Aktuelle Zeit: 13.11.2019, 06:30




Ein neues Thema erstellen Auf das Thema antworten  [ 3 Beiträge ] 
 Wo gehöre ich hin? (Achtung Triggergefahr) 

Werbung wird nicht durch www.nachabtreibung.de bereitgestellt, sondern durch Google.
Autor Nachricht

Registriert: 02.07.2013, 04:12
Beiträge: 2
Geschlecht: weiblich
Geburtsjahr: 1980
Mit Zitat antworten
Beitrag Wo gehöre ich hin? (Achtung Triggergefahr)
Hallo,

ich bin arg durch den Wind und finde mich deshalb im Forum nicht zurecht.

Hatte vor ca. 6 Jahren eine Abtreibung (damals weil die Lebensumstände nicht gepasst haben und mein "Freund" damit drohte die Beziehung zu beenden, falls ich das Kind behalte). Nun bin ich wieder ungewollt schwanger (trotz Mehrfachverhütung), und das ganze Trauma kommt wieder hoch. Nun würden die Lebensumstände passen (habe einen tollen Freund und wir sind gerade zusammen gezogen), aber ich habe bestimmte gesundheitliche Probleme, derentwegen ich im Moment kein Kind bekommen sollte. Die Wahrscheinlichkeit, dass es mit psychischen/neurlogischen Auffälligkeiten oder körperlichen Erkrankungen auf die Welt kommen könnte, ist hoch. Leider sind meine Probleme schulmedizinisch nicht anerkannt. Ich habe eine multiple Schwermetallbelastung und mache deshalb seit Monaten eine Ausleitung. Es ging mir die Wintermonate über extrem schlecht, hab gedacht ich erleb den nächsten Sommer nicht mehr. Jetzt bin ich grad halbwegs wieder auf den Beinen, schaffe es die meisten Tage einigermaßen einen eingeschränkten Alltag zu bewältigen und habe mir nach und nach ein bisschen Freude am Leben zurück erobern zu können. Nun plötzlich wieder schwanger zu sein trifft mich knüppelhart. Ich weiß es bereits seit dem Tag der Empfängnis, ich spüre das (habe es auch beim ersten Mal sofort gewusst) und es geht mir körperlich zunehmend schlechter seither. Heute hätte ich meine Periode bekommen sollen.

Meine Ratio weiß eigentlich was zu tun ist (bin erstaunt, wie gut ich das Schreiben grad hinbekomme), aber ich bin emotional völlig durch den Wind. Hab den ganzen Tag abwechselnd geweint, geschrien vor Wut oder bin rumgelaufen wie betäubt. Meinen Freund kann ich noch nichtmal mehr ansehen geschweige denn mit ihm reden. Er versucht sein Bestes, aber ich hab das Gefühl, als könne sowieso niemand verstehen was in mir vorgeht. Habe mich komplett in mir eingekappselt. Habe überlegt zu einer Art Notaufnahme für psychische Krisen hier bei uns zu gehen, aber ich habe im letzten halben Jahr soviele negative Erfahrungen mit Schulmedizinern gemacht, dass ich mich nicht traue. Ich kann die Schwermetallbelastung wissenschaftlich validiert schwarz auf weiß vorweisen, und trotzdem bekomme ich von den meisten Ärzten eiskalt ins Gesicht gesagt, dass es so etwas nicht gäbe. Es ist der blanke Hohn! Die angefangene Ausleitungstherapie hilft mir sehr gut, aber man darf sie auf keinen Fall während einer Schwangerschaft weiterführen. Und sie ist auch sehr schwierig, da man dabei viel falsch machen kann. Erlebe immer wieder Heilkrisen und muss die Therapie entsprechend anpassen.
Ich habe durch die Vergiftung generell psychische Probleme, bin emotional sehr instabil, habe ADHS, Verdauungsprobleme mit ständigen Blähungen (der Gedanken ein Kind + diese abartigen Blähungen im Bauch zu haben bringt mich schier um den Verstand, ich seh auch so schon oft aus wie im 5. Monat, wie soll das gehen, ich habe Angst zu explodieren!!!).

