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 Abbruch oder nicht – ich bekomme kein Gefühl dafür 

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Beitrag Abbruch oder nicht – ich bekomme kein Gefühl dafür
Hallo zusammen,

gestern habe ich das Forum entdeckt und mich angemeldet. Ich hege die Hoffnung durch das Schreiben und Lesen evtl. einer “überlebbaren” Antwort näher zu kommen.

Meine Situation: Ich bin 35, schwanger 8+1, das Herz schlägt, beim Ultraschall vorgestern war alles in Ordnung. Als ich mit flauem Magen den ersten Test gemacht habe (6. Woche) war ich total schockiert und habe nur geheult. Zu der Zeit befand ich mich in einer Klinik aufgrund von mittelgradigen Depressionen. Ich habe mich dort bereits um einen Arzttermin zur Bestätigung und einen pro-familia-Termin in Wohnortnähe gekümmert. Durch meinen eigenen Klinikaufenthalt hat sich dies ein wenig verzögert, so dass ich jetzt für einen medikamentösen Abbruch sehr spät dran bin (möglich bis zur 9. Woche). Zwei Praxen haben mir zumindest aufgrund der bereits “fortgeschrittenen” Schwangerschaft von einem medikamentösen Abbruch abgeraten. Und schon diese zwei Praxen zu finden, hat einen ganzen Tag und unzähle Telefonate gedauert.
Also stehe ich jetzt vor der Entscheidung Kind bekommen oder einen chirurgischen Abbruch vorzunehmen.

Zu meiner Lebenssituation: Nach einigen Zusammenbrüchen in der Vergangenheit habe ich mich dazu entschlossen, eine kleine Wohnung zu kaufen, damit ich einen “Rückzugsort” für mich habe. Diese Wohnung habe ich selbst renoviert und es ist auch ein toller Ort entstanden, an dem ich mich sehr wohl fühle. Es war für mich schon sehr schwierig, diese unüberblickbare Hürde der Finanzierung zu wagen, da ich bis zum Renteneintritt abbezahlen werde. Was noch ansteht ist eine berufliche Veränderung, da ich auf Dauer nicht an meinem jetzigen Arbeitsplatz bleiben kann (unter anderem habe ich ADHS). Ich habe ein gering-mittleres Einkommen, lebe für mich ganz okay so, allerdings ohne Auto (kann ich mir nicht leisten). Ich habe immer wieder psychische Probleme, wenn die Belastungen in meinem Leben zu groß werden oder ich unter starkem Druck stehe. Depressionen kenne ich in starker Form auch von meiner Mutter, die mit mehreren Kindern alleine da stand.

Die Überlegungen müssen ohne den KV vorgenommen werden; er lebt zwar in der Nähe, wir führen jedoch keine Beziehung. Wir treffen uns lediglich ab und zu. Ich kann mit ihm aufgrund kultureller Unterschiede nicht über eine Abtreibung sprechen – das käme für ihn nicht infrage. Er fände das sicher alles ganz toll und “kein Problem”…. Was man ja immer leicht sagen kann. Es hilft aber auch nichts die Realität zu verkennen.
Für mich würde selbst unter dem Vorzeichen eines Kindes keine feste Partnerschaft mit ihm infrage kommen. Nach einer Vergewaltigung und mehreren für mich sehr schwierigen Beziehungen bin ich momentan eher bindungsgestört was eine feste Partnerschaft angeht. Da müsste mich schon der Schlag treffen, woran ich allerdings trotz allem noch glaube. Der KV arbeitet, ist jedoch absolut an der unteren Verdienstgrenze und lebt in einer 1-Zimmer-Betriebswohnung. Falls überhaupt könnte er wohl lediglich den gesetzlichen Mindestunterhalt für das Kind aufbringen, wobei ich auch das bezweifle.

Der Termin bei pro familia hat mich leider nicht wirklich weitergebracht – viele Möglichkeiten (bspw. Adoption) wurden überhaupt nicht angesprochen und auch der medikamentöse Abbruch nur auf meine Nachfrage. Ich habe den Ratschlag mit auf den Weg bekommen, “nur nach dem Gefühl” zu entscheiden. Aber….. ich bekomme einfach kein Gefühl für diese Entscheidung. Ich fühle mich nur hilflos und ohnmächtig. Es fühlt sich so an, als sei jede Entscheidung die falsche.

