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 Hilflos und Einsam 

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Beitrag Hilflos und Einsam
Hallo zusammen,

ich kenne niemanden der einen Abbruch durchgeführt hat, mein Therapeut verschiebt ständig die Termine und mein Freund ist nicht besonders einfühlsam. Ich bin mit dem Thema so verzweifelt einsam. Auch wenn ich mit meinen Freundinnen darüber reden kann- das kann niemand so nachvollziehen wie Frauen die das gleiche durchgemacht haben.

Daher würde ich mich sehr freuen wenn ihr zu meiner Geschichte Stellung nehmt, von euch dazu erzählt. Man vlt. zusammen etwas trauern kann.

Ich wäre auch froh tipps zu bekommen wie man damit umgehen kann. Ich möchte nicht später mit einem "Neuen Baby" die Lücke füllen, sondern die Freude über das Baby an sich einfach genießen- ohne das es ein Loch stopfen soll.

nun, meine Geschichte. Ich muss einfach etwas ausholen, ich muss es mir von der Seele schreiben. Tut mir leid für den langen Text, vT hilft es aber auch jemand anderem sowas zu lesen. Mir hat schon der ein oder andere Bericht von euch berührt und er hat mir geholfen.
Bitte haltet mich nicht für doof, bin leider Legastheniker und habe es nicht so mit der Rechtschreibung.

Ich bin 25, mein Freund 22. Ich habe eine fertige Ausbildung und verdiene mein Geld. Er ist mitten im Studium und hat noch nichts von der Welt gesehen.
Im Juni 15 habe ich gespürt das ich schwanger bin. Test gemacht- eindeutig schwanger. Kurz zuvor hatte ich noch mit meinem freund gesprochen ohne es zu wissen, dass wir auf jeden fall abtreiben würden wenn sowas ausversehen passiert. Kurz zuvor waren wir noch für einen Monat getrennt weil wir uns so furchtbar gestritten hatten. Da waren wir ca. 2,5 Jahre zusammen

Nachdem ich den Test gemacht hatte habe ich sofort meine Mama angerufen und ihn natürlich auch. Es war so unwirklich. Aber ich wollte unbedingt sofort mit meiner Mutter reden da sie weiß wie es sich anfühlt ein kleines Leben im Bauch zu haben.
An dem Tag sagte ich auch noch halbwegst mit Überzeugung dass ich die Abtreibung will. Aber Zweifel hatte ich irgendwie doch ab der ersten Sekunde.
Für mich war es sofort ein Baby, es war in meinem Bauch.- wie ein Stückchen liebe. Ein stück liebe meines Freundes und mir.

Für meinen Freund war das Thema sofort abgeharkt- wir hatten ja darüber gesprochen was wir in dem falle machen wollen. Er fragte ganz selbstverständlich ob ich denn schon einen Thermin hätte, für die Beratungsstelle und in der Klinik.

Irgendwann lenkte ich ein und sagte, dass wir es auch durchdenken müssen es zu behalten. Dass es für mich nicht klar ist..und alleine der Gedanke das Baby aus mir raus saugen zu lassen mir die Luft zum Atmen nimmt. Ich war nucrnoch am heulen. War aber auch nicht in der Lage eine wirkliche Entscheidung zu treffen. Das war das schlimmste. Ohnmächtig- nicht zu wissen was ich tun soll.
Die Frau bei Pro familia wollte mit den Schein fast gar nicht ausstellen weil ich beim kleinsten Gedanken an eine Abtreibung furchtbar weinen musste.

Ich fühlte mich meinem Freund gegenüber irgendwie verantwortlich- wollte es nicht alleine entscheiden. Wollte ihm kein Kind aufzwingen das er auf keinen Fall haben wollte. Er hat sich mit Händen und Füßen gewehrt. Egal wie schlecht es mir ging, er hat nur sehr zögerlich eingelenkt. Er sah nur sich. Erfüllt voller Panik derAufgabe nicht gewachsen zu sein. Sein Leben „sei vorbei“ sollte das Kind auf die Welt kommen.
Ich muss dazu sagen, ich bin Erzieher seit einigen Jahren und konnte mir sicher besser ein Bild davon machen wie es so werden würde. Egal wie traurig ich war, er war zwar immer anwesend, aber nicht für mich da. Ihn hat es Emotional überhaupt nicht berührt. Das hat mich so wütend gemacht. Es war so traurig wie wenig er sich für das in meinem Bauch interessiert hat.

