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 Meine Geschichte als Mann 

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Registriert: 31.07.2008, 19:50
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Beitrag Meine Geschichte als Mann
Hallo

Ich möchte mich und meine Geschichte kurz vorstellen. Ich bin mitte zwanzig und studiere Humanmedizin. Ich selber bin weder ein Befürworter noch ein Gegner von Schwangerschaftsabbrüchen. Ich möchte hier dennoch meine Erfahrung mit dem Thema teilen.

Vor mehr als einem Jahr war meine Freundin schwanger. Ihre erste Reaktion war, dass sie sich auf das Kind freute. Bei mir war es exakt umgekehrt, ich wollte das Kind nicht, ich hatte große finanzielle, berufliche und beziehungstechnische Sorgen. Außerdem fühlte ich mich noch nicht wirklich soweit. Ich habe meiner Freundin klipp und klar gesagt dass ich dagegen bin. Ich habe sie allerdings nicht unter Druck gesetzt, ihr kein Ultimatum gestellt und auch nicht mit Trennung gedroht.
Meine Freundin war sichtlich verzweifelt, vermutlich weil sie es einerseits mir recht machen wollte, anderseits weil sie das Kind schon gerne gehabt hätte.

Einmal brach sie in Tränen aus und gestand mir wie es wohl wäre wenn sie "das Kleine am Arm hat und sie mit großen Kulleraugen ansieht". Da wurde mir das ganze etwas zu steil, ich begann mich abzuschotten, sagte meine Meinung nicht mehr und betonte dass es ja ihre Entscheidung sei.
Die Schwangerschaft wurde letztendlich abgebrochen. Der Eingriff verlief komplikationslos und meine Freundin hatte auch psychisch nicht darunter zu leiden.

Als ich hier im Forum zu lesen begann, kamen mir allerdings Zweifel, ob das was ich getan habe auch wirklich richtig war. Mittlerweile bin ich der Ansicht, dass ich falsch und nicht wie ein guter Freund gehandelt habe. Wenn ich daran zurückdenke wie sie zu weinen begonnen hatte und sich auf das Kind gefreut hat erfüllt mich das mit Schuldgefühlen und sie tut mir dann doch sehr leid. Ich könnte es mir wahrscheinlich nicht verzeihen, wenn meine Freundin nicht so gut über den Abbruch hinweggekommen wäre und so leiden würde wie einige hier in dem Forum. Ich möchte ganz klipp und klar sagen, dass ich keine moralischen Schuldgefühle dem Embryo gegenüber habe - sehr wohl aber meiner Freundin gegenüber.

Auch wenn ich so "großzügig" war und ihr die Entscheidungsfindung überlassen habe - sie wusste ich stand nicht hinter ihr, sie hatte keinen Rückhalt, sie hatte keine Absicherung, sie hatte keine finanziellen Sicherheiten, sie hatte keinen Vater der hinter ihrem Kind und hinter ihr stand. Wie hätte sie also in Anbetracht dieser Umstände eine Entscheidung objektiv treffen können? Klar ich hatte meine Gründe aber ich glaube dass viele Frauen einfach Angst haben dann im Stich gelassen zu werden und deswegen abbrechen.

In meinen Augen habe ich falsch gehandelt da ich mich eigentlich, dafür dass ich sie liebe, bedingungslos hinter sie hätte stellen sollen. Klar ich darf ja wohl sagen wenn ich das Kind nicht will. Aber dafür war es eben da schon zu spät. Wenn man einen Sexualverkehr eingeht übernimmt man automatisch eine große Verantwortung - die sehr wohl auch eine ungewollte Schwangerschaft impliziert. Und das ist der eigentliche Kernpunkt:

In meinen Augen ist es unfair, wenn Äußerungen getätigt werden wie "Ich will das Kind nicht" oder schlimmer "Ich will dass du abtreibst", "Wenn du nicht abtreibst dann trenne ich mich von dir" etc.
Das hätte man sich wirklich vorher überlegen müssen. Unfair ist es aus dem Grund, (und das begreife ich auch erst jetzt) weil die Mutter einen ganz anderen Bezug zu der Schwangerschaft und dem Kind hat.

Während das für den Vater oftmals eben eine "Schwangerschaft" ist die man abbrechen kann oder auch nicht, so hat die Mutter meist dennoch schon eine sehr sehr tiefe Verbindung zu dem Embryo / Kind von Anfang an. Auch aus biologischer und psychologischer Sicht ist eine Schwangerschaft für eine Frau wohl der wichtigste Entwicklungsschritt - ein evolutionärer Imperativ. Aus dem Grund leiden auch so viele Frauen nach einem Schwangerschaftsabbruch.

Der Vater oder Mann hat ja eine Entscheidung, allerdings bevor er in die Kiste springt (oder auch in der Wahl der Kontrazeptiva). Aber dass viele Männer dann einer Frau einen Schwangerschaftsabbruch direkt oder indirekt als eine form "nachgebesserte Verhütung" aufoktroyieren, weil sie mit der Verantwortung nicht klarkommen, finde ich sehr unfair.