Für würde mein komplettes Leben durcheinanderbringen, wenn ich Pech habe, muss ich evtl. die Wohnung wieder hergeben. Im ersten Jahr (das habe ich bereits ausgerechnet) wüde ich es mit dem Elterngeld schaffen… Aber danach? Bei Hartz 4 habe ich wie gesagt Angst meine Wohnung zu verlieren, wobei sie mit 60 m² eigentlich von der Größe her nicht zu groß sein dürfte für dann 2 Personen. Sobald man aber die Terrasse mit Garten einrechnet, sieht das auch wieder anders aus. Zumal man sich darauf auch nicht verlassen kann – die Vorgaben ändern sich ja ständig. Ich habe sehr viel Kraft/Energie/Zeit & Geld in die Renovierung gesteckt und wohne hier erst seit eineinhalb Jahren. Demnach ist auch noch so gut wie nichts abbezahlt. Ich möchte auf keinen Fall in einer Sozialwohnung landen. Ich kenne die Situation und langfristigen Schwierigkeiten einer alleinerziehenden Mutter aus der eigenen Familie. Ich habe bereits viel gelesen und es hört sich immer so toll an “Wenn Du Dich drauf einlässt findet sich immer ein Weg. Wir werden hier gut unterstützt in Deutschland, es findet sich alles, wenn man das Herz sprechen lässt...”. Das ist aber nicht die Realität. Die Realität ist, dass eben sehr viele Mütter unter die Räder kommen, sich aufopfern und als Sozialfall enden, weil sie nichts haben. Mir ist jedenfalls keine alleinerziehende Mutter (die OHNE familiäre finanzielle Hilfen und erbbares Vermögen auskommen muss) bekannt, für die es sich langfristig mit Kind/ern gut leben lässt. Das ist schon für eine Familie mit zwei Elternteilen schwierig.
In meinem jetzigen Job (öD) könnte ich Elternzeit beantragen, das ginge. Alle meine Kolleginnen, die Kinder haben, haben einen gut verdienenden Mann an ihrer Seite…. Dann geht das auch.

Mit 35 bin ich nun in einem Alter, in dem diese Entscheidung wohl endgültig sein wird. Wenn ich dieses Kind nicht bekomme, werde ich vermutlich keines mehr bekommen. Ich habe total Angst, diese Entscheidung später zu bereuen. Dann denke ich “nun dann sollte es jetzt wohl so sein und ich sollte mich drauf einlassen”. Aber ob ich damit dann glücklicher wäre? Ich muss dazu sagen, dass ich noch nie einen brennenden Kinderwunsch hatte. Es war eher ein “Wenn dann okay, wenn nicht auch okay. Darauf anlegen, besser nicht” - es hätte also schon immer nur durch einen Unfall passieren können, auch während ich in festen Beziehungen lebte. In einer festen Partnerschaft hätte sich aber die Frage nach einem Abbruch nicht gestellt. Nur jetzt wäre ich allein... Und zu meiner Schande war es nicht einmal ein Unfall. Auch nicht darauf angelegt, einfach absolut unkontrolliert und leider betrunken mit Filmriss. Schon das ist keine schöne Basis für eine erfüllte Schwangerschaft und soll schon gar keine Entschuldigung sein. Das ist unentschuldbar, das weiß ich selbst.

Mir ist auch bewusst, dass beide Entschiedungen – für und dagegen – lebenslange Entscheidungen sind.

Die Tage vergehen, ich wäge ab, überlege hin und her, versuche mich einzufühlen wie es wäre, wenn ich es bekomme/wenn ich es nicht bekomme. Nichts, kein verlässliches Gefühl dafür. Ich bin absolut zerrissen, wie bei allem in meinem Leben. (Ich gehöre sowieso eher zu den emotional instabilen Menschen) Ständig muss ich anfangen zu weinen, weil ich einfach nicht weiß, wie es weitergehen soll. Komplett ausgeblendet habe ich jetzt mal die spirituelle/karmische Seite.

