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 Ich habe Angst vor einer Entscheidung... 

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Beitrag Ich habe Angst vor einer Entscheidung...
Hallo...
ich habe hier einiges gelesen und bin von dem wertschätzenden Umgangston in dem Forum ein wenig ermutigt worden, mich nun hier zu öffnen und euch um Rückmeldungen zu bitten.

Vor 5 Tagen hatte ich den positiven Test in der Hand, geahnt bzw. gewusst habe ich es schon viel früher, obwohl ich jetzt erst in der 5. SSW bin.
Ich (39J.) bin verheiratet (mein Mann ist 45J.) und habe schon drei Kinder im Alter von 6, 4 und 2,5 Jahren.
Die Kleine kam schon ungeplant, aber erwünscht, da wir drei Kinder wollten, nur etwas mehr Zeitabstand gewollt hätten. Die Schwangerschaft und die ersten 1,5 Jahre haben mich körperlich und psychisch an den Rand gebracht, es ging mir nicht gut und ich konnte mir nicht vorstellen, jemals noch ein weiteres Kind zu bekommen.
Inzwischen ist es leichter, aber immer noch sehr anstrengend. Mein Mann und ich sind beide selbständig, was uns einerseits flexibel macht, andererseits kann v.a. das Unternehmen meines Mannes durchaus relativ schnell dicht machen müssen, wenn der Hauptauftraggeber abspringt (davon ist nicht auszugehen, aber man weiß ja nie).
Mein Mann sagt, dass mich ein viertes Kind überfordern wird, er "noch weniger" arbeiten müsse, um mich zu entlasten und es "keinen Sinn machen würde". Auch wären wir zu alt. Andererseits ist es so, dass ich schwanger geworden bin, obwohl wir nur einmal direkt nach Ende meiner Blutungen miteinander intim waren ohne Verhütung. - Ja ich weiß, dass es letztlich immer passieren kann und komme mir so naiv vor, weil ich die letzten 2,5 Jahre peinlichst auf die Verhütung geachtet habe... - Jedenfalls sagt mein Mann auch, dass es so wirkt als wolle da jemand zu uns kommen. Dennoch ist er für einen Abbruch, würde aber meine Entscheidung in welche Richtung auch immer mittragen.

Jetzt weiß ich nicht mehr weiter.... Ich bin hin und her gerissen....
Es gibt eine Seite in mir, die sagt, naja, warum nicht? Ich bin irgendwie neugierig, was für ein Mensch sich da entwickeln würde.
Andererseits merke ich, dass ich nicht mehr diese große Sehnsucht nach einem weiteren Kind verspüre, wenngleich meine klar ablehnende Haltung von vor 1 Jahr so nicht mehr besteht.
Ich habe wirklich Angst, wieder in eine solche Krise zu geraten im Rahmen der Schwangerschaft und den ersten 1-2 Jahren nach der Geburt, und dann allen vier Kindern nicht mehr gerecht werden zu können, weil ich nur noch am Rande bin mit meinen Nerven. Wie soll das gehen, Beruf, vier Kinder , Haushalt, großer Garten, Beziehung, eigene Interessen???
Es ist ja so schon schwierig, braucht viel Organisation und Abstriche bzgl. früherer Ansprüche.

Der Gedanke daran, mich gegen ein Leben zu entscheiden, zerreist mich innerlich. Ein Abbruch war für meinen Mann und mich bis Kind Nr. 3 unvorstellbar. Auch habe ich das Gefühl, meine eigene Naivität jetzt ausbaden zu müssen und mir nicht mithilfe eines AB meine "Freiheit" zurückholen zu dürfen auf Kosten eines unschuldigen Lebewesens. In drei Tagen haben wir einen Termin bei ProFamilia, wovon ich mir nach Besuch dieser Homepage nicht mehr allzu viel Hilfe bei der Entscheidungsfindung erwarte.

Eine andere Seite in mir sagt, dass ich es mir nicht immer schwer machen muss im Leben und mich die Vorstellung nur mit meinen drei Kindern und Mann weiterzuleben irgendwie erleichtert.
Ich habe solche Angst, dass ich - sollte ich mich für einen Abbruch entscheiden - in eine tiefe Depression verfallen werde und alles bereue. Andererseits habe ich Angst, dass mich eine weitere Schwangerschaft und noch ein Kind in meinem / unseren Leben so überfordern werden, dass ich mich mit meinem Mann zerstreite und meinen Kindern keine gute Mutter sein kann....

