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 Eine zerstörerische Beziehung nach der Abtreibung, Ende 

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Beitrag Eine zerstörerische Beziehung nach der Abtreibung, Ende
Ich bin in einer schwierigen Situation.

Eine Frau von der ich mich schon getrennt hatte wurde Schwanger und brach die Schwangerschaft ab. Ich wollte ihr in dieser Situation beistehen, offenbar bereut sie die Entscheidung im Nachhinein sehr. Als sie mich benachrichtigte, hatte sie die Entscheidung zum Abbruch wohl schon anvisiert,
klar war aber auch, dass sie absolut verzweifelt war - ich vermute sie unterliegt als Ausländerin auch sehr viel konservativeren Familiennormen,
die sie erfüllen wollte. Es war sehr schwer mit ihr zu kommunzieren.

Ich sagte, dass ich die Entscheidung für richtig halte, da die andere Option auch sehr schwer sei - schließlich waren wir nicht in einer Beziehung und es gab Gründe, dass ich mich trennte (Hauptsächlich dass ich die Frau nicht liebte). Auszudrücken dass man das Kind nicht mit ihr großziehen will, setzt eine Frau natürlich stark unter Druck.

Dennoch bemühte ich mich danach keine Kommentare à la "Du musst das tun" abzugeben und ihre Entscheidung abzuwarten (und höchstens mal zu fragen, wie ihre Gedanken sind, was ich für eine legitime Frage halte und in Anbetracht der Angst in meiner Situation eine hohe Kontrolle erforderte). Blöd ist dass ich in der Situation komplett alleine war, und mich aus Scham nicht an meine Familie gewendet habe (wohl auch sehr typisch).
In dieser Zeit sprach sie auch von ihrem Exfreund, der ihr angeboten hatte das Kind in einem anderen Land mit ihr großzuziehen. Das wiederum setzte mich total unter Druck. Generell herrschte schwerer Streit der immer von ihr ausging, und obwohl ich das sehr wollte, konnten wir nicht vernünftig mit einander reden was vielleicht der Schlüssel dazu gewesen wäre, nichts zu tun was sie mit ihrem Gewissen nicht vereinbaren kann. Ich wurde in keine Entscheidung mit einbezogen, sie erkannte mir ab der Vater des Kindes zu sein, etc.

Natürlich ist es auch absolut krass, so etwas in einem fremden Land erleben zu müssen, in dem man sich eh nicht so sicher fühlt und sehr allein ist.Ich fühlte mich für diese Frau verantwortlich, obwohl sie mir die hässlichsten Wörter ins Gesicht warf, und versuchte irgendwie da zu sein. Konstant verheimlichte sie mir Informationen um dann einen Vorwurf hinsichtlich meines angeblichen Desinteresses daraus zu machen. Gleichzeitig, und das ist so eine Art Push-And-Pull Taktik, suchte sie meine Nähe und wollte geborgen in einer Art Beziehung leben. Dies kam mir merkwürdig vor, am Anfang weigerte ich mich da wir schon getrennt waren, doch später erfüllte ich ihr den Wunsch ihr nah zu sein, da ich viel von ihrem Leiden mitbekam und sie auch umarmen wollte, etc und sie natürlich auch in irgendeiner Form lieb hatteIch sagte ihr Anfangs "Such dir eine Freundin die dir hilft, ich bin dafür die falsche Person", konsequent durchgezogen habe ich es aber nicht und dann doch meine Hilfe angeboten. Schließlich hatte ich auch Angst komplett exkludiert zu werden, und dass sie vielleicht dann doch die Nummer mit ihrem spanischen Freund durchzieht. Oder um noch härter zu werden, ich hatte zu dem Zeitpunkt echt Schiss, dass sie das Kind kriegt und wollte es nicht und hatte Angst komplett außen vor zu stehen.