In der 7+ habe ich ihn mit zum FA genommen um ihm zu zeigen was in meinem Bauch los ist. Das es real ist. Ein herz schlägt. Er sagte, ja ist schon traurig. Aber berührt klang es nicht. Nichtmal ein Bild unseres Kindes konnte ihn berühren. Es sei noch kein Kind… Klar ist es jedem selber überlassen ab wann man es als Mensch betrachtet.. aber ein Herz? Das man schlagen sieht? es schockierte mich was er für eine emotionslose auffassung er davon hatte.

Es hat mich einmal mehr bestärkt das ich das Kind von ihm nicht wollte.

Seine Grunde waren außerdem: Wir hatten uns gerade noch so sehr gestritten und er wollte es nicht in eine Unsichere Beziehung bringen, er könnte keine Finanzielle Unterstützung leisten, es se noch kein mensch. Mehr fällt mir gerade nichtmehr ein.

Natürlich steht der Mann außen vor.. hat nicht das Gefühl im Bauch.. aber naja.

Er hat sich komplett nicht für die Schwangerschaft interessiert. Ich habe so gelebt das ich immernoch die Möglichkeit hatte es zu behalten. Also auch Folsäuretabletten genommen und was man eben so macht. Da war er dann sauer dass ich ihn nicht gefragt habe ob das ok ist die zu nehmen. Sich nicht dafür interessieren aber dann so einen Aufriss schieben. Ich habe mich gut informiert und wollte nur das Beste für das Kind. Er hat keine Ahnung aber verurteilt mein Handeln so- unmöglich. Das hat mich sehr gekrängt. Alleine das fehlende Vertrauen in mich.

Nun, dann habe ich aus lauter Boshaftigkeit einen termin in der Klinik gemacht. Fest entschlossen, dass es Besser sei das kind von ihm nicht zu bekommen.
Pro Familia und meine Mutter sowie viele mit nahestehende Personen haben mich gut beraten. Auch mein Hausarzt war sehr feinfühlig. Er redete leider nur mit Pro famila wo er, für ihn auch selbstverständlich, mit dabei war. Und mit seiner Mutter und Schwester.

Wir haben beide eine Pro und Contra Liste angelegt und auf dieser Grundlage entschieden.

Naja was heißt entscheiden. Ich war unfähig diesbezüglich eine Entscheidung zu treffen. Und sonst fällt es mir absolut nicht scher etwas zu entscheiden.

Jeder mit dem ich gesprochen habe hat gesagt ich würde es bereuen. Meine Freunde hätten alle zu mir gestanden. Meine Familie sowieso. Ich wollte aber auf keinen Fall Alleinerziehend sein und auf keinen Fall ein Kind in die Welt setzen dessen Vater es sowas von nicht wollte. Ich hätte meinem Kind nicht sagen wollen das sein Vater es nicht wollte. Nichtmal als er sein herz gesehen hat.

Ich hatte schon einen Kleinen Bauch.. natürlich bestimmt ganz viel Luft, aber es war dieses Gefühl da.. und die Hose war auch etwas enger an einer Stelle die definitiv sonst nicht so dick war.

Nun dann kam der Thermin. Ganz früh morgens hätte ich diese Tabletten nehmen sollen damit der Gebährmutterhalz weich wird uns nicht verletzt wird. Ich habe es ganz lange nicht über mich gebracht da ich dachte dann wäre die Entscheidung gefallen. Sobald ich die Tabletten nehme ist es vorbei. Kurz vor dem Krankehaus nahm ich sie dann.

Kurz darauf wurde mir schlecht und ich brach sie in den Garten der Klinik wieder aus. Es ging mit so schrecklich schlecht.

Dann sind wir auf die Station gegangen, angemeldet und noch einmal diese tabletten bekommen. Dieses mal habe ich sie vertragen.. ich war beim ersten mal wohl einfach zu aufgerieben. Mein Körper werte sich dagegen.

Mir wurde beim Vorgespräch gesagt diese Tablette soll 5 Stunden einwirken (Glaube so lange war es) damit nicht verletzt würde und es für spätere Schwangerschaften keine Beeinträchtigungen bedeutet.

Kurz nachdem ich die zweiten Tabletten genommen hatte kam schon die Krankenschwester und wollte mich in den Op scheuchen. Also wäre die Zeit auf keinen Fall eingehalten worden! Ich wollte den Arzt sprechen und noch bevor er kam bekam ich einen rappel, sprang auf und rannte aus dem zimmer. Eine Ärztin hat mich abgefangen und sehr liebevoll mit mir gesprochen und mich in den arm genommen. Ich war so am ende. ich war nicht fähig eine Entscheidung zu treffen.

