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 Hört es irgendwann auf? 

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Beitrag Hört es irgendwann auf?
Hallo,
ich bin neu hier. Meine Spätabtreibung liegt jetzt fast 8 Monate zurück.
Am besten erzähle ich von vorne.
Ich wurde ungewollt von meinem Freund (zu dem Zeitpunkt waren wir nicht wirklich fest zusammen) schwanger. Ich erführ es in der 12 Woche, für mich gab es die Frage Abtreibung oder behalten nicht. Ich wollte mein Kind, ob mit Mann oder ohne.
Leider hatte ich von da an wahnsinnige Probleme, ständige Übelkeit, Kopfschmerzen, Kreislaufprobleme. In der 19 SSW kam ich das erste mal ins Krankenhaus, da ich kein Essen bei mir behalten konnte. Nach einer Woche medikamentöser Behandlung ging es dann. Bevor ich entlassen wurde gab es noch einen Ultraschall, da teilte mir die Ärztin dann mit das eine Fehlbildung vorliegt und ich zu einem Spezialisten gehen sollte.
Das habe ich dann auch eine Woche später getan. Bei dem Spezialisten wurde die Fehlbildung bestätigt. Offener Bauch (dies kam wohl von der schlechten Ernährung, sei aber nicht schlimm), das Zwerchfell und die Lunge waren auch nicht richtig ausgebildet. Lt. Arzt kann das aber noch werden, dann haben wir eine Fruchtwasseruntersuchung gemacht. Ich sollte dann über den Befund unterrichtet werden.
Einen Tag später, Zuhause, verlor ich Fruchtwasser und fuhr daraufhin ins Krankenhaus. Am nächsten Morgen rief der Spezialist an um mir mitzuteieilen das eine Trisomie 21 vorliegt und in Verbindung mit den anderen Fehlbildungen hätte mein Sohn keine Überlebenschance und ich solle Abtreiben. Die Ärzte im Krankenhaus sagten das auch.
Ich war alleine (mein Freund wollte sich zu diesem Zeitpunkt nicht mit unserem Baby befassen), da die Ärzte immer wieder sagten, mein Sohn hätte keine Überlebenschance und ich solle ihn sofort holen lassen, willigte ich ein.
Am nächsten Tag bekam ich die Wehenauslösenden Medikamente und Stunden später kam er. Er war wunderschön und sah auch nicht Mongolid aus. Als ich den Arzt fragte, meinte er nur, das könne man in der 21 Woche noch nicht sehen.

Im nachhinein kam raus, das er gesund war. Der Befund war falsch!! Dies sagte mir der Spezialist 3 Tage später am Telefon und warf mir den Abbruch auch noch vor.
Ich dachte eigentlich, das ich es inzwischen überwunden habe, aber es kommt immer wieder durch. Hat eine von euch Erfahrungen wann es aufhört weh zu tun?
Ich habe das Gefühl es zerreist mich innerlich.


29.07.2012, 18:58
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Beitrag Re: Hört es irgendwann auf?
liebe sofia,
beim lesen deiner geschichte mußte ich weinen. das ganze tut mir sehr leid für dich.
du has geschrieben, dass sich dein freund zu diesem zeitpunkt nicht mit eurem kind befassen wollte, wie sieht es denn heute aus? seit ihr noch ein paar? könnt ihr darüber reden, ist er für dich da?
ich glaube, dass es erst aufhört weh zu tun, wenn du dir verziehen hast.
herzlichst cordula


29.07.2012, 21:48
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Beitrag Re: Hört es irgendwann auf?
ganz im ernst. da ist so viel schief gelaufen. wende dich an einen Anwalt der auf solchen Ärzte-pfusch spezialisiert ist. denn das war eindeutig pfusch. man kann nur mit einer FWU (Fruchtwasseruntersuchung) genau sagen, ob ein Kind eine Fehlbildung hat oder nicht. Da keine FWU stattgefunden hat war diese Diagnose des Arztes absolut falsch und ein Fehler den ein Arzt schlichtweg nicht machen darf...Ich würde wenigstens Schmerzensgeld rausholen.

Und in meinen Augen darf so ein Arzt nicht mehr an Patienten ran. Er hat eindeutig seine Kompetenzen überschritten und dir falsche Sachen gesagt die er weder durch Untersuchungen belegt noch untermauert hat. Wenn er nicht weiß, dass eine Trisomie (Gendefekt) NUR und AUSSCHLIEßLICH durch eine FWU belegt werden kann und alle Ultraschallbefunde nichtig sind bevor es diesen Test gab, dann ist das kein Arzt sondern ein Depp...Sorry


30.07.2012, 03:58
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Beitrag Re: Hört es irgendwann auf?
@CordulaEr möchte nicht darüber reden. Außerdem hat er gerade einen Sorgerechtsstreit mit seiner Tochter aus 1.Ehe am laufen. Seiner Meinung nach ist das wichtiger, da seine Tochter ja nun am Leben ist.
Leider hat sich durch diese ganze Sache auch mein Freundeskreis auf null reduziert, da ich irgendwann weder aufstehen noch mit irgendjemanden reden wollte.