Mir fahren den ganzen Tag schon Filme durch den Kopf, wie das damals war: Die Eiseskälte meines "Freundes", der missbilligende Blick der Arzthelferin am Tag X, die Übelkeit und die starken Schmerzen trotz Medikamenten (es war Mifegyne in der 6. Woche). Und vorher der Psychoterror: Ich bekam durch den ganzen Stress eine Nierenentzündung, musste ins Krankenhaus. Dort gynäkologische Untersuchung, ich sagte direkt, dass ich abtreiben werde. Trotzdem durfte ich mir anhören: "Oh, es entwickelt sich ganz prächtig!" Dabei hatte ich eine 12cm große Zyste am Eileiter, man sagte es wäre eine Risikoschwangerschaft gewesen. Ich habe so gehofft, dass die Sache sich einfach von alleine regelt. Aber es war so unglaublich hartnäckig, trotz Zyste, trotz Entzündung, als wollte es unbedingt leben. Das hat mich fertig gemacht! Mein damaliger "Freund" misshandelte mich regelrecht hinterher durch unterlassene Hilfeleistung. Mir ging es am nächsten Tag immer noch sehr schlecht, er meinte es müsse doch allmählich mal wieder gut sein, maulte rum, weil ich "mal wieder zu nix zu gebrauchen" sei etc. Diese Wut!!!

Was mich im Moment so fertig macht: Dass ich nicht mehr selbst die Kontrolle habe. Ich bin abhängig vom "guten Willen" anderer (unseres Gesetzgebers z.B. der sich anmaßt zu beurteilen, wie lange man für eine Entscheidung mindestens brauchen sollte). Ich werde wieder "guten Ratschlägen" auf der Beratungsstelle ausgesetzt sein. Wozu soll ich mir den Quark anhören? In meinem Umfeld bekommen seit einiger Zeit alle Kinder (bin mittlerweile knapp über 30), ich beobachte das neidisch. Es ist nicht so, dass ich es mir nicht wirklich vorstellen könnte ein Kind zu haben. Unter diesen Umständen keines zu bekommen, ist meiner Meinung nach die bestmögliche Entscheidung. Ich weiß wie es ist, mit vorgeburtlicher Belastung auf die Welt zu kommen. Meinen Bruder hat es sogar noch viel härter getroffen! Ich weiß auch wie es ist, wenn Eltern ihre ungelösten psychischen Konflikte an einem auslassen. Ich habe mir geschworen es niemals dazu kommen zu lassen. Die Scheiße endet bei mir! Ich werde sie nicht weitergeben! Geht das alles irgendjemanden bei der Beratungsstelle an? Nein! Das geht nur mich etwas an! Nur mir steht eine Entscheidung zu!

Damals fand ich die Beratung sehr gut, weil ich unschlüssig war, was ich tun sollte, und ich mich mit der Entscheidung sehr, sehr schwer getan habe. Mir wurden alle möglichen Hilfen aufgezeigt. Aber heute ist die Situation eine ganz andere. Ich will überhaupt nicht mit einer Beratungsstelle sprechen, sondern aufgrund medizinischer Indikation abtreiben, und zwar so schnell wie irgendmöglich. Ich weiß noch genau, was die Hormone damals mit mir gemacht haben, ich weiß genau, dass es mir mit jedem weiteren Tag schwerer fallen wird, mit jedem weiteren Tag ist das Trauma des Kontrollverlustes da. Ich hab den Verlust meines Kindes schon vor Jahren therapeutisch aufgearbeitet, das war alles sehr schlimm. Aber nun kommt dieses andere hoch, was mir vorher gar nicht so bewusst war. Ich will keine Kontrolle abgeben! Habe heute in meiner Verzweiflung sogar zu gewissen Kräutern gegriffen, leider ohne Ergebnis (bin sehr vorsichtig vorgegangen). Kommentare erübrigen sich, ich weiß selbst, dass sowas verdammt gefährlich sein kann. Aber lieber leide ich allein, als unter den entwürdigenden Blicken einer Frauenarzthelferin, die sich besser mal einen anderen Beruf ausgesucht hätte!