Ebenso inkonsequent reagierte ich auf alles was danach kam, nämlich heftige Streits in denen mir stundenlang gesagte wurde, dass ich ein schlechter Mensch bin, oder ich angeblich andere Frauen sehen würde. Immer wieder sagte sie es sei Schluß, dann sagte ich "Okay ist wohl besser" und es kam wieder "Wie kannst du nur so leicht akzeptieren, für dich ist es total easy, oder?" etc. Ich zog keine richtigen Limits, wohl ließ ich mir einreden dass ich das verdiene, aber normal wäre gewesen sehr strikte Konsequenzen zu ziehen. Ich wurde verbal attackiert, über Stunden hinweg.

Es etablierte sich ein Rythmus des regelmäßigen Treffens, da ich nun keine Semesterferien mehr hatte, war ich unter der Woche beschäftigt.In diesem Moment besserte sich auch die Beziehung und wurde relativ harmonisch, und hatte auch viele schöne Momente (dennoch, eine Zukunft konnte ich mir nicht vorstellen). Das gibt einem natürlich irgendwie das Gefühl etwas gelöst oder verbessert oder gefixt zu haben, was so ziemlicher Bullshit ist, denn fixen dass sie ihr Kind verloren hat werde ich nie können. Ebenso habe ich das auch auf dem Gewissen, und werde später auch noch damit konfrontiert werden, wenn ich eigene Kinder kriege.Dennoch: kleinste Auslöser (etwa halbe Stunde spät kommen, ein scherzhaft gemeintes Kommentar, eine Nachfrage "Wieso schweigst du gerade, ist etwas nicht in Ordnung, willst du mir es erklären") führte oft zu passiv agressivem Schweigen, in Anbetracht der Streits die wir vorher führten machte mich das fast krank.

Dies trat auch auf wenn ich mal meine Freunde sah oder etwas für mich unternahm, also im Endeffekt ein ziemlich heftig kontrollierendes Verhalten was für mich gar nicht geht.Ich fing an Limits zu markieren, und ihr zu sagen dass ich beim nächsten desrespektierlichen Tonfall "gehen" werde, weil ich sowas nicht akzeptiere. Dieses indirekte Manipulieren mit Schweigen finde ich aber fast genauso schlimm, es sind letztendlich alles Versuche, jemanden zu kontrollieren.Zuletzt kam es wieder zu einer Eskalation, nach der ich ihr mich so sehr ich es versuche, bei ihr nicht mehr entspannen kann und nicht mehr geborgen fühle.

Dass für mich ein Knoten geplatzt ist, merkt sie jetzt auch, und ist extrem Lieb und Nett und versucht das zu retten, aber mir ist einfach nur Übel, es kommt mir wie eine Lüge vor. Lächeln kann ich kaum noch (generell im Leben grad wenig).Sie fragte mich "willst du dass wir uns trennen" und aus irgendeinem Grund hatte ich nicht den Mumm "ja, wir trennen uns jetzt" zu sagen, das wäre die Chance gewesen aus dem Gefängnis relativ elegant auszubrechen. So interpretierte sie zu ihren Gunsten das Schweigen ins Gegenteil und es ging weiter. Danach die Übelkeit bei mir. Ich bin total von meinem täglichen Geschehen abgelenkt, die ganze Zeit geht mir durch den Kopf wie zu Hölle ich es beenden soll (ich weiss, für gewöhnlich ist das nicht besonders schwer).Nun, mir ist auch vollkommen klar, dass es Scheiße für mich und für sie ist wenn es weitergeht.