Die eine Freundin, die davon weiß, sieht mich bzw. uns in der moralischen Verantwortung, das Kind anzunehmen, da sie nur mit Unterstützung Kinder bekommen konnte.

Irgendwie habe ich das Gefühl, nur scheitern zu können.
Gibt es hier andere Mütter in eine ähnlichen Situation? Wie habt ihr euch entschieden?

Ich wäre dankbar, wenn ihr mir eure Gedanken zu meiner Situation schreiben könntet. Vielleicht kann ich mich dann besser sortieren und entscheiden...

Viele Grüße
ratlos23


05.10.2015, 00:11
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Konflikt-Beratung

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Beitrag Re: Ich habe Angst vor einer Entscheidung...
Liebe Ratlos,

erst einmal herzlich Willkommen hier im Forum.

Das Forum ist leider nicht mehr sehr belebt, deswegen möchte ich Dir eine zeitnahe Antwort geben, auch wenn ich nicht selber betroffen bin.

Eine Beratung bei Pro Familia ist nicht unbedingt schlecht. Solltest Du Dich nicht gut beraten fühlen, gehe noch zu einer weiteren. Du hast noch Zeit mit der Entscheidung. Lieber etwas länger zögern, als diese schwierige Entscheidung über das Knie zu brechen.

Es gibt noch Beratungsstellen von Donum Vitae, manchmal AWO, vom SKF (die dürfen halt keinen Beratungsschein mehr ausstellen) und natürlich von der Diakonie.

Ich bleibe jetzt mit meiner Antwort auf der prakmatischen Seite weil ich hoffe, dass sich noch betroffene Frauen bei Dir melden.

Liebe Grüße von

Andrea


05.10.2015, 09:43
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Beitrag Re: Ich habe Angst vor einer Entscheidung...
liebe ratlos,
bei mir es damals die 3. schwangerschaft. ich hätte das kind angenommen, aber bis auch eine feundin haben alle gegen das baby gesprochen. auch der vater des kindes. also hab ich mich gefügt.
DU solltest auf dich hören. weil DU bist auch diejenige die mit der entscheidung leben muß, egal in welche richtung sie geht.

ich habe viele jahre gebruacht um mit dem abbruch zurecht zu kommen. jetzt ist er oberflächlich gut verheilt, aber es gibt immer wieder situationen wo alles wieder hoch kommt. oder wo ich einfach anfange zu weinen.

die vernunft und das herz sprechen bei mir auch andere sprachen. die vernunft sagt, dass es wegen meiner epilepsie, die ich damals gerade bekommen habe, vielleicht schon richtig war. aber mein herz hatte sich damals schon auf das kind gefreut.

selbst der arzt in der abbruchklinik hat mich damals gebeten wieder nach hause zu gehen, weil ich nur geweint habe. er meinte, dass ich nicht hinter dem abbruch stehe und ich danach sicher psychische probleme bekomme.

das war mein geschichte.

ich wünsche dir ganz viel kraft bei deiner entscheidungsfindung.
herzlichst cordula


05.10.2015, 19:02
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Beitrag Re: Ich habe Angst vor einer Entscheidung...
Hallo Cordula,

vielen Dank für Deine Geschichte!
Gestern auf dem Weg zum Konfliktberatungsgespräch musste ich schon weinen... Und als wir da waren, wurde der Termin abgesagt, weil die Beraterin nicht da war. Da war ich sehr erleichtert! Ein neuer Termin wurde für nächsten Freitag vereinbart. Aber ich kann mir nicht vorstellen, nochmals dorthin zu fahren, um über einen Abbruch zu sprechen.
Ich merke, dass ich mich innerlich mehr auf das Kind einstelle und versuche, ein Leben mit vier Kindern vorzustellen, als mir auszumalen wie es ohne weitergehen wird. Ich würde das Gespräch eher dafür nutzen, um mich über Hilfen zur Entlastung informieren zu lassen...
Mein Mann ist noch eher für eine Abtreibung, sagt aber, dass es mein Körper ist und es für mich sicherlich sehr viel schwieriger wäre.