Nun weiß ich nicht: Wird das gehen, das Abtreiben aufgrund medizinischer Indikation, wenn mein Umweltmediziner mir diese bestätigt?

Ich hab keine Ahnung wo in diesem Forum mein Textwust am besten untergebracht ist, entschuldigung! Vielleicht kann ein Moderator ihn dorthin verschieben und mich informieren oder so.

Was für ein Alptraum!


02.07.2013, 04:46
Profil E-Mail senden

Registriert: 25.01.2010, 14:49
Beiträge: 60
Geschlecht: weiblich
Geburtsjahr: 1968
Mit Zitat antworten
Beitrag Re: Wo gehöre ich hin? (Achtung Triggergefahr)
liebe nachtgängerin,

ist das auch sonst eine zeit, in der du wach bist und sogar etwas anpackst – oder ist dein nächtliches schreiben ausdruck deines großen inneren durcheinanders?
es geht mir richtig ans herz, was du alles schon hast erleben müssen! und es ist so gut, dass du es aufschreibst! vielleicht auch ein stück loswirst damit. hoffentlich!! solche erfahrungen hast du ja schon öfter gemacht, dass es dir besser ist, wenn was ausgesprochen ist, oder?
aber oft hast du leider auch die erfahrung gemacht, dass man dich überhaupt nicht hört (grade jetzt wieder mit deinen beschwerden, wo du nicht ernst genommen wirst an vielen stellen).
es tut richtig weh, zu lesen, wie du von deiner damaligen abtreibung schreibst und wie in dieser situation keiner dir wirklich begegnet ist. obwohl menschen um dich waren, die eigentlich hätten für dich da sein sollen.
da kann ich gut nachvollziehen, dass du dir nichts mehr erwartest von beratung und (schul-)medizin.
deine entschlossenheit zur abtreibung verstehe ich einerseits – andrerseits auch wieder nicht (so wird es dir wohl auch selbst gehen??).
du hast befürchtungen, mit deiner therapie nicht weiterzukommen (wäre denn die ausleitung, die bisher erfolgt ist, nicht schon als gewinn für dich zu betrachten, als kleiner "erfolg"? du hattest ja die erleichterung und freude schon gespürt. :) ) dann ist da auch die angst, dem kind könnte etwas schaden – ist der umweltmediziner dieser meinung?
deine seelischen belastungen sind nochmal was anderes, oder?
und da scheinen sich zwei linien auszuprägen: von deiner damaligen abtreibung bist du noch traumatisiert, auch wenn schon aufarbeitung stattgefunden hat (du nennst die gefahr ja in deiner überschrift). – daraufhin lautet doch eigentlich jeder gesunde impuls: das bloß nicht wieder!!
und dann lähmen dich wohl noch kindheitsgeschichten, wo du selbst nicht glücklich bist über dein eigenes leben. wo du denkst, du würdest ungutes fortsetzen. – das kann man hinterfragen, ob das so sein würde.
meine größte angst wäre ehrlich gesagt, dass du dir mit einer weiteren abtreibung wieder selbst etwas schlimmes zufügen würdest und damit nicht „leichter“ und auch nicht gesünder würdest.
dass sich das kind anmeldet in einer situation, wo die umstände und der freund passen und es dir (im vergleich zu deiner schlechtesten zeit) schon etwas besser geht – könnte das nicht auch ein hoffnungszeichen sein, ein gutes lebenszeichen?
bei tag besehen? oder wie denkst du dir das erlösende aufwachen aus dem alptraum?
jetzt lese ich vor dem absenden nochmal alle meine worte an dich .... und wahrscheinlich wirst du sagen, ob ich die massivität deiner ängste (kontrellverlust, „explodieren“) überhaupt wahrgenommen habe. hm .... ich denke doch – und die übermacht deiner ängste geht mir richtig nahe. da wünsche ich dir wirklich eine „erlösende“ erfahrung! aber eben: wie könnte die sein? dass du gut weiterleben und dich weiterentwickeln kannst, deinen weg gut weitergehen?
übrigens: du bist hier schon mal passend gelandet ;-) schreib´ einfach wieder.
liebe grüße von tizia

