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 Mein Kind 

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Beitrag Mein Kind
Vor 5 Jahren verlor ich mein Kind kurz vor dem 3 Monat. Ich bin damals 19 Jahre alt gewesen und wusste noch nicht einmal, dass ich schwanger war. In meiner damaligen Beziehung wurde ich gegen Ende immer wieder misshandelt, geschlagen und vergewaltigt.

Er stammte aus wohlhabenden Verhältnissen, wie ich auch und am Anfang gab es keine Schwierigkeiten. Wie es so üblich ist, lernten wir uns während eines gesellschaftlichen Events kennen, ich war damals 17 und er sechs Jahre älter. Meine Eltern waren begeistert von ihm. Er war höflich, zuvorkommend, gutaussehend, intelligent, charmant , herzlich und wohlerzogen. Der absolute Frauenschwarm eben! Jeder sagte, wir wären das Traumpaar schlechthin, beide gutaussehend, herzlich, klug, charmant und äußerst höflich. Trotzallem wusste ich, dass meine Eltern gegen eine Beziehung waren, sondern in ihm eher meinen großen Bruder sahen, den ich niemals hatte. Wie auch immer, ich verwarf natürlich die Sorge meiner Eltern und ging mit ihm eine Partnerschaft ein.

Das erste Jahr verlief einfach wunderbar, die perfekte Partie, wie man es in meinen Kreisen wohl zu sagen pflegt. Ich steckte mitten in meinen Abivorbereitungen und er beendete gerade sein BWL-Studium und fing bei seinem Vater im Unternehmen an. Demian (so sein Name) reiste viel geschäftlich nach Amerika und China und hatte plötzlich einen mir völlig fremden Freundeskreis, der ihn leider negativ beeinflusste. Aufgrund des harten Jobs und der großen Verantwortung, trank er öfters mal mehr als es nötig gewesen wäre. Mir wurde schnell klar, dass dies zum Problem werden könnte und sprach mit ihm, aber schon von da an hörte er mir nicht mehr richtig zu und ging seiner Wege. Ich musste mich hingegen um mein Studium kümmern, dass ich begonnen hatte und sah ihn immer nur ein paar Tage im Monat. Wir mussten vorsichtig sein, unsere Treffen geheimhalten, da meine Eltern niemals mit dieser Beziehung einverstanden gewesen wären. Ich durfte zwar mit ihm ausgehen, aber eben getarnt als gute Freunde. Es war schwierig auch für ihn, nur wenige kannten unser Geheimnis.

Na ja, nach einiger Zeit bemerkte ich, dass er äußerst aggressiv aufgrund von Kleinigkeiten wurde aber ich führte es auf den enormen Druck seiner Arbeit zurück. Dann war diese Party einer gemeinsamen Freundin von uns und da sah ich es. Ich war schockiert und fühlte mich hilflos. Er war mit ein paar Bekannten in einen Nebenraum gegangen um sich eine Linie (Koks) zu ziehen. Bis dato hatten wir beide nichts mit Drogen zu tun gehabt und bis heute habe ich dieses Zeug nicht angerührt, obwohl er mich gegen Ende immer wieder dazu zwingen wollte. Als ich ihn zur Rede stellte schlug er mich zum ersten Mal. Er entschuldigte sich dafür und ich vergab ihm. Wie jedesmal! Eine Spirale der Gewalt, der Machtausübung und Demütigung waren daraufhin die Folge. Mein Selbstwertgefühl und mein Willen dagegen anzukämpfen wurden immer kleiner und sanken rapide. Ich weiß das typische Verhaltensmuster einer geschlagenen Frau.

Und dann kam dieser besagte unheilvolle Abend! Meine Eltern flogen nach Griechenland, ich sagte ihnen ich würde mit einer Freundin verreisen, stattdessen verbrachte ich 3 Wochen mit Demian im Ausland. Er war mal wieder wütend und fing wieder an aggressiv zu werden. Ich spürte es und wollte nur noch aus seinem Appartement. Doch er wollte mich nicht gehen lassen und schlug mich. Nicht zum ersten Mal lag ich blutend auf dem Boden doch diesmal lies er mich nicht in Ruhe. Er tratt mich mehrmals während ich versuchte instinktiv (anders kann ich es mir heute auch nicht erklären) meinen Bauch zu schützen. Doch er traf meinen Unterleib und ich hatte höllische Schmerzen. Er ging an diesem Abend noch weg und lies mich allein. Ich war froh, schleppte mich aus seiner Wohnung und nahm am nächsten Morgen den ersten Flieger nach Hause. 2 Tage später fingen die Blutungen an und ich war verwirrt, da ich meine Tage erst in ein paar Wochen erwartete. Außerdem blutete ich wie verrückt und hatte entsetztliche Schmerzen. Ich entschied mich zum Arzt zu gehen, der ohne Umschweife mir die Situation erklärte und mich sofort ins Krankenhaus einwies. Der einzige Mensch der nach der OP auf mich wartete war eine sehr gute Freundin, die ich seit meiner Kindheit kannte. Niemand durfte davon erfahren noch nicht einmal meine Eltern oder gar Demian. Wie auch immer, ich musste mit meinem Schmerz und mit meiner Trauer selber fertig werden und fing ersteinmal an es zu verdrängen. Schließlich wusste niemand davon außer der besagten Freundin, daher waren wenigstens keine mitleidvollen Blicke der anderen zu erwarten.