Wenn ich an Spielplätzen vorbeilaufe und die Mütter reden höre, denke ich “Oh je, da sehe ich mich ja gar nicht. Das ist ja kaum aushaltbar dieses blabla”.
Andererseits bei mir im Vorgarten mit einem Tragetuch und einem kleinen Baby im Schatten… Das könnte ich mir vorstellen. Aber das wird dann ein Wesen, das gut 20 Jahre meine Aufmerksamkeit und Kraft fordern wird. Es ist ja nicht so, dass dieser werdende Mensch dann immer ein Baby bleibt. Heutzutage ist es meiner Beobachtung nach auch nicht mehr so wie früher, dass die meisten dann mit 16 selbständig dastehen und mit 18 ausziehen. Heute leben die Kinder ja gerne bis 30 bei den Eltern… Das ist ein so dermaßen langer und unüberschaubarer Zeitrahmen. Und nur ein Kind bekommen, weil man sonst evtl. “etwas verpasst”? Da ist noch gar nicht eingerechnet, dass ich aktuell finde, dass ich in die momentane hier herrschende Gesellschaft lieber kein Kind setzen möchte… Das soziale Umfeld, was ich mir dann für mein Kind wünschen würde, könnte ich alleinerziehend auf keinen Fall bewerkstelligen. Heutzutage muss man unter Umständen ja schon in eine andere Gemeinde, um einen geeigneten Kindergarten zu finden. Da kann ich dem Kind alles mögliche beibringen, wenn es die meiste Zeit dann in dieser intellektuell und feinmotorisch doch sehr stark nachlassenden Gesellschaft unterwegs sein muss…. Ich hoffe das kriegt jetzt niemand in den falschen Hals, es soll keinesfalls herablassend gemeint sein. Ich möchte nur all meine Gedanken mit auflisten und ich befinde mich gewissermaßen in einem Konflikt mit dieser Welt, seit ich sie betreten habe. Ich bin seit Kindesbeinen an Vegetarier und kann mit der Unachtsamkeit und Verantwortungslosigkeit in dieser Welt oft nicht umgehen. Das bringt mich mit meinem Überlebenkampf schon oft an den Rand des Möglichen…. Aber mit Kind habe ich ja gar keine Möglickeiten mehr der “normalen” Gesellschaft aus dem Weg zu gehen. Dazu meine rasende Ungeduld durch das ADHS. Ich habe schon die zweimal im Wartezimmer (jeweils stundenlang gewartet) fast einen Ausraster bekommen. Natürlich war ich sehr angespannt, aber es gipfelte in Gedanken wie "Genau schon deshalb kann ich das Kind nicht bekommen, weil ich wahninnig werde bei diesen Wartezeiten! Wieso lässt sich das nicht vernünftig organisieren?!" Für diese Ausraster habe ich mich dann vor mir selbst geschämt, mir ist ja klar, dass das kein Beweggrund sein kann. Aber es führt mir eben vor Augen, wie ich bereits mit völlig harmlosen Situationen im Leben überfordert bin....

Dazu meine psychischen Vorgeschichten…. Also es kann natürlich sein, dass alles wie weggeblasen ist. Es gibt Fälle, in denen die ADHS-Erwachsenen nach der Geburt völlig ruhig und entspannt wurden. Es kann aber auch anders sein und es überfordert mich total. Schon die Entscheidung alleine eine Wohnung zu finanzieren, hat mich fast wahninnig gemacht, da sie für mich unkontrollierbar ist.

Ich habe auch nicht gerade ein sozial sehr stabiles Umfeld. Es gibt immer wieder Menschen, aber ein stabiler Freundeskreis ist nicht um mich herum. Mit der Familie ist es auch eher sporadisch; gut das könnte sich durch ein Kind sogar verbessern.

Zusätzlich war mir die letzten zwei Wochen so dermaßen übel wie noch nie in meinem ganzen Leben – und das auch nicht nur morgens. Jetzt schon so eine enorme Fremdbestimmung… Wenn das die ganze Zeit so weitergehen würde…. Als das schlagartig aufhörte, habe ich kurz auf eine missed abortion gehofft. Allerdings wurde ja vorgestern (fast schon leider) die intakte SS bestätigt. Das wäre natürlich die “einfachste” Lösung für mich, da ich keine Entscheidung und kein schlechtes Gewissen haben müsste. Es hat sich auch komisch angefühlt das Bild vom Ultraschall mit Herzschlag zu sehen. Ich glaube ich versuche mich schon zu schützen, falls ich mich gegen das Kind entscheide. Weil ich an und für sich ein sehr emotional mitfühlender Mensch bin und ich einen Abbruch vermutlich auch nicht einfach so verkraften würde. Jede 3. SS wird laut meiner Ärztin in den ersten 12 Wochen von selbst beendet. Aber darauf hoffen? Das wäre "toll" (also toll im Sinne von am Besten in dieser Situation), aber vermutlich gehöre dann genau ich nicht zu dieser statistisch 3. SS.

