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 Verzweifelt und so viel Angst 

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Registriert: 26.10.2007, 15:17
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Beitrag Verzweifelt und so viel Angst
Hallo,

bei uns besteht der harte Verdacht auf eine Trisomie

1. riesiges Nackenöden (10mm)
2. Ödem zieht sich über den gesamten Rücken bis zum Steiß
3. kein Nasenbein darstellbar
4. eine Nabelschnurarterie
5. femurlänge fast um die Hälfte verkürzt (6 mm statt 11)
6. Blutfluss vom/zum Embryo gestört

Bluttest wartet noch - bekomme ich leider erst Montag. Am Di ist eine Chorionzottenbiopsie angesetzt.

Die Ärtze sind sind jetzt schon fast sicher: Trisomie

Man wird überall als Kindsmörder hingestellt...
Ich liebe dieses Kind! Es ist ein Wunschkind! Für mich ist das eine Katasthrophe und der ich zusammen zu brechen drohe.

Ich bin zudem psychschich krank (Depressionen, eine Psychose vor 2 Jahren) Ich kann ein behindertes Kind einfach nicht verkraften.

Trotzdem verlangt es die Gesellschaft quasi. Ich gelte dennoch als Mörder wenn ich die SS abbreche. Ich bin am Ende meiner Kräfte, ich kann nicht mehr.


26.10.2007, 15:33
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liebe sidney,
erst einmal ein herzliches willkommen von mir.
hier wird niemand sagen das du eine mörderin bist. ich hatte zwar keine med. indikation, aber auch habe es zu spüren bekommen wie es ist ein kind wegzugeben.
dein baby ist ja wahrscheinlich schon viel größer als meins damals war. und du hast noch eine größere bindung zu deinem wunschkind aufgebaut.
liebe sidney ich wünsche dir für die nächsten tage ganz viel kraft.
wenn du fragen hast dann stelle sie hier ruhig. hier ist immer jemand da der dir schreibt.
liebe grüße cordula


26.10.2007, 21:17
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Danke für Deine Antwort,

bin gerade dabei mich durch das Forum zu lesen. Schön, dass man hier seine Ängste, Sorgen und Gefühle äußern kann ohne gleich angegriffen oder in eine Schublade gesteckt zu werden.


26.10.2007, 21:24
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Hallo Sidney,

ich hatte mir ähnliche Gedanken wie Du gemacht - bei mir war es auch eine med. Ind. wegen Trisomie 21.

Allerdings hatte ich das Glück, in meinem Umfeld eigentlich nur auf positives Feedback zu stoßen! Es hatte jeder Verständnis für meine Entscheidung, die meisten sagten, daß sie es vermutlich genauso gemacht hätten. Allerdings habe ich bereits 2 gesunde Kinder, die ebenfalls unter dieser Belastung hätten leiden müssen.

Und es ist definitiv DEINE Entscheidung, mit der DU dann leben musst, egal, wie Du Dich entscheidest. Aber die anderen stecken nicht in Deiner Haut! Mache Dir das bitte immer wieder bewusst!

Vielleicht redest Du erst einmal mit Deinen engsten Vertrauten darüber.

Im Allgemeinen durfte ich feststellen, daß in dieser Beziehung Gott sei Dank die Uhren mal etwas weitergelaufen sind und man nicht gleich überall pauschal als Mörderin dargestellt wird. Sollte das doch jemand tun wollen, dann zieh Dir diesen Schuh bloß nicht an!

Ich habe mir immer gedacht: Es wäre nicht nur eine heftige nervliche (und auch finanzielle) Belastung für mich und meine Familie, sondern wie fühlt sich das Kind dabei? Wird es Schmerzen haben? Wie nimmt es seine Umwelt wahr?

Unser Zwerg hätte auch noch einen massiven Herzfehler gehabt, der mindestens eine OP nach sich gezogen hätte. Hätte er die überhaupt überstanden? Es kann auch keiner sagen, wie schwer die geistige Behinderung (und daraus resultierend auch die motorischen Behinderungen) ausgefallen wäre. Natürlich gibt es viele Down-Syndrom-Menschen, die fast selbständig leben können und an sich fröhliche Menschen sind. Aber was ist mit denen, die in Pflegeheimen oder sonst wo dahinvegetieren?

Alles in allem fiel mir die Entscheidung trotzdem nicht leicht, da meine SS schon sehr weit fortgeschritten war (20. SSW) und ich mein Kleines schon strampeln spürte. Aber hier siegte die Vernunft, das Herz kann es auch verstehen. Natürlich schmerzt es, aber man lernt, damit umzugehen.