1 1/2 Jahre später trennte ich mich von ihm, nachdem ich erfahren hatte , dass er mich betrog. Ich brauchte sehr viel Mut, aber ich schaffte es. Viele Jahre trug ich dieses Geheimnis mit mir herum bis ich vor einem Jahr meine Partnerin kennengelernt habe. Auch sie hat vieles durchmachen müssen und verlor kurz vor mir auch ihr Baby. Ich bin endlich sehr glücklich und kann wieder jemanden völlig vertrauen. Wir helfen uns gegenseitig und geben dem anderen Kraft wenn er diese benötigt.

Damals sprach ich mit meinem Arzt darüber ob ich dieses Kind aufgrund von Schlägen verloren haben könnte und er bejahte dies. Ich machte mir schlimme Vorwürfe, dass ich mein Baby nicht genügend geschützt habe, dass ich zu dämlich war zu erkennen oder zu spüren das ich schwanger sei (obwohl ich regelmäßig noch meine Regel hatte), hatte Depressionen und litt sehr unter diesem Verlust. Heute ist es das erste Mal dass ich öffentlich sozusagen dazu äußere und ich es tut noch immer unendlich weh an mein Baby zu denken. Jetzt erst fang ich wirklich an das Ganze langsam zu verarbeiten und kann endlich wieder weinen. Habe es lange Zeit tief in meiner Seele vergraben, wollte nicht darüber nachdenken, mich damit beschäftigen aus Angst daran zu zerbrechen, eben einfach nur vergessen. Doch es ist nicht so einfach, wie man sieht. Eins weiß ich, dass ich niemals darüber hinweg kommen doch der Schmerz wird irgendwann kleiner werden und die Hoffnung wird stärker sein als das Aufgeben. Jetzt sowieso. Bin nun überaus glücklich in meiner Beziehung und bin dankbar dass ich noch eine zweite Chance erhalten habe.

Ach ja, in der zwischen Zeit ist Demian seit gut einem Jahr Tod. Er starb nach einem Autounfall den er selbst verursacht hat. Es klingt möglicherweise zu hart wenn ich sage, dass er es verdient hat.

LG
Giulia


10.01.2007, 03:13
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Mir fehlen die Worte,du hast einiges durch gemacht.Es tut mir so verdammt Leid für dich.Aber es ist schön das du jetzt eine neue Partnerin hast,mit der du glücklich bist,das finde ich gut.Aber ich finde es nicht hart das du glücklich bist wenn jemand tot ist.So etwas sagt man nicht,aber wenn jemand einen so seelisch fertig macht und du dich deswegen verändert hast,dann muß man einfach sagen,das man es dieser Person wünscht.Das gebe ich erlich zu,so denke ich auch über den Kv.
Wie gehst du jetzt damit um,wenn ich fragen darf?Das berürt einen sehr,und am liebsten würde ich dich jetzt in den Arm nehmmen,also fühle dich jetzt mal kurz gedrückt.


10.01.2007, 18:45
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Liebe Giulia,
als ich grad Deine Geschichte laß, dachte ich, ich les den falschen Roman :(
Es ist schlimm was Du erlebt hast. Auch ich finde, jeder bekommt seine gerechte Strafe, auch wenn es mit dem Tod endet. Sorry wenns hart klingt.
Es ist klar das Du um Dein Kind trauerst, aber Dich trifft keine Schuld. Hättest Du Dein Kind mit soeinem Vater aufwachsen lassen wollen? Weil wenn ich es richtig verstanden habe, bist Du ja nach dem Urlaub immer noch bei ihm geblieben.
LG Stephie

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10.01.2007, 19:19
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