Liebe Grüße
ratlos


08.10.2015, 07:05
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Beitrag Re: Ich habe Angst vor einer Entscheidung...
ich wünsch dir alles gute liebe ratlos.
die einstellung deines mannes finde ich sehr gut.
mein mann hat zwar damals gesagt: ich will definitiv kein 3. kind. wenn du es aber bekommen solltest stehe ich hinter dir. damals habe ich wohl nur auf den 1. satz gehört. habe auf diesen 1. satz und alle anderen um mich gehört.
liebe grüße von cordula


12.10.2015, 11:08
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Beitrag Re: Ich habe Angst vor einer Entscheidung...
Hallo liebe ratlos

bist du noch immer so ratlos? Ich hab’ eben erst deinen Thread gelesen und bin sehr berührt wie sensibel du deine Gefühle und die zwei Seiten in dir erspüren und ausdrücken kannst.
Offenbar gibt die „Herzensseite“ in dir mehr den Ton an. – Kein Wunder! Es schlägt ja auch sehr für deine Kinder und deinen Mann! Das liest man echt ganz deutlich aus deinen Zeilen!

Ich hab’ den Eindruck dein Mann und du ihr führt eine sehr harmonische Beziehung und ihr Zwei bietet euren drei Sprösslingen eine wunderbare Familie, in der sich alle geliebt und geborgen fühlen und sie einfach alle kompromisslose Annahme erfahren dürfen... ist doch klar warum sich zu euch unbedingt noch jemand dazu gesellen möchte!

Deine Ängste, dass es mit vier Kindern wieder zu einer schwierigen Zeit kommen kann, versteh ich. Auch finde ich deine Gedanken absolut legitim 8-) .

Doch du/ihr habt es ja schon mal mit so einer kleinen Überraschung geschafft und seid eigentlich super erprobte Eltern! Und ihr müsst es ja nicht wieder „alleine“ schaffen. Es gibt wirklich Unterstützungsangebote durch Mütternetzwerke, private Organisationen und/oder eben staatliche Stellen. Hat dir denn die Beratung diesbezüglich weiterhelfen können? Oder warst du vielleicht gar nicht mehr dort?

Schreib’ doch wieder wie es dir heute geht! Ich schick' dir einfach mal ein großes Päckchen mit ganz viel Mut, Kraft und Zuversicht drin!

...und noch lauter liebe Grüße
von Sabrina


13.10.2015, 12:51
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Beitrag Re: Ich habe Angst vor einer Entscheidung...
Liebe Sabrina,

danke für Deine Nachricht!
(Ich habe dir auch eine PN geschickt.)

Ich habe mich jetzt gegen einen Abbruch entschieden und den 2. Termin bei pro familia abgesagt. Damit habe ich mich gegen meinen Mann durchgesetzt. Er ist seither nicht gut drauf, hatte sich wohl mehr auf einen Abbruch eingestellt.
Nun versuche ich ihm Zeit zu lassen. Er war auch bei den letzten beiden Schwangerschaften nicht sehr euphorisch - trotz Wunschkindern, aber immer ein hingebungsvoller Papa, sobald die Kinder da waren. Trotzdem bin ich traurig, dass die Stimmung bei uns so gedrückt ist.

Nächste Woche ist der erste Frauenarzttermin, dann wird es wieder offizieller, vielleicht hilft ihm das.

Liebe Grüße

ratlos


16.10.2015, 07:11
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Beitrag Re: Ich habe Angst vor einer Entscheidung...
Hallo,

ich habe neulich schon mal geschrieben, aber warum auch immer, der Text wurde bis jetzt nicht veröffentlicht.

Wie es mir inzwischen geht?