Dafür spricht, dass ich eine Richtungsänderung in meinem Leben wollte..... Und die hätte ich ohne mir einen neuen Job zu suchen.

Puuuuuuh das ist so schwierig – wem gehts denn ähnlich? :cry: Oder mag auch jemand erzählen, wie sie sich dann entschieden hat und wie es sich danach ausgewirkt hat?

Danke für eure Mühen beim Lesen! Ist doch etwas länger geworden – aber ich hoffe einigermaßen verständlich.


14.06.2017, 12:25
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Beitrag Re: Abbruch oder nicht – ich bekomme kein Gefühl dafür
Hallo Sabina,


es ist wahrhaftig keine einfache Entscheidung die du treffen musst. Am Ende ist es eine Entscheidung zwischen einer Schlechten und einer noch schlechteren Möglichkeit. Das Schlimme ist aber, das man im Vorfeld nicht weiß welches die schlechtere Möglichkeit ist.

Es ist auch schwer dir einen Rat zu geben. Ich denke aber, das du zu erst überlegen sollst ob du dir ein Leben mit Kind vorstellen kannst oder mehr ein Leben ohne Kind. Ich meine langfristig gesehen. Dabei würde ich mich wirklich nur auf die Frage konzentrieren und erst einmal alle Begleitumstände außer Betracht lassen. Wenn du diese Frage für dich klären kannst, dann kannst du danach deinen weiteren Weg suchen.

Du schätzt es in meinen Augen sehr realistisch ein und redest auch nichts schön. Alleinerziehend mit Kind ist nicht einfach, aber auch möglich. Eine weitere Frage ist wie du einen eventuellen AB verarbeiten kannst. Ich weiß, auf diese Frage gibt es ebenfalls im Vorfeld keine Antwort.

Aus deiner Sicht spricht sehr viel gegen das Kind. Ich denke aber das noch nicht alle Unterstützungsmöglichkeiten erörtert sind. Sollte der KV keinen Kindesunterhalt zahlen können, dann kannst du neben dem Kindergeld Unterhaltsvorschuss beim Jugendamt beantragen. Wenn ich richtig liege soll es ihn demnächst oder eventuell jetzt schon bis zum 18. Lebensjahr des Kindes geben. Die Wohnungsgröße sehe ich bei zwei Personen als angemessen an. Unter Umständen dürftest du Wohngeld oder eine ähnliche Leistung bekommen.

Du hast das Thema Adoption angeführt. Solltest du feststellen das du wirklich dauerhaft überfordert bist hast du die Möglichkeit dein Kind zur Adoption freizugeben. Ich würde aber falls der Fall wirklich eintritt erst einmal eine auf Zeit begrenzte Pflegefamilie bevorzugen. Aus meiner Sicht bedeutet eine Adoption oder eine Pflegefamilie nicht das du eine schlechte Mutter bist, sondern das du eine verantwortungsvolle Mutter bist die ihr Kind in den Vordergrund stellt.

Versuche auch bitte die dir noch verbleibende Zeit zu nutzen und entscheide dich nicht zu schnell.

FG Oscar


14.06.2017, 22:35
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Beitrag Re: Abbruch oder nicht – ich bekomme kein Gefühl dafür
Hallo ich mochte dir gerne schreiben da ich selber einen Abbruch hinter mir habe ich kann dir naturlich zu nichts raten.Ich mochte dir nur erzahlen wie ich es empfunden habe.
Ich hatte auch so schlimme Angste und sachte ich schaffe es nicht und habe leider in meiner Panik einen Abbruch machen lassen.Mir bedeutete mein Zuhause plotzlich nichts mehr ich vermisste dieses kleine Wesen in meinem Bauch ich bekam schlimme Depressionen nach dem Abbruch.Ich war zu der Zeit auch 35 Jahre alt und auch kein Gefuhl zur Schwangerschaft aber als es weg war ,kam kurz Erleichterung und dann die Ernuchterung was ich da tat.Ich hoffe fur dich das du die richtige Entscheidung triffst.Einen Abbruch kann man nicht mehr ruckgangig machen und hoffe fur dich das du dich nicht immer frsgen wirst wer oder was daraus geworden ware.Vielleicht bringt dir genau dieses Kind die Ruhe in dein Leben wer weiss.Sollte es nicht gehen kannst du danach ja auch noch Wege gehen und das Kind in Pflege geben.Nur du alleine kennst dich am Besten ich wunsche dir alles,alles Liebe


