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 Hilfe - ich fühle mich schuldig, unfair und todunglücklich 
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Beitrag Hilfe - ich fühle mich schuldig, unfair und todunglücklich
Guten Tag,

um es kurz zu machen, ich weiß nicht mehr weiter, bin mit mir selbst todunglücklich. Mir geht es nicht gut, fühle mich neblig und von innen erschöpft und heiß. Meine Partnerin (27) und ich (30) sind seid 4 Jahren zusammen. Die Beziehung ist oft schön, jedoch auch sehr stressig. Wir streiten seit langem viel und lautstark miteinander, es fließen tränen, schaffen es bisher aber beide nicht sich letztendlich voneinander zu trennen, wir versuchen es alle paar Wochen immer wieder miteinander, starten oft wieder bei 0...es ist schließlich nicht alles schlecht. Eigentlich ist sie auch ein wunderbarer Mensch, nur unheimlich perfektionistisch. Sie ist voll berufstätig. Ich habe vor 2 Jahren meinen Beruf aufgegeben, kann nächstes Jahr hoffentlich mein Studium zu ende führen und bin dann beruflich auch in einer guten Position. Wir teilen im Leben eine gemeinsame Reihenfolge. 1. finanzielle Sicherheit (Mann später als Alleinversorger) 2. Kinder 3. Heirat und Eigenheim. Der Kinderwunsch ist bei ihr ausgeprägter als bei mir, jedoch bin ich später auch nicht abgeneigt. Ich glaube, sie tut mehr für die Beziehung als ich.
Vor 4 Tagen war es dann wieder so weit, ein Streit, der entbrannte, es flogen lautstark die Fetzen und mitten drin sagte sie, dass sie ihre Tage nicht bekommen hat. Es folgte ein Schwangerschaftstest, der war plötzlich trotz Pille positiv. (ca. nun 5te Woche). Ich kann mich nicht mehr so ganz an alles erinnern, bin innerlich psychisch zusammengebrochen, viel geweint, immer wieder "nein" zu mir vor dem Spiegel gestammelt, viel gelaufen. Sie saß mit gesenktem Kopf stundenlang auf einem Stuhl, wollte es auch nicht wahr haben. Vor der Schwangerschaft war sie immer grundsätzlich gegen eine Abtreibung, ich hatte da so bisher keine wirkliche Stellung zu. Sie sah jedoch auch, wie ich daran kaputt ging...es ist uns klar, dass ich mit der Schwangerschaft das Studium abbrechen würde, da ich vom Kopf her einfach nicht frei wäre, bereits stark mit dem Studium kämpfe und das Studium keine zeitlichen Aussetzer etc. erlaubt. Dafür bin ich vom Kopf her nicht frei genug. Wir sprachen miteinander und ich teilte ihr meine Sorgen mit, dass
ich im Fall des nicht bestandenen Studiums beruflich nicht glücklich werde und sich dieser berufliche Knacks irgendwo entfernt mit der ungewollten Schwangerschaft verbinde, finanzielle Träume platzen - das will ich nicht. Dazu kommt, dass die Beziehung nicht mehr aus freien Stücken besteht - sondern beiderseits durch ein Kind gehalten werden muss. (So denken wir beide). Wir schlossen quasi einen Pakt, mit dem ich leben kann - sie ist darüber jedoch auch sehr glücklich. Wir arbeiten an der Beziehung, besonders ich - da ich oft genervt bin und zu viel Zeit mit was anderem verbringe - und sobald ich im nächsten Jahr das Studium beendet habe (werde im Falle des Bestehens direkt übernommen) und die Beziehung dann noch immer besteht und beide glücklich sind - dann soll es eben so sein und können beruhigt das Thema Schwangerschaft aktiv angehen, zeitlich versetzt dann gerne alles andere wie Heirat, Hausbau etc. Dabei stellte sich unerwartet sogar heraus, dass ich mir in der Anzahl der Kinder eigentlich mehr wünsche als sie selbst. Mit der Vorstellung bin ich innerlich glücklich - sie freute sich sehr über meine Worte. Die Stunden danach verbrachten wir eigentlich so, wie sie es sich jeden Tag wünscht - stundenlange Gespräche, Streicheln, Gemeinsam einschlafen, lachen usw. Es gefiel ihr richtig gut. Eigentlich ist es ja nun genau so, wie wir es uns vorgestellt hatten. Priorität in Bezug auf finanzielle Sicherheit durch einen guten Job - danach kann alles kommen. Die Schwangerschaftsberatung haben wir hinter uns und wollen die OP so schnell wie möglich hinter uns bringen. Jedoch plagt in mir irgendwo ein Selbsthass, fühle mich schuldig, ich weiß, dass wenn ich nicht so total emotional am ersten Tag reagiert hätte, hätte sie den Weg nicht eingeschlagen...obwohl uns beiden bewusst ist, dass der Zeitpunkt katastrophal ist und unsere Beziehung darunter enorm zittert und im schlimmsten Fall wir dann eben ein nicht allzu glückliches Paar mit geringem Eigenkommen sind, genau das wollen wir nicht sein.
Ich kann mir sehr gut vorstellen, dass es ihr innerlich trotzdem total schwer fällt - mir jedoch irgendwie auch. Der Zeitpunkt hat bei mir alles verändert, innerlich habe ich seitdem das Bestreben danach, mehr für die Beziehung zu tun und ihr den Kinderwunsch ende nächsten Jahres auf gar keinen Fall zu verwehren. Und im nächsten Jahr soll es denn dann auch so sein, darauf freuen wir uns beide.
Dennoch fühle ich mich schuldig, voller Selbsthass - Sie sagt, dass es komisch ist zu wissen das da was ist, will es so schnell wie möglich hinter sich bringen und wieder nach vorne schauen, sagt, dass es so okay ist und sie sich trotzdem freut, grundsätzlich schwanger werden zu können. Und mit dem Plan freut sie sich wirklich.
Mir geht es äußerlich und innerlich eigentlich nur schlecht, habe Angst, dass Sie mich irgendwo dafür hassen wird.
Ich habe keine Ahnung, bin total überfordert, fresse das Thema durch Google seid Tagen in mich rein.
Bin ich ein totaler Arsch ?