Bis vor zwei Tagen hatte ich das Gefühl, mehr innere Ruhe zu haben, seit ich vor 8 Tagen meinem Mann gesagt hatte, dass ich mir eine Abtreibung nicht vorstellen kann. - Ihm ging es seither sehr schlecht, wir haben nicht mehr miteinander geredet, alles war schräg.
Ich habe auch gemerkt, dass ich mich nicht auf das Kind freue, sondern eher alles durchgespielt habe im Kopf, was es wie zu organisieren gibt. Ich habe dann vor zwei Tagen bzw. Nächten versucht, wirklich mal auf mein Gefühl zu hören.... Und ich habe das Gefühl, dass ich total überfordert sein werde. Und das nicht wegen dem Haushalt oder so, sondern weil ich jedem Kind gerecht werden will. Es ist ja jetzt schon so, dass ich mich oft nicht mit jedem Kind einzeln befassen kann am Tag - und sie würden es alle drei sehr genießen. Ich kann jetzt schon viele Dinge nicht so machen mit meinen Kindern wie ich es idealerweise tun würde, weil sie eben zu dritt und so dicht aufeinander sind. Was ich sagen will ist, dass ich mit drei Kindern oft schon sehr angespannt bin und unter Strom stehe. Ich kann mir beim besten Willen nicht vorstellen, wie ich eine zufriedene ausgeglichene Mutter sein soll mit vier Kindern. Denn ich kann nicht nur zu Hause bleiben, ich muss arbeiten gehen, um dazuzuverdienen. Ich habe jetzt schon kaum Zeitfenster für mich - wo bleibe ich denn eigentlich vor lauter Kindern und Familie und sonstigen Aufgaben?
Bis zum Sommer haben mein Mann und ich immer mal rumgewitzelt, wie noch ein viertes wäre, aber immer mit der Vernunft im Hinterkopf, dass wir das nicht wollen und letztlich auch emotional, psychisch und physisch nicht schaffen.
Es gibt so viel Wut in mir, dass wir nicht besser aufgepasst haben! Mein Dilemma ist v.a. moralisch, darf ich meine Interessen vor die des ungeborenen Lebens stellen? Bei meinen geborenen Kindern stehen die Kinder klar an erster Stelle und das ist auch gut so. Muss ich als Mutter automatisch jedes Kind annehmen? Darf ich wirklich - nicht rechtlich - entscheiden über Leben und Tod?
Ich lese zur Zeit viel im Internet, kann ja eh nicht schlafen.
Eine Frau hat geschrieben, dass sie sich aus Liebe zu ihren vorhandenen Kindern und ihrem Mann gegen das neue Leben entschieden hat. Da hatte ich plötzlich den Eindruck, das könnte auch mein Weg sein.

Gedanken an ein Leben mir vier Kindern sind - im Moment ? - mit reiner Überforderung verbunden, ich habe keine große Sehnsucht mehr nach nochmal Baby etc. Die Babys im Bekanntenkreis lösen keine Sehnsucht mehr aus wie früher.
Der Gedanke, dass wir jetzt so weiter machen, dass ich beruflich gut dazuverdienen kann ohne die Kinder ganztags abgeben zu müssen, dass wir uns vielleicht über Putzfrau etc. so viel Entlastung holen, dass ich nachmittags wirklich individuelle Zeiten mit den Kindern habe und auch selbst noch in meinem Leben vorkomme, dieser Gedanke ist so viel leichter!
Aber- darf ich das???
Gestern habe ich meinen Mann nach tagelangen Versuchen endlich wieder zum Reden gebracht. Er hat letztlich auch die große Sorge, nicht nur dem vierten, sondern allen Kindern dann nicht mehr gerecht zu werden. Und er hat große Sorge um mich, dass ich überfordert sein werde und mich davon nicht mehr erholen werde (die Schwangerschaft und das 1. Jahr mit dem dritten Kind waren SEHR belastend für mich). Wir empfinden letztlich ganz ähnlich.

Jetzt werde ich also doch einen Beratungstermin ausmachen und auch wahrnehmen.

Trotzdem habe ich Angst vor dem, was kommt.

Liebe Grüße
ratlos


19.10.2015, 06:56
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Beitrag Re: Ich habe Angst vor einer Entscheidung...
Hallo,

inzwischen ist viel passiert... Letzte Woche fanden der Beratungstermin - beim Gesundheitsamt - , der Frauenarzttermin und ein Vorgespräch bei dem Arzt statt, der den Abbruch vornehmen sollte.