14.06.2017, 22:44
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Beitrag Re: Abbruch oder nicht – ich bekomme kein Gefühl dafür
Hallo,

ich melde mich mal wieder zwischendurch, vielen lieben Dank für Eure bisherigen Antworten! Ich habe sie gleich gelesen, aber mich ein paar Tage rausgenommen.

Besonders Deine Kern-Frage, lieber Oscar, hat mich wirklich weitergebracht. Diese eine Frage, da alles andere regelbar ist. Ich bin zu dem Schluss gelangt, dass ich mir eher kein Leben mit einem Kind vorstellen kann. Mit diesem Gedanken bin ich nun ein paar Tage durch die Welt gelaufen und wider Erwarten haben sich selbst wenn ich andere Mütter mit ihren Kindern gesehen habe keine "neidischen" Gefühle eingestellt. Auch meine Eltern habe ich mit ins Boot geholt; sie unterstützen beide mögliche Entscheidungen und wären auch nicht verstimmt, wenn sie durch mich nicht Großeltern werden. Es hat sich ein "Ich kann das nicht" rauskristallisiert, was jetzt nicht unbedingt auf der materiellen Ebene zu suchen ist. Klar weiß ich nicht, ob ich das nicht irgendwann bereuen werde... Nur, das weiß man ja bei keiner Entscheidung, die man im Leben treffen muss. Ich glaube ich habe jetzt wirklich gründlich abgewogen und auch versucht alles zu spüren und zu fühlen.

Mittlerweile habe ich einen OP-Termin für Donnerstag vereinbart. Selbst hierauf hat sich kein Gefühl wie "oooh shit, das willst Du doch gar nicht" eingestellt. Nur der medikamentöse Abbruch schwebte mir noch im Kopf herum.... Heute kam ein Arzt, der diese Leistung anbietet, aus seinem Urlaub zurück. Er hat nochmal alles kontrolliert und ich habe morgen einen Termin, d. h. ich könnte morgen einen medikamentösen Abbruch einleiten; später geht es nicht mehr. Da ich nun aber seit drei Tagen unverändert in meiner Entscheidung bin, werde ich morgen aller Voraussicht nach die Tabletten nehmen. Vom Gefühl her liegt mir das wesentlich mehr als ein operativer Eingriff.

Ich werde auf jeden Fall nochmal berichten - entweder wie es mir geht oder falls ich doch unerwarteter Weise meine bisher gebildete Meinung ändern sollte.

Viele Grüße
Sabina


19.06.2017, 22:45

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Beitrag Re: Abbruch oder nicht – ich bekomme kein Gefühl dafür
Noch eines: Es ist wirklich toll, dass es dieses Forum gibt! Es ist eine sehr große Hilfe in diesem "Alibi-Beratungs-Dschungel" hier in Deutschland!


19.06.2017, 23:10
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Beitrag Re: Abbruch oder nicht – ich bekomme kein Gefühl dafür
Ups - der Gast-Beitrag von 21:45 Uhr war auch von mir... Ich war wohl iwie nicht angemeldet.

Grüße
Sabina


19.06.2017, 23:23
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Beitrag Re: Abbruch oder nicht – ich bekomme kein Gefühl dafür
Sabina hat geschrieben:
Ups - der Gast-Beitrag von 21:45 Uhr war auch von mir... Ich war wohl iwie nicht angemeldet.