29.04.2020, 01:56
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Beitrag Re: Hilfe - ich fühle mich schuldig, unfair und todunglücklich
lieber heidelbär,
herzlich willkommen hier im forum.

es is eine sehr verzwickte situation.

bis das kind kommen würde hättest du doch eigentlich noch fast 2 semester zeit zum studieren. ich spüre da is ganz schön viel angst in dir es nicht zu schaffen.

die schwangerschaft hat euer beider leben verändert egal welchen weg ihr geht. ihr solltet euch die zeit nehmen sorgfälltig abzuwägen. keiner der schritte lässt sich rückgängig machen und ihr müsst beide mit eurer entscheidung leben.

ich wollte damals meinen abbruch nicht. habe den abbruch nur wegen meinem umfeld vornehmen lassen, weil alle auch mein exmann gegen unser kind waren. mir ging es viele jahre sehr schlecht damit. auch heute nach 14 jahren tut diese entscheidung noch weh. obwohl es vielleicht von der vernunft her die richtige entscheidung war.

hört auf euer herz!

viel kraft und herzliche grüße von cordula


29.04.2020, 12:43
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Beitrag Re: Hilfe - ich fühle mich schuldig, unfair und todunglücklich
Hallo, wie geht es dir heute? Deine Gedanken und wie du dich fühlst, sind nicht umsonst! Hast du deiner Partnerin erzählt, wie es dir wirklich geht – wie du es hier geschrieben hast? Sie sollte es wissen! Es ist zu wichtig.

Wenn es noch nicht zu spät ist, sprich mit ihr. Wie du heute denkst – welche Gedanken du dir um sie machst. Ihr habt erst vor ein paar Tagen erfahren, dass sie schwanger ist. Es geht wahnsinnig rasant mit der Beratung und dem Termin für eine Abtreibung. In der 5. Woche ist es überhaupt nicht dringend!

Ich rate dir, dass ihr den Termin erstmal absagt oder verschiebt. Und nochmal ehrlich miteinander sprecht. Das sind so viele Gefühle im Spiel.
Was du jetzt fühlst, kommt nicht von ungefähr. Dir kamen im ersten Schock gleich viele negative Aussichten, wie es mit dem Kind werden würde. Das ist öfter so, wenn so ein Ereignis über einen hereinbricht. Wenn sich der erste Gefühlssturm gelegt hat, kommen tiefere Gefühle und Gedanken zu Tage. Du siehst klarer als vor ein paar Tagen. Also sprecht miteinander. Es ist gar nicht gesagt, wie es mit dem Baby wird. Es kann dir genauso ein Ansporn sein, dass du konzentrierter für dein Studium arbeitest. Du hast damit ein schönes Ziel. Nächstes Jahr ein abgeschlossenes Studium mit einer Arbeitsstelle und ein Baby. Falls finanziell eine Zeit zu überbrücken wäre, gibt es da gute Unterstützungsmöglichkeiten. Es wäre ja wirklich nur für ein paar Monate.

Ein herzlicher Gruß zu dir – und unbekannter Weise auch an deine Liebste! Vielleicht mögt ihr miteinander hier lesen…
Tizia
P.S.: Ich schicke dir diese Nachricht auch privat - manchmal kommt eine Nachricht spät an oder wird spät freigeschaltet, daher beide Möglichkeiten. Liebe Grüße!


30.04.2020, 11:20
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