Inzwischen bin ich soweit das ich meine Krankenhausakte angefordert habe und mir einen Anwalt suchen werde. Das bringt mir meinen Sohn zwar nicht zurück, aber vielleicht erreiche ich dadurch das diese Ärzte nicht mehr mit Patienten arbeiten dürfen.
Was ich vergessen hatte zu schreiben, es wurde eine FWU gemacht, der schnelltest war Positiv auf eine Trisomie 21. Aber im Internet habe ich nachgelesen, das man eine Spätabtreibung nicht aufgrund des Schnelltestes machen darf, da diese in den meisten Fällen falsch ausgewertet werden.
Wäre ich mehr bei Verstand gewesen hätte ich das wohl nicht zugelassen.


30.07.2012, 13:23
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Beitrag Re: Hört es irgendwann auf?
Mein Freund und ich sind noch zusammen. Aber er möchte mit mir darüber nicht reden. Da er der Meinung ist, das unser Sohn tot ist und das darüber reden auch nichts bringt.
Eine FWU gab es, der Schnelltest war positiv auf Trisomie 21.
Mit wurde aber nicht gesagt das man den genauen Test abwarten sollte, sondern nur das mein Kind keine Überlebenschance hat, da es zuviele defekte sind und ich ihn holen lassen solle.
Mir wurde auch nicht gesagt, das mir drei Tage Bedenkzeit zustehen. Jede halbe Stunde kam die Ärztin und fragte wann ich soweit sei und wir anfangen können, da es nur eine quälerei für mich und mein Kind wäre.
Ich kann immer wieder nur sagen, wenn ich nicht so überfordert mit der Situation gewesen wäre hätte ich mich nicht dazu überreden lassen. Ich hatte auch Angst, was ist mit meinem Sohn, falls er überleben würde, wenn ich mich irgendwann nicht mehr darum kümmern kann?
Inzwischen bin ich soweit und sammel langsam die Arztberichte zusammen. Auch darin gibt es große Wiedersprüche. Das schlimmste ist einfach, das ich mein gesundes Kind umgebracht habe


30.07.2012, 22:40
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Beitrag Re: Hört es irgendwann auf?
Liebe Sofia, das ist nicht deine Schuld. Dein Arzt ist verpflichtet dich über sowas aufzuklären. Er hat es nicht getan daher muss er jetzt die Konsequenzen mit tragen. Auf die 2 Wochen bis zum richtigen Ergebnis wäre es nicht angekommen und das MUSS ein Arzt einfach wissen.

Und auch wenn es deinen Sohn nicht zurück bringt. Es nimmt dir etwas die Last von den Schultern die du im Moment alleine trägst, weil du die Einzigste bist die die Verantwortung für diese scheiße übernimmt die im Grunde andere verbockt haben!

Es ist mehr als unfassbar wie man da mit dir und dem ungeborenen umgegangen ist. Ich wünsche dir sehr viel Kraft für den Weg, evtl. sogar vor Gericht, aber es ist der einzigst Richtige und er wird sich (so denke ich) wirklich lohnen!!!!


01.08.2012, 13:05
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Beitrag Re: Hört es irgendwann auf?
So, letzten Freitag war es soweit.
Ich habe mir von 2 weiteren unabhängigen Ärzten Meinungen eingeholt. Die sagten mir, unabhängig voneinander, das mein Kind keine Überlebenschancen gehabt hätte. Ich hätte ihn evtl. noch bis zur 25 SSW austragen können, aber da einfach zu wenig Fruchtwasser da war hätte es große Schäden geben können.
Ich komme trotzdem nicht damit zurecht. Ich möchte die Zeit zurück drehen. Heute habe ich wieder einen sehr schlechten Tag. Obwohl ich mich freuen sollte, mein Freund lässt sich endlich scheiden! Aber er redet nicht mit mir über unser Kind. Wenn dann über seine Tochter, die lebt ja schließlich und irgendwann (am besten jetzt sofort) soll ich mit dem AB zurecht kommen (wörtliches Zitat).
Ich wünschte, es wäre so einfach. Es tut einfach nur weh.
Ich komme weder mit mir, mit meinem Job noch mit meinem sozialen Umfeld zurecht.
Ich komme morgens nicht aus dem Bett, ich kann mir nur kurze Zeit konzentrieren, ich kann selten essen ohne das mir schlecht wird und ich mich übergeben muss.

Ich bin 25 Jahre alt und habe das Gefühl das mein Leben vorbei ist


10.08.2012, 16:10
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Beitrag Re: Hört es irgendwann auf?
Es ist so furchtbar und tut mir so leid!

Man ist einfach auf Ärzte angewiesen und ihnen somit auch ausgeliefert. Du hast nach bestem Gewissen und Wissen entschieden! Auch dass im Nachhinein der Befund bestätigt wurde, wird den Verlust nicht mildern.
Aber du hast eine andere Basis, bestmöglichst damit umzugehen.

Vielleicht können Männer in solchen Momenten einfach auch nie das tun und sagen, was man selber braucht. Vielleicht braucht er einfach auch mehr Zeit, bis er reden kann. oder er ist ein Verdränger, dann bleibts dabei.

Ich wünsche dir viel Kraft!


12.12.2012, 12:26
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Beitrag Re: Hört es irgendwann auf?
Hallo Yuna,

vielen Dank. Inzwischen geht es ganz gut. Habe den "Jahrestag" auch ganz gut überstanden.
Nun ja, mein Freund redet immer noch nicht drüber. Das wird sich auch nicht ändern.
Aber ich denke, ich kann damit leben. Leider hat er nun beschlossen sich steriliseren zu lassen, also wird es keinen zweiten Versuch geben.
Mal schauen ob ich mich damit abfinden kann .....


12.12.2012, 22:38
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