmal (aber immerhin nicht mehr täglich) kommt alles wieder hoch, all die Verzweiflung und die Trauer um dieses Kind, das nicht leben durfte und ich will nichts im Leben mehr, als alles rückgängig zu machen. Aber ich weiß, dass es die richtige Entscheidung war. Auch wenn das unendlich schwer für mich ist. Dennoch trage lieber ich diese Last als dass ich die Alternative meiner Tochter und meinem Mann zugemutet hätte.

Liebe Wolkenbruch, Du hast schon so viel geschafft in Deinem Leben. Ich wünsche Dir ganz viel Kraft für morgen!
Fühl Dich fest gedrückt!


17.03.2016, 22:59
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Beitrag Re: Vor 12 Tagen...
Hey ihr beiden,

ich sitze hier gerade und lese über eure Geschichte/Situation. Ich bin berührt und voller Mitleid! Ich würde euch am liebsten einfach mal in den Arm nehmen, ich weiß es kann den Schmerz nicht wegnehmen, aber es tut manchmal so gut diese Nähe und Liebe zu spüren, und ich hoffe das ihr euch sozusagen in dieser Umarmung fühlt!
Ich bin überzeugt das die Kinder im Himmel sind, besonders für eine Freundin war es sehr heilsam zu wissen, dass ihr Kind an einem so wunderbaren Ort ist!
Es ist gut auch zu trauern, das darf man auch, und zeigt das es nicht spurlos an einem vorbeigeht. Ich hoffe wirklich sehr, dass ihr jemanden habt, mit dem ihr reden könnt, auch wenn es mal schwer wird. Ich will euch einfach ganz viel Liebe schicken, auch wenn wir uns nicht sehen oder kennen!!!

Für euch, eine Liebesbotschaft


18.03.2016, 02:49

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Beitrag Re: Vor 12 Tagen...
Hallo eve, hi Liebesbotschaften!

Danke für die netten Worte,es hilft wirklich sehr, wenn andere Anteil nehmen. Ich wollte nur erzählen, daß wir uns letzten Endes doch
noch FÜR unser Kind entschieden haben.
Der Termin rückte immer näher, und mein Mann und ich waren wie Fremde, konnten uns nicht mehr angucken, waren nur noch gereizt
und fertig...einen Tag davor hatte mein Mann einen regelrechten Zusammenbruch, so hab ich ihn in 15 Jahren Beziehung noch nie
gesehen! Er hatte mich dann gebeten, meine Mutter einzuweihen, und wenn sie auch nur ein Argument dafür hätte, sollten wir den
Termin canceln. War natürlich ein tränenreicher Anruf, wie im Bilderbuch. Jedenfalls hat uns dieses Gespräch dazu bewegt, den Termin
abzusagen. Kaum hatte ich das getan, kam unsägliche Erleichterung auf, eine riesen Last fiel uns von den Schultern! Insgeheim hatten
wir beide dieses Kind von Anfang an gewollt, trotz aller Zukunftsängste...
Die Ängste bleiben, aber wir holen uns finanzielle Hilfe, und wir stützen uns gegenseitig, auch, wenn ich im Moment viel Übernehmen
muß, da bei meinem Mann beginnendes Burn out Syndrom diagnostiziert wurde...es ist schwer, uns steht viel Arbeit bevor, aber wir
freuen uns auf unser Kind.Mich plagen nur Ängste, ob es gesund ist, oder ob nun, da ich mich dafür entschieden habe, Trisomie oder
sonstwas im Raum steht...bescheuert, ich weiß,aber ich bin halt keine 20 mehr.
Liebe eve, du hast bestimmt für deine Situation richtig entschieden, da glaube ich fest dran, laß dich nicht hängen, und rede über deine Trauer, damit du nichts verdrängst, was dich eines Tages wie ein Boomrang wieder einholt! Fühl dich ganz fest gedrückt, und
schreibe mir, wenn du traurig bist, ich hab immer ein offenes Ohr!
Liebe Grüße

Wolkenbruch


19.04.2016, 06:50
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Beitrag Re: Vor 12 Tagen...
Hallo, ihr Lieben!