Für mich wird es jetzt extrem zerstörerisch sein wenn ich von meiner Arbeit abgelenkt bin, konkret wird es meine Karriere verzögern wenn ich nicht innerhalb von 2 Wochen einen klaren Kopf kriege und voll reinhaue. Sie hingegen, wenn sie weiter der Illusion unterliegt etwas retten zu können oder mit mir Zukunft haben zu können, wird auch in Leidenschaft gezogen.Es ist klar was passieren muss. Aber ich kriege es nicht hin. Und ich weiss nicht warum. Vorher hatte ich wirklich Gefühle (ja, klingt widersprüchlich) jetzt werde ich im Boden auch noch welche haben, aber sie sind von einer Art Ekel überzogen. Dann wenn ich Schluss machen sollte kommen sie bestimmt wieder, so funktioniert ja die Psyche.Ich habe so etwas wie Torschußpanik, tat mich schon bei der ersten Trennung schwer, und neige dazu ewig zerstörerisch romantisch dann doch rumzuheulen, etc. Das ist ziemliche Kacke für alle Beteiligten.Klar ist das auch viel von meinem Verhalten auf Schuldgefühle basiert. Klar ist auch, dass es besser für mein Leben (und auch dafür erforderlich) ist wenn ich mich trenne.Wie kriege ich den Mut zusammen mich dem zu stellen, wie tue ich es?

Wenn sie auf meinem Sofa sitzt ist die Stimmung nicht richtig, also muss ich ihr irgendwie schreiben und sagen "Hey, ich bin nicht mit unserer Beziehung in Ordnung, wir müssen darüber reden uns zu trennen". Ja, es wäre so einfach. Dann redet man darüber, und dann sagen die Leute man soll irgendwie sofort nach einer Stunde Goodbye sagen, aber ich glaube ich werde noch das Wochenende mit ihr verbringen, was dann vermutlich wieder ein Fehler ist weil sie wieder eine ihrer Shows abziehen könnte oder ich durch ihre Tränen weich werden könnte.Und dennoch, ich denke Tag und Nacht nur darüber nach. Liegt es an ihren Machtspielen, bin ich im inneren Eingeschüchtert? Meine Schuldgefühle? Oder einfach Feigling?

Wie kann es sein dass ich so unfähig bin mich selbst zu schützen? Was bin ich überhaupt für ein schlechter Mensch, dass ich dem Mädel vorgaukele hier wäre was zu holen, hätte ich nicht ganz am Anfang einfach zugeben müssen, dass ich ein Arschloch bin der ihr Kind nicht will, und Tschüss, das wäre viel ehrlicher gewesen. Sie hätte dann die Bindung zu mir nicht aufgebaut, es wäre vollkommen klar für sie gewesen.Aber ganz ehrlich, in der Situation hatte ich das nicht drauf so kalt zu sein.Und dennoch, ich habe diese Frau sehr lieb, denn in den schönen Momenten liegt sie eng umkuschelt in meinem Bett, und lächelt süß - ist das Passivität von mir, Angst vorm alleine sein, brutal zerstörerische Trägheit?Wie kann ich bloß den Arsch in der Hose haben etwas zu beenden was schlecht für zwei Personen ist? Wie gibt man sich diesen Ruck, wenn grad Maté am Letzten ist?

Ich habe Angst mit der Abtreibung allein darzustehen, nicht mehr mit dieser Frau sprechen zu können, obwohl wir die Abtreibung eigentlich eh nicht thematisieren können (was der merkwürdige Widerspruch ist). Ich habe einen gemeinsamen Trauerort mit ihr geschaffen, der auch alleine Besuchbar ist. Ich habe Angst vor der Zukunft. Welche Auswirkungen wird das auf meine Psyche haben, was ist wenn ich mein erstes Kind bekomme?

Wieso bin ich so stark mit dieser Frau gebunden, fast als ob ich so tue als ob das Kind doch da wäre und ich verantwortlich wäre.... Dies ist mit Abstand das schwierigste Jahr in meinem Leben...


05.08.2015, 02:39
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Beitrag Re: Eine zerstörerische Beziehung nach der Abtreibung, Ende
Achja, noch als Ergänzung:

Die schlimmste Vorstellung ist für mich, wie diese Frau im Operationssaal sitzt, auf den Eingriff wartet, die Maschinen sieht.
Ich will sie einfach nur beschützen. Aber ich merke immer mehr, wie ich daran kaputt gehe. Irgendwie muss ich es schaffen mit
ihr darüber zu sprechen. Wenn ich es blos schaffen würde.


05.08.2015, 12:39
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