Seit ich mir erlaubt habe, meine moralischen Grundsätze für diese Situation abzuwägen und mir klar zu machen, dass ich wahrscheinlich verantwortungsvoller handeln würde, wenn ich mich gegen das neue Leben entscheide, wurde es mir leichter ums Herz. Ich hätte den neuen Menschen sicher auch geliebt. Aber das alleine reicht mir nicht.
Der Preis war zu hoch, ich habe meine Grenzen und die meines Mannes und der vorhandenen Familie erkannt und mich entschieden.
Das Beratungsgespräch hat mir geholfen, diesen inneren Konflikt besser benennen zu können.
Am Montag war der Eingriff. Ich habe keine Schmerzen, körperlich geht es seither deutlich besser. Die ersten Tage hat eine große Erleichterung überwogen. Gestern habe ich das erste Bedauern verspürt, da wurden wir von vielen Seiten angesprochen, dass wir doch noch ein Kind bekommen könnten...
Ja, es gibt einzelne Momente, in denen ich mir ein solches Leben vorstellen könnte, aber keinen Alltag mit vieren. Das weiß ich, auch wenn ich traurig bin, dass wir diese Erfahrung machen mussten und ich nicht unendlich belastbar bin. Das wäre ich gerne. Ich würde gerne alles können, zu dem ich Lust habe, kann es aber nicht.
Nun werde ich lernen, mit der Trauer, dem Bedauern und meinem scharfen inneren Kritiker zu leben, aber auch mit viel Freude an dem, was wir haben.

Ich möchte allen danken, die mich hier begleitet haben. Es tut sehr gut zu wissen, dass man nicht alleine ist, auch wenn die Entscheidung immer einsam ist.

Alles Gute,

ratlos


29.10.2015, 07:58
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Beitrag Re: Ich habe Angst vor einer Entscheidung...
liebe ratlos,
ich wünsche dir alles gute.
herzlichst cordula


29.10.2015, 21:45
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Beitrag Re: Ich habe Angst vor einer Entscheidung...
Hallo zusammen,

es tut gut zu sehen, dass man nicht alleine mit seiner Angst, Trauer, den Befürchtungen und dem Schmerz ist. Ich weiss seit gestern, dass ich schwanger bin. Auch das 4. Kind. Geahnt habe ich es seit Samstag. In den letzten 24 h haben mein Mann und ich alle Probleme, Pros, Contras hin und her gewälzt. Die emotionalen wie die rationalen. Zunächst wir sind nicht ganz unschuldig an dieser Misere. Und ich will nicht für mein bzw. unser Verschulden, jemand anderen zahlen lassen.

Wir(ich 35, er 45) haben 3 gesunde Kinder(7 Jahre und Zwillinge 15 Monate) die wir sehr lieben. Ich vertrage die Pille nicht, weshalb wir sie abgesetzt haben und uns für eine Vasektomie entschieden haben, die vor fast 2 Wochen durchgeführt wurde. Offenbar, bedingt durch das Absetzen vor 2 Monaten, hat mein Zyklus mir einen Streich gespielt und ich wurde noch vor dem Eingriff schwanger. Bis gestern war es so, dass wir sagten, wir wollen aktiv kein 4. Kind, aber wir würden es noch nehmen, wenn das Schicksal zuschlägt in den nächsten Wochen/Monaten bis zur Zeugungsunfähigkeit. Mein Mann sagte vor 9 Monaten er hätte gerne noch was vom Leben und ich verstehe das und ich bin niemand der über den Kopf des anderen hinweg entscheidet oder alles hinnimmt, was von ihm verlangt wird. Jetzt hat das Schicksal zugeschlagen und wir wissen nicht mehr was wir wollen. Und ich weiß es schon zweimal nicht.

Ich studiere seit fast 10 Jahren. Erst mit einem Kind und nun mit 3en. Ich musste bereits vom Magister in den Bachelor wechseln, weil ich mein Studium nicht rechtzeitig beenden könnte. Unter Tränen und mit Schmerz. Neulich sagte ich noch: Ich bin jetzt dran. Jetzt fühle ich mich egoistisch.

Mein Mann leidet auch bereits darunter obwohl die Beratung am Freitag ist und dann noch da Wochenende vor uns liegt. Und seine Entscheidung steht ebenso wenig wie meine. Und er stiehlt sich nicht aus der Verantwortung, auch wenn er anfangs die „typischen“ Männerfehler getan hat.