Ich drücke Dir die Daumen, daß der Befund vielleicht doch noch Hoffnung bringt! Auf alle Fälle wünsche ich Dir sehr viel Kraft für die folgende Zeit - sie wird nicht einfach, ich habe es ja selber durch.

Kannst mir auch gerne eine PN schicken, wenn Du noch Fragen haben solltest :wink:

Liebe Grüße
Verena


26.10.2007, 22:05
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in welche schublade sollten wir dich auch stecken. wir sitzen doch alle in einem boot. wir haben alle das gleiche schicksal hinter uns. wir haben alle unsere sternchen weggeschickt.
wenn du fragen hast, hier kannst du alles schreiben. du mußt keine angst haben, denn hier kennt dich niemand.
liebe grüße cordula


26.10.2007, 22:06
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Liebe Sidney,

erstmal herzliches Mitgefühl für das was du jetzt durchmachen musst.
Überlege genau und entscheide nach deinem Gefühl, was du tun möchtest, wenn sich der Verdacht bestätigen sollte.
Das mit dem Kindmörder ist schon mal Unfug. Wer hat das denn gesagt? Es kann ja wohl nicht sein, dass überall diese Untersuchungen angeboten werden und wenn man die einzige Konsequenz nutzt, für die sie gut sind, als Mörder dargestellt wird.
Dass du dir mit deiner Vorgeschichte nicht zutraust, ein behindertes Kind aufzuziehen, verstehe ich. Leider ist eine psychische Vorgeschichte auch keine gute Voraussetzung für die Verarbeitung eines ABs. Du solltest auf jeden Fall frühzeitig psychologische Hilfe in Anspruch nehmen. Frag am besten bei den Schwangerschaftskonfliktberatungsstellen, es gibt immer mehr, die sich auf AB nach med. Indikation spezialisiert haben. Wenn du auf jeden Fall einen AB willst, überlege dir, wie du die letzte Zeit mit deinem Kind und den Abschied gestalten willst. Könntest du dir denn vorstellen, dass dein Kind in einer anderen Familie aufwächst? Auch Kinder mit Trisomie 21 werden adoptiert oder als Plegekinder angenommen. Würde es dir damit auf Dauer evtl. besser gehen?

Ich schick dir noch ein paar Links per PM
Liebe Grüße
Barbara


26.10.2007, 22:19
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Vielen Dank für Eure Antworten! Es tut wirklich gut sich mal befreien zu können, ohne Angst haben zu müssen verureilt zu werden.

Ich habe über den bisherigen Verlauf meiner Untersuchungen in einem Depressionsforum, in dem ich seit 2 Jahren vielschreibender User bin, berichtet.

Dort habe ich nicht erwähnt dass ich in Erwägung ziehe abzutreiben sondern lediglich geschrieben: "ich bin mir zu 99% sicher das nicht zu packen".

Daraufhin bekam ich böse Emails. Die eine Mutter (von zwei gesunden Kinder) sagte Dinge wie: jeder hat ein Recht auf Leben, Du kannst das Kind nicht töten, Du hast doch keine Ahnung wie der Alltag mit einem behinderten Kind ist, für mich ist das Mord usw. Im Forum nur Zuspruch.

Die andere Seite: meine Schwiegermutter sagte: Na ja, doof ist das schon aber dann lasst ihr es halt weg machen und gut ist. Als ich sagte wir werden das schon je nach Art der Behinderung entscheiden sage sie: ihr werdet doch wohl kein behindertes Kind bekommen!!!

Mein Schiwegervater sagte: muss die jetzt unbedingt den Termin von nächster Woche auf diese Woche verschieben, da kann man doch warten. Ist doch scheiß egal wann die Untersuchung ist.

Keiner denkt dabei daran dass es unser Wunschkind war auf das wir einige Zeit warten mussten. Die haben gar keine Ahnung wie sehr sie uns damit verletzen! Die einen erwarten dass man alles aufgibt, sich für den Rest des Lebens um ein behindertes Kind kümmert denn schließlich war es ein Wunschkind. Die anderen gestehen einem nicht zu dass man diesen fehlerhaften Zellklumpen (der am Daumen lutscht) liebt.

Idealer Weise sollten mir solche Äußerungen am Allerwertesten vorbei gehen. Doch leider bin ich dazu nicht in der Lage, auch begründet durch meine Vergangenheit, Psyche usw.

Ich klammere mich an einen kleinen Strohhalm, auch wenn die Ärzte nciht viel Hoffnung haben. Ich hoffe immer noch auf einen kleine Chance und noch ist nix bestätigt! Nur mein Mann hat keinerleir Hoffnung mehr und das macht es eben sehr schwer weiterhin positiv zu denken.

@ Verena

ich rede mit meinem Mann, meiner besten Freundin darüber. Außerdem bin ich immer noch in Theapie und habe am Montag ein Gespräch mit meiner Psychiaterin.