Grüße
Sabina


Hab ihn deinem Profil zugefügt.
Alles Liebe, herzlichst, Jessi


20.06.2017, 00:34
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Beitrag Re: Abbruch oder nicht – ich bekomme kein Gefühl dafür
Liebe Sabina,

Dein Bericht bewegt mich und weisst Du, ich schreibe Dir meine Gedanken und wünsche, Du liest sie noch heute am Morgen, bevor Du Deinen Arzt aufsuchst.
Deine Situation, mit allem was Du schreibst hört sich nicht leicht an. Und Deine Schicksalsschläge, die Depressionen von denen Du schreibst, machen traurig.
Ich dann denke ich an Deine Wohnung, Deinen kleinen feinen Rückzugsort, den Du Dir geschaffen hast, ganz große klasse! Ein kleiner schöner Wohlfühlort, wie schön, dass Du Dir so viel wert bist, dass Du Dir so etwas gestaltet hast. Trotz der Schwäche die Du ja auch gleichzeitig erlebst. Ich freue mich für Dich : ).

Ich möchte gerne zwei Gedanken mit Dir teilen. Ich bin mal gefragt worden, frisch als junge Mama, was mich am meisten überrascht hat im Zusammenhang mit der Geburt meines Kindes. Es hat mich am meisten überrascht, dass mit der Geburt eines Kindes sofort eine Beziehung zu dem Kind entsteht. Das hätte ich mir -trotz der Vorfreunde auf mein Kind- nicht vorstellen können, was dies bedeutet. Weißt Du, und das ist das, was man im Vorfeld einer Entscheidung für oder gegen ein Kind einfach nicht abwägen kann. Das vernünftige „für“ und „wider“ schon, den Beziehungsaspekt nicht. Und ich möchte Dir Mut machen.

Du schreibst Du wünscht Die einen Richtungswechsel. Darf Dein Leben mit Kind ein Richtungswechsel sein? Ein neuer Weg. Klar, dadurch ist nicht sofort alles anders. Ich kenne auch Täler und Krisen in meinem Leben. Und ich mag Dich ermutigen. Es geht auch wieder nach oben. Klar, ein Kind kostet auch Kraft und manche Entbehrung auch, aber ein Leben mit Kind gibt auch so viel an Freude, Liebe, Sinnerfüllung, Möglichkeit zu gestalten und damit auch Kraft zurück. Unterschätze dies nicht. Deine Eltern unterstützen Dich, Dein „Freund“, selbst wenn ihr keine feste Partnerschaft habt, findet dies Entscheidung gut, und wenn Du merkst, dass auch jetzt oder später therapeutische Unterstützungsmöglichkeiten brauchst, es gibt wunderbare Möglichkeiten diese, auch mit Kind zu bekommen.

Ich möchte Dich ermutigen, liebe Sabina,
Viele liebe Grüße, Freedom


20.06.2017, 11:47
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Beitrag Re: Abbruch oder nicht – ich bekomme kein Gefühl dafür
Hallo Sabina,


ich finde es gut das du dich zur Entscheidungsfindung einige Tage nicht im Forum warst. Ich denke du hast abgewogen welche Entscheidung für dich günstiger ist. Und, "Ja", man weiß im Vorfeld nicht ob man sich auf Dauer gesehen wirklich richtig entschieden hat.

Sabina, egal wie du dich entscheidest/ entschieden hast, es ist deine Entscheidung und niemand hat das Recht dich dafür zu verurteilen.


Das Forum ist weiterhin für dich da.


Viele Grüße

Oscar


20.06.2017, 22:09
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Beitrag Re: Abbruch oder nicht – ich bekomme kein Gefühl dafür
Liebe Sabina,

ich habe immer wieder an Dich gedacht gestern und heute. Wie ist es Dir ergangen? Hast Du gestern die Abtreibung vornehmen lassen? Oder nimmst Du morgen den Termin wahr? Bist Du noch am Ringen um eine Entscheidung oder hast Du Dich doch noch unerwartet gegen die Abtreibung entschieden?
Keineswegs wollte ich Dich gestern mit meinem Schreiben am Vormittag belasten. Viel mehr war es mir ein Anliegen, Dir noch meine Sicht auf Deine Situation zu schreiben und die war bzw. ist für Dich voller Hoffnung. Nicht nur „überlebbar“ ( wie Du es ganz am Anfang formuliertest) sondern lebenswert.
Von Herzen wünsche ich Dir alles Gute. Ich würde mich freuen, wenn Du hier nochmal schreibst.
Ganz liebe Grüße, ich denke an Dich.
Freedom