Rational spricht gegen das Kind, dass wir von einem Gehalt leben, die Wohnung zu klein würde, mein Studium wieder verzögert werden würde, die Zwillinge noch kaum Sprechen geschweige denn Laufen können und noch viel Aufmerksamkeit benötigen, wir keinerlei familiäre Unterstützung hier haben. Zudem hat mein Mann vor wenigen Monaten in eine größere Selbständigkeit gewechselt und bisher läuft es finanziell nicht schlecht, aber auch nicht so, dass man all unsere Probleme in wenigen Monaten lösen könnte. Kann ich meinen Kindern überhaupt noch gerecht werden? Und was wenn dieses Kind doch nicht gesund wäre? Und was wenn es wieder Zwillinge wären?
Emotional fürchte ich die Folgen des Eingriffs, wobei ich mich gedanklich für einen medikamentösen Eingriff entschieden habe, da ich ein Trauma von einer OP davongetragen habe, mein Mann und ich das gemeinsam durchstehen möchten und uns auch von dem Kind verabschieden wollen würden. Ich fürchte, dass unsere Liebe an diesem Eingriff trotz der gegenseitigen Unterstützung zerbrechen könnte. Vielleicht würde sie auch an einem 4. Kind zerbrechen.

Das "Für" das Kind fällt da kürzer aus. Man hätte emotional nicht mit den Folgen zu kämpfen und wir würden unserer moralischen Einstellung gerecht werden. Niemals abtreiben zu wollen.

Im Moment sitze ich hier und bin ruhig, fast kühl und reserviert, vor wenigen Minuten sind mir noch die Tränen gekullert.

Wie kann ich eine Entscheidung treffen? Wie können wir das, ohne daran zu Zerbrechen? Und auf was soll ich mehr Gewicht legen?

Ich freue mich über jegliche Antwort, auch per PN. Und @ratlos23 ich würde gerne wissen, wie es dir zwischenzeitlich ergangen ist.

a


09.03.2016, 20:51
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Beitrag Re: Ich habe Angst vor einer Entscheidung...
Hallo ratlos,

keine Ahnung, ob du dich noch hin und wieder in diesem Forum blicken läßt,aber ich schreibe dir einfach mal.
Mein Mann und ich stehen auch vor einem Abgrund, der keinen Boden hat...ich,fast 36,er 39,zwei Kinder von 6 und einem Jahr,
leben von ALG 2, es reicht jetzt schon vorn und hinten nicht.
Am 29.02. hielt ich einen positiven Test in der Hand, und hab seitdem nur geweint. Wir hatten schon so viele Gespräche, wie es hätte
und könnte, ob es irgendwelche Möglichkeiten gibt...aber finanziell fallen wir komplett,ohne Netz und doppelten Boden.Mein Mann
ist noch in einer Umschulung,wird erst mitte des Jahres fertig,ist dann Berufsanfänger...da verdient man hier bei uns so 1800€,sprich,
nach allen Abzügen 1400€.Davon kann man kaum zu dritt leben, aber zu fünft?
Gestern hatte ich n kleinen Zusammenbruch,weil morgen schon der Termin zur Abtreibung kommt, und da hatte ich kurz das Gefühl,
mein Mann sagt, komm, wir schaffen das irgendwie....aber nach dem letzten Gespräch gestern ist mir klar geworden, daß das ein
Luftschloss war.Da geht nix mehr in der Zukunft...jetzt habe ich kaum geschlafen, habe Kopfschmerzen, und fühl mich innerlich so
leer wie noch nie in meinem Leben.Morgen schicke ich mein Baby in den Himmel, und ich möchte wetten, es wäre diesmal eine kleine
Tochter gewesen...auch dieser Traum stirbt ein zweites Mal.
Ich weiß auch,das es richtig ist,Verantwortung für sich und seine Kinder zu übernehmen, und trotzdem fühle ich mich wie der letzte
Mensch auf Erden...
Hoffe, wir verkraften das irgendwie,kann mir ein Leben danach noch nicht vorstellen...

Liebe Grüße

Wolkenbruch


17.03.2016, 07:32
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