p.s.: und was meint eigentlich dein freund zu allem?


04.07.2013, 10:39
Profil E-Mail senden

Registriert: 02.07.2013, 04:12
Beiträge: 2
Geschlecht: weiblich
Geburtsjahr: 1980
Mit Zitat antworten
Beitrag Viel passiert...
... nach meinem ersten Beitrag in diesem Forum. Leider ging es mir zwischenzeitlich körperlich sehr schlecht, deswegen war ich nicht mehr in der Lage hier zu schreiben. Aber eins nach dem anderen:

Besagte Krisenberatungsstelle hatte ich am nächsten Tag dann doch aufgesucht. Erkenntnisse hat mir das Gespräch nicht gebracht, aber es hat mir geholfen den Kopf zu sortieren und aus dieser Starre ein Stück weit heraus zu kommen. Der Verstand hat sich wieder eingeschaltet.

Das Gespräch bei Profamilia hat mir sehr, sehr gut getan. Die Beraterin hat sofort verstanden was ich wollte und gab mir tolle Unterstützung bei der Frage, in welcher Abtreibungsklinik ich am besten aufgehoben bin und welche Methode die passende für mich ist. Dann hatten wir ein interessantes Gespräch über ihren Job, und was sie da so alles mitbekommt. Mein Freund fragte, ob sie auch manchmal den gegenteiligen Fall hat, dass ein Paar das Kind will, bei dem sie meint, die sollten es besser bleiben lassen. Sie platzte sofort heraus: "Oh ja, ständig!" Mein Freund fragte weiter, welche Gründe es denn gebe, warum sie werdende Eltern für ungeeignet halte. Sie sagte ganz unverblümt: "Es gibt so viele Menschen, die sind einfach nur dumm. Richtig dumm! Die stellen sich das alles total rosig vor und haben keine Ahnung was für eine immense Verantwortung es bedeutet ein Kind aufzuziehen!" Mir tun diese Kinder leid, muss da immer an gewisse Sendungen auf RTL2 denken... Sie bestätigte mich darin, eine solche Entscheidung wohlüberlegt und verantwortlich zu treffen.
Ich erzählte ihr von meiner Scham nach der ersten Abtreibung. Zwar fühlte ich mich nicht schuldig, aber ich hatte Angst verurteilt zu werden, wenn ich jemandem davon erzähle. Auch dachte ich, dass es mir gar nicht gut gehen dürfe nach sowas, sonst sei ich ein Mensch ohne Gewissen. Sogesehen war es positiv, dass mir das nun passiert ist, weil mir diese Dinge dadurch bewusst geworden sind, und ich meine Meinung dazu geändert habe. Warum sollte ich mich dafür schämen, kein Kind in diese verschmutzte, von politiischen und wirtschaftlichen Unruhen bedrohte Welt zu setzen, die sowieso aus allen Nähten platzt?

Was ich befürchtet hatte, ist nicht eingetreten: Es wurde nicht jeden Tag schlimmer das Kind loszulassen, so wie beim letzten Mal, zum einen, weil ich wenn überhaupt nur ein blasses, kränkliches, greinendes Kind vor meinem inneren Auge sah. Diesem seine Pein zu ersparen, damit fühle ich mich voll und ganz im Reinen. Auch wenn es natürlich trotzdem traurig ist, dass die Umstände so sind. Zum anderen ging es mir leider jeden Tag schlechter.