Ich bekam Kohletabletten damit die Weichmacher nicht mehr wirkten- das risiko bestand aber das ich Blutungen bekomme und dann das kind auch weg währe. Das war ok für mich, das wäre dann Schicksal gewesen. Kaum waren wir aus dem Krankenhaus draußen wünschte ich mir die Blutungen- das es einfach von selber passiert. Dann sah ich noch Mutter zusammenstehen mit Kinderwagen und Klimbim. Ich hatte keine lsut darauf Mutter zu sein! jetzt noch nicht! ich konnte endlich eine Entscheidung treffen. Ich war klar.

Noch im Krankenhaus während wir auf den Entlassungsbericht warteten war mein Freund kurz ganz nett, dann aber auch schnell wieder agressiv. Es war ja in dem Moment klar, wir bekommen das Kind. Es war so ein Schöner Moment für mich- als er irgendwie doch kurz liebevoll und zugewannt war. (Er ist grundsätzlich liebevoll und, nur vT etwas emotional.. naja komisch? Gespräche sind mit ihm immer sehr schwer.. ein dann müsste man ja sein Gehirn und Worte benutzen.. ich weiß klingt fies, ich bin einfach sauer gerade. ich liebe ihn über alles und er mich auch). naja aber der Moment hielt nicht lange an.. dann kam schon wieder der Spruch „dann ist mein leben jetzt wohl vorbei“. Dieser Satz löst unglaubliche Panik in mir aus. Ihm das Kind Aufzuzwingen obwohl er es nicht will. Und ich stand ja auch von anfang an nicht zu 100% dazu und wollte es nicht wirklich. Abgesehen davon das ich in es verliebt war.

nun ja.

Neuen Termin ausgemacht und es durchgezogen. Kurz vor der Op, im Bett bat ich ihn sich von dem Kind zu verabschieden. Er legte kurz die Hand auf meinen Bauch und sprang dann total agressiv auf und sagte „Von meinem blinddarm damals habe ich mich auch nicht verabschiedet“.. das waren die letzten Worte dem Kind gegenüber. Ich bin immernoch fassungslos.

Nach der Op sagte ich nurnoch „ich hasse dich“.. ich konnte es einfach nicht fassen das er so etwas sagte.. und er versuchte es nicht einmal richtig zu stellen, sich zu entschuldigen .. nichts.

Er fuhr nach hause und ließ mich alleine. Ich wollte ihn auch nicht sehen. Aber hätte es anständig gefunden von ihm, trotzdem zu bleiben und mich nicht alleine zu lassen.

Ich durfte mir dann später anhören dass ich ihn in die enge getrieben hätte mit dem verabschieden, das er es eben nicht wollte und ich ihn gezwungen hätte. Da würde er ja immer so doof reagieren. Ich wäre es schuld das er sowas gesagt hätte- weil ich ihn bedrängt habe. Das muss man sich mal auf der Zunge zergehen lassen.
Alle Schuld bei allem wird immer auf mich abgewälzt.

Naja ich habe ihm irgendwie alles verziehen. Ich habe wirklich ein Blackout. Einiges habe ich wohl verträngt. Außerdem Habe ich von meinem Psychiater Davor zur Beruhigung bekommen. Direkt nach dem Eingriff war es erstmal ok.. ein paar Tage danach traf es mich wie ein Schlag.. auf einmal fing die abwärtsspirale an.

Und mein Freund immernoch keine Hilfe. Er sah meine Trauer immer als Vorwurf an ihn. Also ging er immer auf Gegenangriff.

Nun ja, nachdem wir uns trotz allem zusammengerauft hatten beschlossen wir wann es denn geplanter weise soweit sein sollte. Er ist der Erste mann mit dem ich mir ein Kind vorstellen kann. Auch wenn es in der Beschreibung so klingt als wäre er der totale volltrottel- das ist er auch nicht. Sicher vergesse ich auch das ein oder andere nette was er gemacht hat weil die Zeit einfach so schwarz war und er größtenteils schon sehr unfähig und bescheuert war.

