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 Das Ungeborene meiner Tochter ist tot... 

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Registriert: 14.02.2008, 22:12
Beiträge: 7
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Beitrag Das Ungeborene meiner Tochter ist tot...
Hallo!

Ich passe eigentlich nur indirekt in dieses Forum. Meine 15jährige Tochter hatte letzte Woche ihre Abreibung. Ich habe seitdem eine schwere Traurigkeit in mir.

Ich mache meiner Tochter keine Vorwürfe. Aus ihrer Sicht verstehe ich ihre Entscheidung. Bei jedem ihrer Schritte habe ich sie begleitet, wofür sie auch sehr dankbar ist. Seit dem Abbruch ist sie traurig, aber erleichtert.

Anders bei mir: Ich fühle mich schuldig am Tod des Ungeborenen. Ich glaube heute, ich hätte mehr auf sie einwirken müssen, damit sie sich doch noch FÜR das Kind hätte entscheiden können. Vielleicht war ich zu neutral!
Wir haben zwar viel überlegt und gesprochen, aber im Nachhinein gesehen gingen die zwei Wochen zwischen Feststellung und Beendigung der Schwangerschaft viel zu schnell vorüber und es gab viel zu wenig Zeit, wirklich nachzudenken.

Ich habe das Gefühl, als sei es mein eigenes Kind gewesen. Von meiner Grundeinstellung her konnte ich Abtreibungen nie akzeptieren. Ich habe immer gesagt: Zwar verurteile ich die einzelne Frau für ihre Entscheidungnicht, aber ich bin davon überzeugt, dass es immer andere Wege geben kann und muss! Bevor man über Abtreibung nachdenkt, sollte man das Kind lieber zur Adoption freigeben, damit es LEBEN kann!

Dieses Gefühl habe ich heute - nach der AB - auch noch! Ich weiß, dass die AB ein Fehler war, mit dem ich jetzt wohl leben muss.

Und dann diese unbeschreibliche Trauer um das Baby...

Danke fürs Lesen. Fast40


19.02.2008, 10:28
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Registriert: 16.02.2008, 16:07
Beiträge: 47
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Beitrag 
Liebe fast40,

bitte mach dir keine Vorwürfe, aber vorallem mache bitte niemals deiner Tochter diesbezüglich irgendwelche Vorwürfe.
Denn du kannst dir jetzt sicher noch keine Vorstellung davon machen, was dies für deine Tochter für Auswirkungen haben könnte, die sie dann ggfs. viele, viele Jahre in ihrem Leben negativ beeinflussen und begleiten könnten.

Außerdem hat sie diese Entscheidung für sich getroffen und es ist gut, dass du sie nicht beeinflusst und "überredet" hast. Es ist ihr Leben. Und auch wenn wir Mütter sind, so sollte und muss es immer so sein, dass wir unseren Kinder begleitend helfen, aber ihnen den Weg nicht vorschreiben sollten und dürfen. Wir können und dürfen unsere Meinung sagen, aber wir sollten nicht bestimmen. Nicht mehr ab einem bestimmten Alter und nicht in bestimmten Situationen.

Du warst für deine Tochter da, und obwohl du ansich nicht gerade ein Befürworter von Abtreibungen bist, hast du ihr beigestanden. Daraus kann man ersehen, dass ihr ein gutes und auch vertrautes Verhältnis habt, was deiner Tochter sicher sehr geholfen hat. Natürlich wird sie dich weiterhin brauchen, und dann solltest du für sie da sein. Es werden Situationen und Tage kommen wo es für sie unendlich wichtig ist, sich bei dir "fallenlassen" zu können und dir grenzenlos vertrauen zu können.

Also mach dir bitte keine Vorwürfe, denn zum einen lag es nicht in deiner Entscheidung. Es ist ihr Leben und du bist ihre Mutter um sie auf diesem, sowie auf allen anderen Wegen zu begleiten, zu unterstützen und nur bis zu einer bestimmten Grenze zu lenken. Und denke bitte auch daran, dass dieses Leben sicher gewachsen wäre, wenn es so hätte sein sollen.

Liebe Grüße sendet dir
gutefee


19.02.2008, 11:19
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Registriert: 11.06.2007, 03:00
Beiträge: 454
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Beitrag 
Hallo fast40

Ich finde es so toll, dass du hinter deiner Tochter stehst. Ich hätte mir das selbst sehr gewünscht.

Dass du auch Trauer fühlst, ist vielleicht "normal", so nah wie ihr euch steht. Vielleicht könnt ihr auch einen gemeinsamen Weg finden damit umzugehen.

Ich hab für mein Sternchen ein symbolische Grab angelegt, und ihm viele Briefe geschrieben.
Die Zeit kann man nicht zurückdrehen, aber keiner kann auch sagen, wie es anders gelaufen wär.
Gib deiner Trauer ausdruck und lass dich nicht beirren. Deine Tochter kann wirklich sehr stolz sein so eine Mutter zu haben.