Tut mir leid, dass Du das durhmachen musstest. Stelle mir das in der 20 SSW auch noch schwieriger vor. Wobei bei mir ja vermutlich auch eingeleitet wird weil es für die Ausschabung schon recht groß sein wird.

Ich weiß nicht, wie ich das packen soll.. weder das eine, noch da andere.

ich habe auch eine Tochter, 2 Jahre und 3 Monate alt.

@ kruemelchen1

Sternchen weg geschickt.. ja! Kinder, die wir geliebt haben nur kapiert das ja sonst keiner. Außer hier und darum bin ich froh dieses Forum gefunden zu haen.

@ Barbara

das mit dem Kindsmörder kam per Mail und na ja wenn man in Google Abtreibung eingibt (selbst wenn man PRO davor setzt) bekommt man seitenweise Disskussionen zu dem Thema. Monster, denen man die Gebährmutter raus reißen sollte.. ach, was ich da alles gelesen habe in der Hoffnung einen Hinweis auf eben ein solches Forum wie dieses zu finden.

Ich weiß dass die psychologische Vorbelastung bei der Verarbeitung ein Problem ist. Aber ich habe in meinem Leben und in meiner Therapie schon so viele Dinge verarbeitet die wirklich schwerwiegend waren. Ich denke das werde ich dann auch noch schaffen - wenn es auch schwer wird und ich eine wahnsinnige ANgst davor habe.

So krass das klingt, die Abtreibung werde ich vielleicht irgendwann verkraften. Ein behindertes Kind versorge im im Schwerstfall so lange bis ich selbst tot bin oder zum Pflegefall werde.

Danke noch mal für die Links!


ich danke Euch allen noch mal für Eure Antworten, das tut mir im Moment wirklich sehr gut!


27.10.2007, 00:18
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Registriert: 30.08.2007, 03:00
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Beitrag 
Sidney hat geschrieben:
[...]
Daraufhin bekam ich böse Emails. Die eine Mutter (von zwei gesunden Kinder) sagte Dinge wie: jeder hat ein Recht auf Leben, Du kannst das Kind nicht töten, Du hast doch keine Ahnung wie der Alltag mit einem behinderten Kind ist, für mich ist das Mord usw. Im Forum nur Zuspruch.
[...]


Ich möchte nicht wissen, wie sie sich dann in einer solchen Situation fühlen würde!

Früher dache ich auch: Abtreibung ist Mord. Aber ich hatte (Gott sei Dank) schon immer die Einstellung, daß es immer noch jeder für sich selbst entscheiden muß! Was für den einen richtig ist, muß nicht zwingend für den nächsten genauso richtig sein! Jeder lebt sein eigenes Leben. Daher sollte man auch den anderen Ihr Leben lassen und nicht einfach mal urteilen! Man steckt nicht in deren Haut.

Ich ziehe meinen imaginären Hut vor den Frauen, die das Kind mit dem Wissen, ein behindertes Kind zu bekommen, austragen! Ich bin auch heilfroh, daß es solche Menschen gibt! Aber ich zähle mich auch zu denjenigen, die der Belastung vermutlich nicht standgehalten hätten. Noch dazu, wenn man es vorher schon weiß und sozusagen noch "eingreifen" kann.

Es gibt ja auch immernoch die Fälle, bei denen das Kind trotz der ganzen Voruntersuchungen doch behindert auf die Welt kommt - oder bei der Geburt gar einen Sauerstoffmangel erleidet. Als Mutter kann man da Kräfte entwickeln, die sind unglaublich!

Dennoch würde ich es mir niemals erlauben, schlecht über einen Menschen zu urteilen, nur weil er sich anders entschieden hat, als ich es für mich selbst getan hätte!

Es kommt also ganz allein auf Dich an: Wenn Du sagst, Du hältst der Belastung nicht stand, da Du eh schon angeschlagen bist, dann solltest Du die SS lieber beenden.
Solltest Du sagen, es ist aber mein unbedingtes Wunschkind und ich will dieses Kind, egal was dabei herauskommt, ich packe das - dann setze die Schwangerschaft fort!

Aber Du - und nur Du allein wirst am meisten mit dieser Entscheidung fertig werden müssen, egal wie Du Dich entscheidest. Natürlich zählt der Partner da auch noch mit, aber wenn er 100 %ig hinter Dir steht, wird er auch jede Entscheidung mit Dir mitgehen. Denn die Belastung hängt immer an Dir! Also höre tief in Dich rein, was Du möchtest - und diesen Weg solltest Du dann auch weiter verfolgen.


Liebe Grüße
Verena


27.10.2007, 15:23
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