Vor etwas über einer Woche wollte ich Sonntags mit anderen zum Grillen gehen und bekam so starke Kreislaufbeschwerden, dass ich umkippte und in die Notaufnahme musste. Zwei Tage später war ich wieder mit Kreislaufproblemen in der Notaufnahme. Es wurde jeden Tag schlimmer, und vor allem nachts war es fürchterlich. Konnte kaum noch schlafen, wachte davon auf, dass mir der Kreislauf weg kippte, hatte das Gefühl nicht richtig Luft zu bekommen. Ganz zu schweigen von der Übelkeit. Konnte die ganze Woche nicht arbeiten. Da ich selbstständig bin und einiges an Schulden abarbeiten muss, ist das mehr als ungünstig. Für Freitag war die Abtreibung geplant mittels Absaugung in leichter Narkose. Dafür darf man 6 Stunden vorher nichts gegessen und getrunken haben. Ich hielt mich nachts über Wasser, indem ich möglichst viel Wasser in mich hinein schüttete. Hatte keine Ahnung, wie ich die Nacht ohne das überstehen sollte. Dann die Vorstellung, sich morgens von Übelkeit und Durchfall geschüttelt in ein Taxi zu setzen und durch den Berufsverkehr in die Kreisstadt zu fahren - Horror! Ich hatte große Angst unterwegs wieder zu kollabieren, und/oder in so schlechtem Zustand dort anzukommen, dass der Eingriff gar nicht durchgeführt werden kann. Dabei ging es mir jeden Tag noch beschissener, ich flehte die Ärzte in der Notaufnahme an, mich doch endlich von dem Elend zu erlösen. Haben sie aber nicht, würden sie nur mit medizinischer Indikation machen, wie man mir mit verächtlicher Miene mitteilte (die bei mir laut Schulmedizin nicht vorliegt). Die waren richtig zynisch: "Frauen, die sich auf ihre Kinder freuen, halten dafür noch viel mehr aus!" - Ganz ehrlich: Für mich ist kein Szenario vorstellbar, bei dem ich freiwillig einen solchen Zustand, wo das Leben gefühlt jeden Tag ein wenig mehr aus einem raus tröpfelt, länger als nötig mitmache, Kinderwunsch hin oder her. Was nützt das Kind, wenn ich dabei drauf gehe?! Das was da passierte, war unterlassene Hilfeleistung und ich hätte gute Lust das Klinikum dafür auf Schmerzensgeld zu verklagen!
Immerhin nahm man mich am Donnerstag Abend stationär auf (da wars so schlimm geworden, dass ich vor Übelkeit überhaupt nichts mehr essen oder trinken konnte, mir wurde sogar übel, wenn mein Freund versehentlich in meine Richtung atmete und ich das roch!). Ich bekam die ganze Nacht über Infusionen, und weil das Klinikum sich "für sowas" ja zu fein war, holte mein Freund mich morgens ab, fuhr mich im Rollstuhl zum Taxi, von da gings weiter zur Abtreibungsklinik, wo ich schwer auf meinen Freund gestützt erstmal 3 verschiedene Türen mit jeweils eigener Klingel überwinden musste (damit die Klinik nicht von Pro-Life-Aktivisten gestürmt werden kann?!).