Liebe Grüße
Beliavith

_________________
Das man für etwas Zeit gebraucht hätte, merkt man meist erst, wenn es zu spät ist....

Für meinen Stern David


19.02.2008, 14:40
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Registriert: 14.02.2008, 22:12
Beiträge: 7
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Beitrag 
Hallo ihr zwei!

Vielen Dank für eure lieben Worte...

Es tut wirklich gut, dass man sich hier einmal ehrlich aussprechen kann. Toll, dass es dieses Forum gibt.

Wie bereits beschrieben habe ich zwei große Probleme:
Zum einen ist da das Schuldgefühl. Ich bin mir nicht sicher, ob es nicht vielleicht besser gewesen wäre, meine Tochter mehr in die Richtung zu beeinflussen, das Kind auszutragen. Zum einen wäre dies für das Kind besser gewesen, denn es hätte LEBEN können, zum anderen in mehrfacher Hinsicht vielleict auch für meine Tochter. Durch die Entscheidung FÜR das Kind hätte sie gelernt, die Verantwortung für ihr Handeln zu übernehmen. Sie hätte die Mutterschaft als Lebensaufgabe annehmen können, um an ihr zu wachsen. Ich bin fast sicher, dass sie rückbllickend aus der Perspektive einer Erwachsenen dann irgendwann hätte sagen können: "Sooo sehr hat das ungeplante Kind mein Leben gar nicht negativ verändert. Ich bin stolz auf meine Entscheidung."
Zum anderen wäre das Risiko, irgendwann einmal die Entscheidung für die AB zu bereuen, natürlich nicht da gewesen. Wer weiß, wie sich ihre heutige Entscheidung später einmal auswirken wird, wenn sie die ganze Tragweite der Thematik erfasst hat...

Mein zweites Problem ist die Traurigkeit um den Embryo. Es tut mir so weh, dass er nicht weiterleben durfte. Dass er einfach so aus dem Leben gerissen wurde, obwohl er nichts verbrochen hat und einfach nur auf die Welt kommen wollte.
Ich habe Angst, dass er etwas gespürt hat - Schmerz, Schreck oder Angst.

Ich werfe mir vor, dass ich mich nicht stärker für ihn eingesetzt habe. Ich hätte ihn großziehen können - sage ich jetzt. Vor der AB konnte ich mir das nicht so recht vorstellen, denn es hätte arge finanzielle Einbußen mit sich gebracht. Jetzt sage ich - egal - Hauptsache er lebt! Alles andere kann man hinbekommen.

Wie sehr werfe ich mir vor, dass dieses Kind vor allem aus finanziellen Gründen nicht leben durfte...

Jetzt wird mir erst so richtig klar, dass wir es veranlasst haben, dass ein Mensch getötet wurde! Das werde ich mir nie verzeihen können.

Fast40


19.02.2008, 23:34
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Registriert: 11.06.2007, 03:00
Beiträge: 454
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Beitrag 
Ich weiß nicht, ob ein AB nicht auch eine Aufgabe sein kann, an der man wächst. Ich habe mir diesbezüglich schon oft die selbe Frage gestellt, und ich denke viele von uns sind durch den AB erst richtig nachdenklich und vielleicht auch reifer geworden.
Ich weiß nicht, ob überhaupt die Möglichkeit bestanden hätte, deine Tochter zu beeinflussen, und wenn ja, muss es denn dan glücklich sein?
Hier kann niemand mit Sicherheit sagen, ob es, wenn wir uns anders entschieden hätten wirklich gut gegangen wär, oder ob gerade die "jüngeren" bis jetzt noch ohne Kind nicht komplett überfordert gewesen wären.
Auch wenn ich eine Mutter gehabt hätte, die das Kind nimmt, hätt ich mir wahrscheinlich trotzdem Vorwürfe gemacht und ich weiß nicht, ob ich die Meinungen der Leute so einfach ertragen hätte.
Abgesehen davon ist das, was ihr gehen habt lassen die "Möglichkeit für ein Leben" gewesen, ein Traum, von dem man sich verabschieden muss.
Du weißt sicher selbst, wie weit ein Kind in der Woche entwickelt ist, oder auch nicht, aber als "Mörderin" würd ich das bestimmt nicht betrachten.

Auch wenn ich dir bestimmt nichts unterstellen will, aber ich glaube bei euch beiden waren nicht nur die finanziellen Gründe ausschlaggebend, sondern, du wolltest deine Tochter beschützen und sie war "überfordert". Mach die Gründe nicht im Nachhinein schlecht. Es ist ok, was ihr vor dem AB gedacht habt. Nimm dir jetzt Zeit, alles zu begreifen und auch zu trauern.
Vielleicht könntest du auch eine Beratungsstelle aufsuchen, die sich oft auch für Frauen nach einem AB anbieten.
Mir und meinem Partner hat das sehr geholfen.

Liebe Grüße
Beliavith

_________________
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Für meinen Stern David


21.02.2008, 04:21
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