Ich muss schon öfter mal zurückdenken und mache mir dann Vorwürfe dass ich meiner Freundin soetwas angetan habe - wenn gleich sie ja eine "freie Entscheidung" hatte. Nur wie soll sie sich auf diese stützen wenn keiner hinter ihr steht. Also wird sie letztendlich ja doch beeinflusst.
Würde sie jetzt schwanger werden, würde ich diesen Fehler nicht noch einmal machen. Auch wenn ich mich immer noch nicht für ein Kind bereit fühle.

Wenn es hier Frauen gibt die dieses Problem haben und sich zu einem Abbruch entscheiden weil sie direkt oder indirekt manipuliert werden, ganz gleich von wem kann ich nur sagen versucht mit euren Männern oder der Familie darüber zu reden. Meinentwegen gebt ihnen diesen Text zu lesen. Ich sage es ganz ehrlich, ich könnte es mir nicht verzeihen wenn meine Freundin solche Selbstmordgedanken hätte wie so manche hier.

Ich glaube viele Männer sind sich nicht so recht bewusst was ein Abbruch für eine Frau bedeuten kann. Und das sollte man dem Partner schonungslos verdeutlichen - dass ein Abbruch - gerade wenn man sich auf das Kind freut wirklich schlimme Konsequenzen haben kann.

Und wenn es Männer gibt die vielleicht mit Trennung oder gar schlimmeren drohen dann glaube ich muss man wirklich dazu sagen dass das keine Liebe mehr ist.


02.10.2008, 11:22
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Beitrag Danke
Hallo Sys!

Ich möchte dir sagen, dass ich deinen Beitrag einfach fantastisch finde. Du schreibst direkt, ehrlich, gerade heraus und triffst es einfach auf den Punkt!
Ich finde es auch sehr bemerkenswert, dass du hier gelesen hast und du dir auch Gedanken über dein Verhalten deiner Freundin gegenüber gemacht hast. Ich kenne deine Freundin natürlich nicht persönlich, aber es könnte natürlich schon sein, dass sie doch mehr leidet, als sie dir vielleicht zeigt. Ich weiß ja nicht in wie weit ihr noch darüber redet. Nicht immer tragen Frauen ihre Trauer nach außen. Oft verstecken sie diese, damit es niemand merkt.

Mir fehlen momentan die richtigen Worte. Aber nochmal - Toller Beitrag :)

Liebe Grüße


03.10.2008, 19:45
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Beitrag 
Seid ihr noch zusammen?


05.10.2008, 17:53
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Beitrag 
Hallo Sys,
vielleicht war das hier nur dein einmaliger Beitrag und du schaust hier gar nicht mehr rein. Es war aber gut, daß du hier über deine Erfahrung geschrieben hast. Ich habe ihn mehrmals gelesen, weil er so gut ist. Deinen Beitrag /deine Meinung zur rechten Zeit könnte vielen Frauen großes Leid ersparen.
LG Rosine


08.10.2008, 00:25
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Beitrag 
Rosine hat geschrieben:
vielleicht war das hier nur dein einmaliger Beitrag und du schaust hier gar nicht mehr rein.


Er hat ja bereits 21 Beiträge hier geschrieben. ;)

Hallo Sys,

nachdem ich deinen Text gelesen habe, bin ich schwer beeindruckt.
Viel zu selten bekommt man eine solche Situation von Seiten des Kindsvaters erklärt.

Die Frauen stellen hier immer wieder fragen, warum ihre Freunde dies oder jenes tun, warum sie abweisend und kalt sind. Und meist standen dann "nur" andere Frauen mit ihrem Latein zur Seite.

Aber solch ein Beitrag ist meines Erachtens von unschätzbarem Wert!

Man möchte sich wirklich deinen Hinweis zu Herzen nehmen, den Text auszudrucken und allen möglichen Leuten zum besseren Verständnis zum lesen zu geben.

Wirklich sehr erhellend und so bitter nötig...

Zitat:
Aber dafür war es eben da schon zu spät. Wenn man einen Sexualverkehr eingeht übernimmt man automatisch eine große Verantwortung - die sehr wohl auch eine ungewollte Schwangerschaft impliziert. Und das ist der eigentliche Kernpunkt


Besonders diese Worte machen m. E. den kleinen aber feinen Unterschied aus, den viele übersehen oder nicht sehen wollen.

Ich würde dahingehend sogar noch weiter gehen und sagen, dass in der heutigen Zeit die massive Sexualisierung und allgemein Überbewertung der Sexualität ihr übriges zu der ganzen Misere hinzufügt. :?

Man kann eigentlich deinen Worten nix hinzufügen.

Einfach nur Danke, dass du dir die Mühe gemacht hast!

Viele Grüße,
Sonja


08.10.2008, 18:18
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Beitrag 
Hallo Sys,
du schreibst, du bist damals nicht hinter deiner Freundin gestanden. Du wolltest also kein kind von ihr?
Ich will nur verstehen, weshalb Männer sich nicht freuen, und sich nicht früher mit der Möglichkeit einer SS auseinandersetzen.
LG Rosine


08.10.2008, 23:38
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