Endlich angekommen gab es nach der Profamilia-Dame den 2. Lichtblick in diesem Desaster: Die Schwestern waren sehr herzlich, die Ärzte kompetent und locker. Der Anästhesist war besonders cool drauf. Er hörte sich all meine Probleme mit verschiedenen Medikamenten und meine Sorgen wegen meiner Überempfindlichkeiten genau an und verpasste mir eine perfekte Narkose, in die er mich mit geschickten Fragen sanft leitete. Endlich richtig schlafen! Aber leider viel zu kurz. Mir kams allerdings länger vor als 10 Minuten, wie schon vorher in diesen leichten Narkosen träumte ich ganz wunderbar. Außerdem ließen sie noch 2 Infusionen in mich rein laufen. Toll gings mir danach nicht, aber es hätte sehr viel schlimmer kommen können. Die anderen beiden Frauen im Aufwachraum waren wesentlich besser beieinander. Als die richtig wach waren, sind sie locker rausgelaufen. Ich wurde mir dem Taxi nach Hause gekarrt und hab zuhause noch ganz viel geschlafen, Freitag abend gings mir schon besser, Samstag nochmal ein Stück, und Sonntag konnte ich sogar schon wieder einen Spaziergang mit meinem Freund machen.

Was das Thema Freund angeht: Ihm gegenüber blieb ich die ganze Zeit distanziert. Ich glaube ich konnte keine Nähe zulassen, weil ich dann vielleicht auch Gefühle für den Embryo entwickelt hätte. Ich wusste die ganze Zeit: Wenn es vorbei ist, wenn es weg ist, erst dann kann ich wieder ich selbst sein. Und so ist es auch. Seit Samstag taue ich ganz langsam und allmählich wieder auf. Heute morgen haben wir sogar richtig gekuschelt, bevor er dann leider nochmal für 2,5 Wochen zurück in seine Heimat muss.

Später beim aufwachen bemerkte ich dann, dass das keine gute Idee ist. Sonntag (also gestern), ging es mir gut. Wütend war ich, auf Pro-Life-Aktivisten (mein neues Feindbild), auf alle Menschen, die meinen einem vorschreiben zu können was man zu tun und zu lassen hat, die sich herausnehmen einen zu beurteilen, obwohl sie noch nichtmal die Hintergründe kennen. Habe sehr, sehr viel über das Thema gelesen in den letzten zwei Wochen (Information ist meine Strategie mit Dingen umzugehen), mich mit Frauenrechtung und der historischen Entwicklung der Abtreibungsgeschichte beschäftigt. Nach all dem religiös geprägten menschen- bzw. frauenverachtenden Dogmatismus, der diesbezüglich hierzulande noch immer vorherrscht gewürzt mit den mal wieder unterirdischen Erlebnissen mit den deutschen Ärztinnen überlege ich nun ernsthaft nach Holland auszuwandern! Da hat sich wieder mal deutsche Borniertheit in ihrer Bestform gezeigt. Zum Kotzen! Eins dieser Highlights hab ich ganz vergessen: Ich werd in der Notaufnahme gynäkologisch untersucht. Die Ärztin kennt meine Geschichte, weiß dass ich abtreiben will und warum, und fragt mich im Prozedere doch ernsthaft mit aller Selbstverständlichkeit, wann denn der Geburtstermin sei? Ich keuchte nur ein schwaches: "Bitte was?!" Mit mehr Power wäre ich ernsthaft in Versuchung gewesen ihr ins Gesicht zu treten! (Auf dem Gynstuhl liegend mit Beinen hoch, wäre das ne gute Ausgangsposition dafür gewesen!) Genau solche scheiß Fragen und Sätze sind es, die ich als Psychoterror bezeichne! Ich glaube gar, dass manche Ärzte das absichtlich machen!