21.06.2017, 22:56
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Beitrag Re: Abbruch oder nicht – ich bekomme kein Gefühl dafür
Hallo liebe Leser und Schreiber,

ich möchte euch noch teilhaben lassen. Ich habe mich schlussendlich für den medikamentösen Abbruch entschieden und heute - zwei Tage "danach" fühle ich mich mit der Entscheidung ganz gut. Der lange Abwägungsprozess in alle Richtungen war zwar sehr anstrengend und von Zweifeln übersäet, hat sich aber von einem anfänglichen zögerlichen Ja dann doch zu einem recht klaren Nein entwickelt. Entgegen meinen Befürchtungen hat sich jetzt hinterher auch kein "Oh Shit, was habe ich getan" eingestellt und bisher bereue ich den Schritt auch nicht. Ich fühle mich wieder mehr wie ich selbst und vor allen Dingen ist mir nicht mehr ständig übel.

Eines ist mir noch wichtig, vielleicht hilft das Lesen der einen oder anderen: Die ganzen Horror-Berichte im Internet über Mifegyne kannt ich nicht bestätigen. Sicherlich ist eine Abtreibung - egal welcher Art - kein Spaziergang. Das stellt sich aber hoffentlich auch niemand so vor. Dennoch möchte ich von meinen Erfahrungen hierzu berichten: In der Arztpraxis (die ich zugegebenermaßen recht vehement suchen musste), habe ich mich sehr gut aufgehoben gefühlt. Ich habe mich für eine Frauenarztpraxis entschieden und nicht für eine "Abtreibungsklinik". Der Arzt hat mir alles sehr genau und gut erklärt, er hat beim Ultraschall auch gefragt, ob er den Bildschirm lieber wegdrehen soll (und da hatte ich mich noch gar nicht für eine Abtreibung entschieden). Ich kam mir sehr ernst genommen und auch nicht verurteilt vor. Mir (und hier spreche ich nur für mich, das kann bei anderen Frauen ganz anders sein) hat es sogar gut getan die schwangeren Frauen im Wartezimmer zu sehen. Denn es hat nach und nach bei jedem Termin meinen Entschluss verstärkt bzw. mich damit sicherer fühlen lassen.
Die erste Tablette habe ich recht gut vertragen und nichts gemerkt, außer dass die Übelkeit schlagartig am nächsten Tag vorbei war. Zwei Tage später habe ich die anderen Tabletten vaginal eingelegt bekommen, ca eine Stunde später musste ich mich übergeben und hatte Durchfall. Ich habe starke Blutungen und Krämpfe bekommen. All das hat mich aber wegen den genauen Erklärungen des Arztes nicht verunsichert. Da ich mir zuvor sehr viele Berichte hierzu durchgelesen hatte, hatte ich wirklich Angst. Die hören sich ja teilweise haaresträubend an. Es ist aber alles aushaltbar und jetzt warte ich noch auf die Nachkontrolle in knapp zwei Wochen. Erst dann kann sicher gesagt werden, ob alles geklappt hat oder ob noch eine Ausschabung nötig werden sollte.

Ich habe das jetzt niedergeschrieben, um vielleicht mit diesen Worten ein wenig von den Ängsten anderer Frauen dämpfen zu können. Es ist keine schöne Situation und ich wünsche niemandem, so etwas durchmachen zu müssen. Wenn ihr aber in eine solche Situation geratet, lasst euch nicht verunsichern. Der medikamentöse Abbruch scheint bei uns in Deutschland politisch nicht gewollt zu sein und die Hürden sind sehr hoch. Ich bereue es nicht, diesen Schritt gegangen zu sein.

Was lerne ich daraus? Ich bin einem inneren Gefühl, einer Intuition gefolgt, als ich mich für diesen Schritt entschieden habe. Und das war richtig so! Ich möchte jede Frau ermutigen - egal welche Infos auch dagegen sprechen - ihrem Gefühl zu trauen und zu folgen. So habe ich jetzt zu einer für mich stimmigen Entscheidung gefunden und tatsächlich nicht nur zu einer "überlebbaren".

Vielen Dank hier allen, die sich mit meiner Geschichte auseinandergesetzt haben. Es war mir eine große Hilfe hier alles niederschreiben zu können.

Liebe Grüße
Sabina


24.06.2017, 11:49
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