Er malte mir aus das er bei einem Wunschkind auf jeden fall immer alles machen würde, das sagte er während der ganzen zeit schon immer.. Bei einem Wunschkind wäre er so engagiert, würde mir alles kochen und schauen das es dem Kind und mir gut geht. Ich soll die Mutter seiner Kinder sein. Wir waren uns miteinander wohl trotz allem- oder gerade deshalb sicher. Es hat uns irgendwie näher zusammengebracht und Zukunftsvisionen beschert die wir offensichtlich mit freude teilen. Wir suchen gerade eine gemeinsame Wohnung. Mit Kinderzimmer versteht sich (Erstmal darf es das Büro sein).

Ich bin allerdings wirklich am Boden. Ich bin so viel Am heulen. Mir fehlt ein Stück meines Herzens. es war 9+3 als das Kind abgetrieben wurde. Es war Laut Arztbrief 2,12cm groß. Un dich weiß genau es wäre ein Junge geworden. Ich hatte sogar einen Namen. Ich habe auf keinen fall bewusst über einen Namen nachgedacht! Dafür war es viel zu früh. Aber der Name schlug in meinem Kopf ein wie ein Blitz. Es kam einfach so.

Seitdem kaufe ich Babyklamotten, Schnuller, (Nicht übermäßig viel, aber mal hier mal da), lebe nurnoch auf die Zeit hin ein baby zu bekommen. Ich wusste gar nicht wie dringend ich ein baby brauche- Doch jetzt habe ich einen so sehnlichen Wunsch einen Kleinen Schatz im Arm zu halten.

Eine Freundin sagte: Ich weiß, du willst kein baby, aber du möchtest *Name*. Und das trifft es wohl leider auf den Punkt. Ich habe so Angst nur eine Lücke füllen zu wollen. Wie ich es eingangs schonmal sagte.

Ich habe in meinem Kalender stehen wann es soweit sein soll.
Ich hänge nurncoh auf Mamikreisel, Gehe im Dm ständig in die Babyabteilung. Überall wo es Babysachen gibt.

Ich würde alles für geben meinen **** im Februar in meinen Armen halten zu können. Jetzt wäre es mir auch egal was mein Freund dazu sagen würde, ich wäre von mir aus Alleinerziehend! mir egal.. aber leider hat man nur diese 12 Wochen Zeit eine Entscheidung zu treffen. Und bis zur 12. Wollte ich auch nicht warten da es immer mehr ein Baby geworden wäre.
So eine Wichtige Entscheidungg innerhalb von 2,5 Wochen zu treffen ist einfach nicht möglich. Und man hat nur eine 50/50 Chance das es die Richtige Entscheidung für einen war. Und man wird nie erfahren wie es geworden wäre.

Ich freue mich auf alles was ich mit meinem freund geplant habe. Ich kann es nichtmehr erwarten. Ich hoffe es wird alles schön.

Daran muss ich mich so sehr festhalten.


14.10.2015, 02:57

Registriert: 22.06.2008, 22:37
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Beitrag Re: Hilflos und Einsam
Hallo Du Einsame,
Dein Bericht hat mich zutiefst geschmerzt.Einfach weil ich sehe, wie Du dortmals so allein gelassen warst und mit dem Rücken zur Wand standest. Und wie Du auch mit Deiner Trauer jetzt wieder so alleine bist.
Du willst nicht das dieses Kind ein Lückenfüller wird. Dann wirst Du die Abtreibung und was dazu geführt hat zunächst am besten aufarbeiten, erst dann wirst Du wieder frei sein, für ein weiteres Kind. Dein Freund kann dies gerade nicht leisten, weil er Deine Trauer als Schuldzuweisung empfindet. Männer wissen tatsächlich häufig nicht, welche Wellen nach einer Abtreibung, über eine Frau schwappen können. Dann besuche eine Selbsthilfegruppe nach Abtreibung vor Ort. Denn allein geht man ein. Die Aufarbeitung ist kein leichter, aber ein lohnender Weg. Und ich wünsche Dir, dass Dein Leben bald wieder hell und froh sein kann.
VG Chiara-Fiona


16.10.2015, 19:17
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Beitrag Re: Hilflos und Einsam
Hallo :) weisst du was mir als erstes durch den Kopf geschossen ist als ich deinen Beitrag gelesen habe ?
Wie mutig warst du, das erste mal wieder aus dem Kh abzuhauen ? !!!
In dem selben momemt als mir ein Zapfchen gegeben worden ist habe ich mir genau diesen Mut gewünscht den du an den Tag gelegt hast !!!
Ich zolle dir meinen Respekt.
Du schaffst das.


29.10.2015, 00:57
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