Aber ich wollte ja von heute erzählen. So. Nun dachte ich, mit dem Tag der Abtreibung sei die körperliche Geschichte erledigt, dass die Hormone sich hoffentlich schnell zurück bilden, und die Kreislaufprobleme und die Übelkeit weniger werden. Dem ist auch so. Was ich leider nicht wusste war (stand auch auf dem Flyer der Abtreibungsklinik nicht drauf), dass die hormonelle Umstellung böse auf die Psyche schlagen kann. Nun war mein Freund weg, ich allein, wollte eigentlich wieder arbeiten heute, und mir gings so komisch. So komische Spannungsgefühle in den Armen und im Rücken, leichter Schwindel beim Herumlaufen, das Gefühl nix runter zu bekommen. Mein Gedanken waren: "Ich kann nicht mehr! Ich kann einfach nicht mehr! Nicht noch mehr! Ich dachte es sei vorbei! Jetzt fängt wieder irgendwas an!" Ich fühlte mich regelrecht suizidal. Scheinbar war ich ruhig, aber irgendwie fühlte ich mich, als hätte ich einen Nervenzusammenbruch. Gerade als ich anfing zu weinen, was gut tat, rief mein Vater an. Er erzählte mir von einer Bekannten, die nach einer Fehlgeburt einige Tage sehr depressiv gewesen war, und dass das alles durch die hormonelle Umstellung käme. Ich nahm eine Beruhigungstablette, die ungewöhnlich lang brauchte um zu wirken. Danach war ich wie auf Zeitlupe geschaltet, konnte mir aber was zu Essen machen und rief beim Krisentelefon an. Mein üblicher Versuch mir Infos zu beschaffen schlug fehl, es ist kaum etwas zu finden über die hormonelle Rückbildung nach einer Abtreibung, mit welchen Symptomen das einher gehen kann, wie man sich helfen kann etc. Es tut mir gut, wenn ich z.B. weiß: "Ahja, der Schwindel, das hängt mit den Hormonen zusammen, alles klar, es braucht mich nicht ängstigen".

Es wäre ganz toll, wenn ich zu der Frage vielleicht einen guten Link oder ein paar Erfahrungsberichte bekommen könnte?

Eine Möglichkeit habe ich selbst schon gefunden: Meine Verhütungspflanze (Mexican Wild Yam) regt den Körper an Progesteron zu bilden. Als ich dank Beruhigungsmittel essen konnte, nahm ich davon 2 Kapseln, und habe seither den Eindruck, dass es mir im Verlaufe des Abends nun ganz allmählich besser geht. Werde das fortsetzen.

Telefonierte später noch mit meiner Mutter, was die mir alles über die Auswirkungen hormoneller Umstellungen in Schwangerschaft und Stillzeit erzählte, war gelinde gesagt gruselig! Und damit spreche ich ganz zum Schluss das wahrscheinlich für mich heftigste Thema an: Nach allem, was ich nun erleben musste, möchte ich nie mehr wieder schwanger sein! Ich habe eine Heidenangst davor!! Man stelle sich vor, ich bin irgendwann körperlich besser drauf, werde schwanger, und merke dann erst im 4. oder 5. Monat, das mein Körper es doch nicht packt. Dann wird mir keiner helfen! Ich komm mir vor wie bei Hausmeister Krause im Dackelclub, nur dass es nicht "Alles für den Dackel, alles für den Hund!" heißt, sondern "Alles für das Baby, alles für das Kind - die Mutter kann verrecken, Hauptsache die Rentenkasse stimmt!"

Okay, Ihr merkt, mein Galgenhumor ist mir nicht verloren gegangen, und es wäre auch ein verdammt schlechtes Zeichen, wenn er es je täte.

Wie gesagt, zu der Frage: "Hormonelle Umstellung nach Abtreibung" könnte ich Hilfe gut gebrauchen. Wer weiß was?


16.07.2013, 03:07
Profil E-Mail senden
Beiträge der letzten Zeit anzeigen:  Sortiere nach  
Ein neues Thema erstellen Auf das Thema antworten  [ 3 Beiträge ] 


Wer ist online?

Mitglieder in diesem Forum: 0 Mitglieder


Du darfst neue Themen in diesem Forum erstellen.
Du darfst Antworten zu Themen in diesem Forum erstellen.
Du darfst deine Beiträge in diesem Forum nicht ändern.
Du darfst deine Beiträge in diesem Forum nicht löschen.
Du darfst keine Dateianhänge in diesem Forum erstellen.

Gehe zu:  
cron