Ich habe ähnliche Geschichte. Musste grad weinen, nachdem ich eure Nachrichten gelesen habe! Bei mir ist es 5 Wochen her nach dem Abbruch und ich möchte das so sehr wieder rückgängig machen. Leider bin ich auch schon 42 und mein Mann 48. Wir haben uns wegen dem Alter hauptsächlich gegen das Kind entschieden. Das wäre auch schon das 4. Und nach langer Überlegungen habe ich das schweren Herzens getan! Wir haben so sehr beide gelitten und geweint! Vor allem mein Mann gleich am zweiten Tag hatte fast Nervenzusammenbruch! Jetzt tröstet er mich hauptsächlich :( An manchen Tagen geht es mir gut und vergesse sogar mein Erlebnis für kurze Zeit und dann gibt es solche Situationen, als ich von der Schwangerschaft von einer Frau aus der Tanzschule erfahren hatte, die ungefähr in der gleichen Woche ist, wie ich es wäre... Danach hatte ich auch nur geweint! Es hilft uns sehr zusammen zum Tanzkurs zu gehen und ab und zu zur Salsa-Partys... Das machen wir seit 1,5 Jahren und es lenkt am besten ab!
Wir haben endlich für uns Zeit gefunden seit letztem Jahr und waren so glücklich, dann ist es passiert mit der ungewollten Schwangerschaft, ich habe mich total in meinem Körper getäuscht und habe normalerweise genau ausgerechnet mit dem Eisprung, hat auch immer funktioniert bis vor kurzem...Deswegen habe ich um so mehr Schuldgefühle, eigentlich war es ein Geschenk Gottes und ich habe diesem Kind kein Leben ermöglichen können! Hatte von vorne an Angst, wieder von neuem zu beginnen und das Leben nicht mehr selber zu geniessen, das ich so viel für meine 3 Kinder opfere... Unser jüngster wird im Sommer 7. Die 2 großen Mädchen sind erwachsen. Im großen und ganzen habe ich eine glückliche Familie, die mich liebt und die ich sehr liebe! Aber diese Leere jetzt macht mich einfach unendlich traurig und ich hoffe nur, dass die Zeit alle Wunden heilt! Und denke immer daran, warum? was wäre wenn? Wenn ich die Zeit zurück drehen könnte, hätte ich das niemals gemacht und würde das Kind behalten. Mein Mann hat die gleichen Gefühle. Es geht ihm natürlich viel besser als mir, weil es nicht sein Körper ist. Ich muss seelisch und körperlich immer noch leiden und habe leichte Blutungen bis jetzt. Wir würden das alles bestimmt schaffen mit dem Kind, anstatt Depressionen deswegen zu bekommen...
Man weiss es nie, ob es eine richtige oder falsche Entscheidung war! Aber weil es so ein Tabuthema ist, komme ich einfach nicht damit klar und fühle mich fast wie ein Mörder :( Ich bin so froh, hier einfach euch gefunden zu haben, und fühle mich nicht mehr alleine.
Wünsche euch weiterhin viel Kraft, das ganze zu verarbeiten euren Familien zuliebe und würde mich sehr freuen, wenn jemand von euch mit mir schreibt.

Liebe Grüsse
Ella


16.05.2016, 02:52
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Beitrag Re: Vor 12 Tagen...
Heute jährt sich mein Abbruch.

Ich war lange nicht im Forum und habe viel an dem Thema gearbeitet. Meist bin ich klargekommen, wenngleich ich damit sehr alleine war. Mit meinem Mann kann ich darüber nicht mehr reden. Da stehen Zuviels Vorwürfe im Raum. Aber wie gesagt: Meist kommen wir gut klar und es gab auch immer wieder wirklich glückliche Momente im letzten halben Jahr, in denen all das ganz vergessen schien.
Ich versuche sehr, mich auf die Zukunft zu konzentrieren. Wir machen Pläne.

Aber die Trauer geht nicht weg. Im Moment fühlt es sich an, als würde das nie ganz vorbei sein, sosehr ich auch daran arbeite. Ich vermisse mein zweites Kind. :(
Heute ist natürlich besonders schlimm. Ich weine viel und denke an die Zeit vor und nach dem Eingriff.

Aber das Leben geht weiter und die Zeit lässt sich nunmal nicht zurückdrehen. Und sich darüber Gedanken zu machen, "was wäre, wenn" bringt nicht weiter.


01.02.2017, 19:21
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